#82 Fachlich brillant, menschlich daneben? Warum emotionale Intelligenz über Führungserfolg mitentscheidet
Shownotes
Was nützt die beste fachliche Kompetenz, wenn Mitarbeitende sich nicht trauen, ihre Meinung zu sagen? Oder wenn eine Führungskraft bei Kritik sofort in die Defensive geht?
Emotionale Intelligenz ist weit mehr als ein netter Soft Skill. Sie beeinflusst, wie wir mit anderen Menschen umgehen, Konflikte lösen und Vertrauen aufbauen. Studien zeigen außerdem, wie eng empathische Führung mit Innovation, Mitarbeiterengagement und wirtschaftlichem Erfolg zusammenhängt.
In dieser Folge erfährst du, was emotionale Intelligenz eigentlich bedeutet, warum sie für Führungskräfte so entscheidend ist und wie du durch mehr Selbstreflexion und Empathie deine Führungswirkung verbessern kannst.
Mit spannenden Zahlen, konkreten Beispielen aus dem Führungsalltag und drei Fragen, die du dir als Führungskraft unbedingt einmal stellen solltest.
Shownotes:
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00:00:03: Herzlich willkommen zu Professionell Auftreten, dein Podcast
00:00:07: für die gelungene Präsentation.
00:00:10: Souverän, glaubwürdig und begeisternd auftreten, deine Botschaft
00:00:14: zielsicher anbringen, mit Leichtigkeit Lampenfieber,
00:00:18: kritische Fragen und andere Stolpersteine überwinden.
00:00:22: Darum geht's.
00:00:23: Ich bin Silvia B. Pitz und freue mich auf dich.
00:00:26: Herzlich willkommen!
00:00:33: Montagmorgen, 9 Uhr.
00:00:35: Das wöchentliche Teammeeting beginnt.
00:00:38: Die Führungskraft ist bestens vorbereitet, die Zahlen stimmen,
00:00:42: die Präsentation ist klar strukturiert, die Argumentation überzeugend.
00:00:48: Dann meldet sich ein Mitarbeitender: Ich habe mir die Planung
00:00:52: noch einmal angesehen.
00:00:54: Ich glaube, wir unterschätzen den Zeitaufwand für die Umsetzung.
00:00:59: Die Führungskraft schaut kurz auf, atmet hörbar aus
00:01:05: und antwortet in einem genervten und vielleicht sogar scharfen Ton: Das haben
00:01:11: wir doch jetzt schon mehrfach besprochen!
00:01:14: Wir müssen jetzt endlich vorankommen!
00:01:16: Ich kann nicht jedes Mal wieder bei null anfangen!
00:01:20: Kurze Stille.
00:01:22: Der Mitarbeitende nickt, klappt seinen Laptop auf und sagt nichts mehr.
00:01:28: Das Meeting läuft weiter, die Führungskraft ist zufrieden,
00:01:31: die Agenda wurde ja abgearbeitet, alle Entscheidungen sind getroffen.
00:01:37: Was die Führungskraft vermutlich gar nicht bemerkt hat: Gerade ist etwas passiert,
00:01:42: das sich in keiner Meeting-Dokumentation findet.
00:01:46: Ein Mitarbeitender hat gelernt, dass kritische Einwände unerwünscht sind.
00:01:52: Vielleicht behält er oder sie seine Bedenken beim nächsten
00:01:55: Mal einfach für sich.
00:01:57: Vielleicht tun das irgendwann auch seine Kolleginnen und Kollegen.
00:02:01: Die Führungskraft hat ihre Entscheidung durchgesetzt, aber welchen
00:02:06: Preis hat sie dafür bezahlt?
00:02:09: Ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Professionell Auftreten:
00:02:14: Der Auftritt fachlich brillant Menschlich daneben.
00:02:19: Die unterschätzte Macht emotionaler Intelligenz.
00:02:24: Heute geht es um eine Fähigkeit, die im beruflichen Alltag sehr oft
00:02:29: unterschätzt wird, obwohl sie erheblichen Einfluss auf
00:02:32: Führung, Zusammenarbeit und wirtschaftlichen Erfolg
00:02:35: haben kann: die emotionale Intelligenz.
00:02:39: Das gilt auch und gerade in Meetings und, wie wir in politischen Diskussionen zum
00:02:44: Beispiel sehen, auch in öffentlichen Debatten.
00:02:48: Wir schauen uns heute also intensiv an, was emotionale Intelligenz bedeutet,
00:02:53: warum sie für Führungskräfte so wichtig und auch wirtschaftlich relevant ist
00:02:59: und warum Empathie mit einer gewissen
00:03:01: Portion Durchsetzungsvermögen hervorragend zusammenpasst.
00:03:06: Außerdem habe ich ein paar interessante Studien mitgebracht, die zeigen,
00:03:10: dass wir hier über weit mehr sprechen als über einen netten, Soft Skill.
00:03:15: Am Ende gibt es noch ein paar Fragen, die du für dich mitnehmen kannst,
00:03:19: um schon mal deine emotionale Intelligenz zu testen.
00:03:24: Eine gute Nachricht gleich zu Beginn: Emotionale Intelligenz ist nicht für immer
00:03:29: festgelegt, wir können gut daran arbeiten.
00:03:33: Erstens: Was emotionale Intelligenz bedeutet.
00:03:38: Das Beispiel vom Anfang hast du bestimmt so oder so ähnlich auch
00:03:41: schon erlebt, oder?
00:03:43: Aber der Begriff der emotionalen Intelligenz ist noch gar nicht so
00:03:47: geläufig, wie er meiner Meinung nach sein sollte.
00:03:51: Was fällt dir spontan ein, wenn du den Begriff emotionale Intelligenz hörst?
00:03:57: Vielleicht Empathie?
00:04:00: Einfühlungsvermögen?
00:04:02: Die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen?
00:04:06: Das gehört natürlich alles dazu.
00:04:09: Emotionale Intelligenz umfasst allerdings noch einiges mehr.
00:04:14: Vielleicht denkst du auch: In der harten Welt, wo Zahlen,
00:04:18: Daten und Fakten regieren, hat diese Fähigkeit wenig verloren.
00:04:23: Stimmt nicht.
00:04:25: Der Psychologe Daniel Goleman hat den Begriff in den 1990er-Jahren schon
00:04:31: einem breiteren Publikum bekannt gemacht.
00:04:34: Er beschreibt emotionale Intelligenz als eine Art Metafähigkeit, die beeinflusst,
00:04:41: wie gut wir unsere übrigen Fähigkeiten einsetzen können.
00:04:46: Das ist interessant, oder?
00:04:48: Nochmal: Nach Goleman hilft uns emotionale Intelligenz dabei,
00:04:53: unsere anderen Fähigkeiten besser zu nutzen, zum Beispiel unser Fachwissen,
00:04:58: unsere Erfahrung oder unsere rhetorischen Fähigkeiten.
00:05:03: Was nützt mir mein hervorragendes Fachwissen, wenn ich bei jeder kritischen
00:05:07: Frage die Beherrschung verliere?
00:05:10: Was nützt mir meine analytische Stärke, wenn ich überhaupt nicht bemerke,
00:05:15: dass mein Team mit der Entscheidung total überfordert ist?
00:05:19: Oder was bringt mir die beste Strategie, wenn meine Mitarbeitenden
00:05:23: mir nicht vertrauen?
00:05:26: Emotionale Intelligenz lässt sich in 5 Bereiche unterteilen:
00:05:30: Ich berufe mich dabei auf die Insights EQ Analyse,
00:05:34: die wissenschaftlich validiert und ein wunderbares Instrument zur Messung
00:05:38: von emotionaler Intelligenz ist.
00:05:42: Der erste Bereich ist die Selbstwahrnehmung:
00:05:46: Wie gut kenne ich meine eigenen Emotionen?
00:05:49: Weiß ich, was mich ärgert, verunsichert oder unter Druck setzt?
00:05:54: Vielleicht kennst du das: Jemand stellt dir eine Frage und du merkst
00:05:59: sofort, wie du innerlich angespannt wirst und du vielleicht gerade überlegst,
00:06:03: wie du kontern kannst.
00:06:05: Oder wie du am besten aus dieser Situation verschwindest.
00:06:09: Warum eigentlich?
00:06:11: Hat die Person tatsächlich etwas Unangemessenes gesagt?
00:06:15: Oder ärgerst du dich gerade, weil du das Gefühl hast,
00:06:18: dass jemand an deiner Kompetenz zweifelt?
00:06:22: Allein diese Unterscheidung kann bereits viel verändern,
00:06:26: wenn du dir darüber bewusst wirst.
00:06:29: Das ist aber keine banale Aufgabe, es erfordert Wachsamkeit,
00:06:33: Konzentration und auch die Bereitschaft, sich mit inneren Vorgängen
00:06:37: auseinanderzusetzen.
00:06:40: Darüber hinaus auch noch mit den Konsequenzen, die daraus folgen.
00:06:44: Ärger über das Infragestellen deiner Kompetenz könnte bedeuten,
00:06:48: dass du dir möglicherweise selbst gar nicht so ganz sicher bist,
00:06:50: welche Fähigkeiten du eigentlich hast.
00:06:53: Warum?
00:06:55: Das muss gar nicht der Wahrheit entsprechen.
00:06:57: In meinen Coachings erlebe ich immer wieder,
00:07:00: dass die Leute sich oft gar nicht über ihre Stärken, über ihre
00:07:03: eigenen Stärken bewusst sind.
00:07:06: Ich empfehle daher immer: Schreibe dir mal deine Erfolge auf.
00:07:11: Schau auf deine Vita, was du schon alles geleistet hast.
00:07:15: Ruf dir auch bitte immer wieder deine Stärken und deine gelebten
00:07:18: Fähigkeiten ins Gedächtnis.
00:07:21: Der Fisch weiß nicht, dass er ein guter Schwimmer ist.
00:07:25: So gestärkt reagierst du dann gelassener auf mögliche Angriffe auf deine Kompetenz,
00:07:30: denn du bist dir ja sicher.
00:07:34: Der zweite Bereich ist die Selbstregulierung.
00:07:38: Hier geht es darum, wie wir mit unseren Emotionen umgehen.
00:07:42: Natürlich dürfen wir uns ärgern, wir dürfen auch enttäuscht
00:07:46: oder frustriert sein.
00:07:48: Das bleibt im Alltag ja auch nicht aus und wäre eine völlig unrealistische Erwartung.
00:07:54: Entscheidend ist, wie wir darauf reagieren.
00:07:57: Eine Führungskraft, die ihre Emotionen regulieren kann,
00:08:01: muss ihren Ärger keineswegs verstecken.
00:08:04: Sie kann ihn wahrnehmen, einordnen und anschließend bewusst
00:08:08: entscheiden, wie sie damit umgeht.
00:08:11: Aber auch diese Fertigkeit ist uns leider nicht in die Wiege gelegt worden.
00:08:16: Wenn wir dann nicht das Glück haben, dass wir im Elternhaus und in der Schule
00:08:20: gelernt haben, mit Aggression und Ärger angemessen
00:08:24: umzugehen, dann dürfen wir das als Erwachsene nachholen.
00:08:28: Allerdings ist das Lernen von Verhaltensweisen als Erwachsener
00:08:32: nicht ganz so simpel.
00:08:34: Das alte Sprichwort, was Hänschen nicht lernt,
00:08:37: lernt Hans nimmermehr, stimmt zwar rein wissenschaftlich nicht,
00:08:41: aber die meisten Erwachsenen machen sich darüber gar keine Gedanken
00:08:45: und manche haben auch das Lernen verlernt.
00:08:49: Der dritte Bereich ist die Motivation.
00:08:54: Mich hat gewundert, dass diese Komponente Bestandteil des
00:08:57: Insights EQ Testverfahrens für emotionale Intelligenz ist.
00:09:02: Aber es macht bei näherem Hinschauen durchaus Sinn.
00:09:06: Ich mache dazu gerade eine Weiterbildung und beschäftige mich daher intensiv mit
00:09:10: dieser Thematik, gerade was Führung und Kommunikation angeht.
00:09:16: Was treibt uns an? Was treibt dich an?
00:09:19: Welche Ziele sind uns wichtig?
00:09:21: Welche Ziele sind dir wichtig?
00:09:24: Wie gehst du mit Rückschlägen um?
00:09:28: Menschen, die ihre eigenen Motive kennen, können meistens deutlich bewusster
00:09:33: mit Herausforderungen umgehen.
00:09:35: Es lohnt sich also ein genauerer Blick in diese Richtung.
00:09:40: Der vierte Bereich ist die soziale Wahrnehmung.
00:09:44: Hier kommen wir zur Empathie.
00:09:47: Wie gut nehme ich überhaupt wahr, was bei anderen Menschen vorgeht?
00:09:52: Erkenne ich, wenn jemand verunsichert ist?
00:09:55: Wenn im Meeting Spannungen entstehen?
00:09:58: Wenn eine Mitarbeiterin zwar zustimmt, aber offenbar noch Bedenken hat?
00:10:04: Wobei ich an dieser Stelle etwas betonen möchte: Wir können aus der Körpersprache
00:10:09: anderer Menschen Hinweise gewinnen.
00:10:11: Wir sollten aber vorsichtig sein, daraus vorschnelle,
00:10:14: eindeutige Schlüsse zu ziehen.
00:10:17: Ein verschränkter Arm zum Beispiel bedeutet noch lange nicht
00:10:20: automatisch Ablehnung.
00:10:22: Manchmal ist jemandem einfach kalt.
00:10:25: Einfacher ist es, einfach nachzufragen.
00:10:28: Ich bin immer wieder amüsiert, wenn ich in Führungstrainings frage:
00:10:33: Wie finden Sie raus, was dem Teammitglied gerade durch den Kopf geht?
00:10:38: Da kommen dann Ideen wie: Ich beobachte die Körpersprache.
00:10:43: Ich versuche, zwischen den Zeilen zu lesen.
00:10:46: Ich achte auf die Mimik.
00:10:48: Ich analysiere, wie schnell jemand auf meine E-Mails antwortet.
00:10:52: Oder: Ich frage erst einmal die Kollegen, ob denen etwas aufgefallen ist.
00:10:58: Alles schön und gut, aber auf die naheliegendste Idee kommen
00:11:02: erstaunlich wenige: einfach mal fragen.
00:11:06: Das ist übrigens eine ausgesprochen preiswerte Methode.
00:11:10: Man braucht weder ein Analyseinstrument noch eine spezielle Ausbildung.
00:11:15: Nur ein bisschen echtes Interesse am Gegenüber.
00:11:20: Der fünfte Bereich ist die soziale Regulierung.
00:11:23: Hier geht es darum, Beziehungen bewusst und konstruktiv zu gestalten.
00:11:28: Wie führe ich schwierige Gespräche?
00:11:31: Wie gehe ich mit Konflikten um?
00:11:33: Wie kann ich andere motivieren?
00:11:35: Und wie schaffe ich ein Umfeld, in dem Menschen gut zusammenarbeiten?
00:11:41: Habe ich ein Verhandlungsgeschick und bin ich rhetorisch auch in der Lage,
00:11:45: andere zu überzeugen?
00:11:48: Aber in den Bereich soziale Regulierung fällt auch: Wie kann ich Netzwerke
00:11:52: aufbauen und stabilisieren?
00:11:54: Wie pflege ich meine Kontakte?
00:11:58: Wann hast du zuletzt mit einer wichtigen Person in deinem Umfeld gesprochen,
00:12:02: sie auf einen Kaffee eingeladen oder einfach eine nette Nachricht geschickt?
00:12:08: In Führungscoachings nutze ich dafür die sogenannte Social Map.
00:12:13: Dabei zeichnet mein Coachee bis zu 5 wichtige Personen auf ein Blatt
00:12:18: um ihn herum oder um sie herum, entweder im Jobkontext oder im
00:12:23: privaten Umfeld, je nach Auftrag.
00:12:26: Dann stelle ich die Frage, wie gut der Kontakt zu dieser Person
00:12:30: ist und was man verbessern will.
00:12:33: Danach geht es darum zu entscheiden, wie man in Kontakt tritt und was man
00:12:37: genau tun will, und macht das dann sofort.
00:12:41: Oder setzt sich einen konkreten Termin im Kalender, vielleicht für ein
00:12:45: Telefonat oder eine Mail.
00:12:48: Somit kann man sofort an der sozialen Regulierung arbeiten und
00:12:52: die Beziehungen verbessern.
00:12:54: Es gibt keinen Grund, das nicht zu tun und zu warten.
00:12:59: Du siehst: Emotionale Intelligenz hat ziemlich viel mit unserem
00:13:03: täglichen Verhalten zu tun.
00:13:05: Gerade im Führungsalltag werden diese Fähigkeiten ständig gebraucht.
00:13:11: Zweitens: Warum emotionale Intelligenz wirtschaftlich relevant ist.
00:13:17: Jetzt könnte man natürlich sagen: Das klingt ja alles sehr vernünftig, aber
00:13:21: ist das wirklich wirtschaftlich relevant?
00:13:24: Die klare Antwort gleich vorweg: Ja.
00:13:28: Schauen wir uns dazu ein paar Zahlen an.
00:13:31: Die Organisation Catalyst hat 2021 eine Untersuchung veröffentlicht,
00:13:36: bei der knapp 900 Beschäftigte in den USA befragt wurden.
00:13:41: Dabei ging es unter anderem darum, wie empathisch Mitarbeitende ihre
00:13:46: Führungskräfte erleben und welche Zusammenhänge sich mit
00:13:50: ihrem Arbeitsverhalten zeigten.
00:13:52: Ein Ergebnis fand ich besonders bemerkenswert:
00:13:56: 61% der Beschäftigten mit stark empathischen Führungskräften berichteten,
00:14:02: bei ihrer Arbeit innovativ sein zu können.
00:14:06: Bei weniger empathischen Führungskräften waren es lediglich 13%.
00:14:12: Das ist ein enormer Unterschied!
00:14:15: In der heutigen disruptiven Welt sind alle Unternehmen auf Innovation angewiesen,
00:14:21: Wir sollten bei solchen Zahlen hellhörig werden.
00:14:24: Innovation entsteht dort, wo Menschen auch mal ungewöhnliche Ideen
00:14:27: äußern können, ohne gleich lächerlich gemacht zu werden.
00:14:32: Mitarbeitende sollten Fragen stellen und auch mal Dinge ausprobieren dürfen.
00:14:38: Ich weiß, dass gerade der letzte Punkt in vielen Unternehmen gerade nicht gut
00:14:42: möglich ist, aber ich sage immer: Gerade in schwierigen Zeiten dürfen
00:14:48: wir den Erfindergeist nicht ersticken.
00:14:52: Im Gegenteil.
00:14:53: Vielleicht gibt es trotzdem Möglichkeiten, in kleinen Runden,
00:14:57: bei kurzen Terminen Ideen und neue Konzepte zu teilen und ebenso in
00:15:03: kleinen Runden auszuprobieren.
00:15:06: Eine weitere Zahl aus derselben Untersuchung betrifft das
00:15:10: Mitarbeiterengagement.
00:15:12: 76% der Befragten mit stark empathischen Führungskräften berichteten,
00:15:18: Vom hohen Engagement.
00:15:20: Bei weniger empathischer Führung waren es nur 32%, also weniger als die Hälfte.
00:15:27: Auch hier sehen wir einen deutlichen Zusammenhang, das ist nicht verwunderlich.
00:15:32: Wichtig ist mir dabei eine wissenschaftliche
00:15:34: Einordnung: Solche Befragungen zeigen Zusammenhänge,
00:15:38: sie beweisen noch nicht, dass Empathie allein diese Unterschiede verursacht.
00:15:43: Aber: Sie liefern gute Gründe, sich mit dem Thema intensiver zu beschäftigen.
00:15:49: Ein weiteres Beispiel kommt von Gallup.
00:15:51: Gallup untersucht seit vielen Jahren, wie stark sich Beschäftigte mit ihrer
00:15:55: Arbeit und ihrem Unternehmen verbunden fühlen.
00:15:59: Im globalen Bericht von 2026 wird der weltweite Produktivitätsverlust
00:16:06: durch geringes Mitarbeiterengagement für das Jahr 2025 auf rund 10
00:16:12: Billionen US-Dollar geschätzt.
00:16:14: 10 Billionen!
00:16:17: Das ist natürlich eine globale Schätzung und geringes Engagement
00:16:19: hat viele Ursachen.
00:16:21: Trotzdem zeigt diese Größenordnung, welche wirtschaftliche Bedeutung es hat,
00:16:26: ob Menschen motiviert, engagiert und produktiv arbeiten.
00:16:31: Hier wird deutlich, weshalb emotionale Intelligenz eine
00:16:34: ernstzunehmende Führungskompetenz ist.
00:16:38: Und wir wissen das selber aus eigener Erfahrung.
00:16:41: Eine Führungskraft beeinflusst durch ihr Verhalten ganz wesentlich,
00:16:45: wie Menschen zusammenarbeiten, ob sie sich einbringen,
00:16:49: ob sie Verantwortung übernehmen wollen, ob sie Probleme rechtzeitig ansprechen
00:16:55: oder ob sie irgendwann innerlich auf Distanz gehen.
00:16:59: Ich habe das oft genug in Coachings erlebt.
00:17:02: Immer wieder reibe ich mir verwundert die Augen.
00:17:05: Mit etwas mehr Geschick im Umgang mit anderen wären diese Probleme
00:17:10: gar nicht erst entstanden.
00:17:12: Aber wenn das berühmte Tischtuch einmal zerrissen ist,
00:17:16: dann wird es leider nur selten wieder ein gutes, vertrauensvolles
00:17:19: Verhältnis werden können.
00:17:22: Ein Spruch von einer Kollegin fällt mir dabei ein: Vertrauen braucht Jahre,
00:17:26: bis es aufgebaut ist, nur einen Moment, um es zu zerstören,
00:17:31: und ewig, um es wiederherzustellen.
00:17:35: Damit sind wir genau bei diesem Thema.
00:17:38: Drittens: Vertrauen– die Grundlage guter Zusammenarbeit.
00:17:44: Vertrauen ist eng mit emotionaler Intelligenz verbunden.
00:17:48: Vielleicht hast du schon einmal von der sogenannten psychologischen
00:17:51: Sicherheit gehört.
00:17:53: Die Harvard-Professorin Amy Edmondson hat diesen Begriff in der Forschung
00:17:58: über Teams maßgeblich geprägt.
00:18:01: Psychologische Sicherheit beschreibt vereinfacht gesagt die gemeinsame
00:18:06: Überzeugung, dass man in einem Team zwischenmenschliche Risiken eingehen kann.
00:18:12: Also beispielsweise eine kritische Frage stellen,
00:18:15: einen Fehler zugeben oder eine andere Meinung vertreten, ohne dafür bloßgestellt
00:18:21: oder persönlich abgewertet zu werden.
00:18:24: Das bedeutet übrigens überhaupt nicht, dass in solchen Teams immer
00:18:28: nur Harmonie herrscht.
00:18:30: Ganz im Gegenteil: In einem psychologisch sicheren Team darf durchaus
00:18:36: kontrovers diskutiert werden.
00:18:39: Menschen können unterschiedlicher Meinung sein, sie können sich gegenseitig
00:18:42: herausfordern und hohe Ansprüche an ihre Arbeit stellen.
00:18:46: Entscheidend ist aber der Umgang miteinander.
00:18:50: Erinnern wir uns noch einmal an unser Meeting vom Anfang:
00:18:55: Der Mitarbeitende hat ein Risiko angesprochen.
00:18:58: Die Führungskraft hat gereizt reagiert, Vielleicht war die Einschätzung falsch,
00:19:04: vielleicht hatte die Führungskraft tatsächlich gute Gründe
00:19:07: für ihren Zeitplan.
00:19:09: Aber wäre es nicht klüger gewesen, zunächst mal nachzufragen?
00:19:13: Zum Beispiel: Was genau macht dir bei der Planung Sorgen?
00:19:18: Vielleicht hätte sich herausgestellt, dass der Mitarbeitende einen
00:19:21: wichtigen Aspekt erkannt hat.
00:19:23: Vielleicht hätte sich seine Sorge auch schnell entkräften lassen.
00:19:27: In beiden Fällen wäre die Führungskraft besser informiert gewesen.
00:19:32: Damit hätte der Mitarbeitende erlebt, dass sein Beitrag ernst genommen wird.
00:19:37: Das ist ein wichtiger Punkt: Empathie heißt nicht, jedem zu
00:19:42: jeder Zeit recht zu geben.
00:19:44: Sie bedeutet, andere Perspektiven verstehen zu wollen
00:19:47: und sie angemessen in die eigene Entscheidung einzubeziehen.
00:19:52: Gerade Führungskräfte müssen schließlich ständig Entscheidungen treffen,
00:19:56: natürlich auch unangenehme.
00:19:58: Manchmal müssen Sie Erwartungen enttäuschen oder klare Grenzen setzen.
00:20:03: Emotionale Intelligenz hilft dabei, solche Situationen bewusst
00:20:07: und respektvoll zu gestalten.
00:20:10: 4.
00:20:12: Warum Empathie auch Konsequenz braucht.
00:20:16: An dieser Stelle möchte ich noch einen Aspekt aufgreifen,
00:20:18: der besonders wichtig ist.
00:20:20: Empathische Führung wird manchmal mit einer besonders nachgiebigen,
00:20:24: konfliktvermeidenden Haltung verwechselt.
00:20:27: Nach dem Motto: Hauptsache, alle fühlen sich wohl.
00:20:31: Wir werfen nur mit Wattebällchen.
00:20:34: Das wäre allerdings ein ziemlich schräges Verständnis von Empathie.
00:20:38: Stell dir vor, in einem Team gibt es einen Mitarbeiter, der gerade andere regelmäßig
00:20:43: unterbricht, ihre Ideen abwertet oder sich auf Kosten
00:20:47: seiner Kollegen und Kolleginnen profiliert.
00:20:50: Die Führungskraft bekommt das mit, greift aber nicht ein.
00:20:54: Das ist ein klassischer Führungsfehler.
00:20:57: Ja, vielleicht möchte die Führungskraft den Konflikt vermeiden,
00:21:01: vielleicht hofft sie, dass sich die Situation von selbst beruhigt.
00:21:05: Aber was passiert wirklich?
00:21:07: Die anderen Teammitglieder erleben, dass dieses Verhalten offenbar toleriert wird.
00:21:12: Manche ziehen sich zurück, andere beginnen möglicherweise, sich ähnlich zu verhalten.
00:21:18: Das Vertrauen in die Führungskraft leidet.
00:21:22: Gerade hier ist emotionale Intelligenz gefragt.
00:21:25: Die Führungskraft muss erkennen, was im Team passiert,
00:21:29: die Auswirkungen einschätzen und angemessen reagieren,
00:21:33: zum Beispiel mit einer klaren Ansage: Ich möchte, dass wir hier unterschiedliche
00:21:39: Meinungen diskutieren können.
00:21:40: Persönliche Abwertungen haben dabei keinen Platz.
00:21:44: Bitte lass deine Kollegin ausreden.
00:21:47: Das ist klar, respektvoll und konsequent.
00:21:51: Eine solche Reaktion kann wesentlich dazu beitragen, dass sich andere
00:21:55: Teammitglieder wieder sicherer fühlen.
00:21:58: Empathie und Durchsetzungsvermögen ergänzen sich also hervorragend.
00:22:03: Ich würde sogar sagen: Eine Führungskraft, die sich aus falsch verstandener
00:22:07: Rücksichtnahme vor notwendigen Konflikten drückt, wird ihrer Verantwortung
00:22:12: einfach nicht gerecht.
00:22:16: Fünftens: Wie emotional intelligent führe ich eigentlich selbst?
00:22:21: Jetzt haben wir über Modelle, Forschung und auch Beispiele gesprochen.
00:22:26: Zum Abschluss möchte ich dir ein paar Fragen mitgeben, die du ganz
00:22:30: persönlich für dich beantworten kannst.
00:22:33: Emotionale Intelligenz beginnt nämlich mit Selbstreflexion.
00:22:37: Erste Frage: Wie reagiere ich auf Kritik?
00:22:41: Stell dir vor, eine Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter
00:22:45: stellt deine Entscheidung infrage.
00:22:47: Was passiert in diesem Moment bei dir?
00:22:50: Wirst du neugierig?
00:22:52: Hörst du zu?
00:22:53: Oder merkst du, wie du innerlich sofort Argumente sammelst,
00:22:57: um deine Position zu verteidigen?
00:23:00: Gerade wenn wir unter Druck stehen, reagieren wir häufig sehr schnell.
00:23:05: Es lohnt sich, diese eigenen Muster zu kennen.
00:23:09: Nur dann können wir sie verändern.
00:23:12: Zweite Frage: Wie gut kenne ich meine Mitarbeitenden?
00:23:17: Weißt du, was sie motiviert, welche Stärken sie haben,
00:23:20: welche Aufgaben ihnen demnach besonders liegen könnten,
00:23:24: welche Ziele sie verfolgen?
00:23:28: Natürlich musst du nicht das gesamte Privatleben deiner Mitarbeitenden kennen,
00:23:32: aber echtes Interesse an den Menschen, mit denen du zusammenarbeitest,
00:23:36: kann einen großen Unterschied machen.
00:23:39: Vielleicht erinnerst du dich selbst an eine Führungskraft,
00:23:42: die ein besonderes Talent in dir erkannt und dich gefördert hat.
00:23:47: Solche Erfahrungen bleiben häufig in langer und guter Erinnerung.
00:23:51: Davon brauchen wir mehr!
00:23:53: Mach du als Führungskraft den Unterschied!
00:23:57: Dritte Frage: Wie leicht mache ich es anderen, mir zu widersprechen?
00:24:02: Ja, das ist eine unbequeme Frage.
00:24:04: Viele Führungskräfte sagen: Meine Tür steht immer offen.
00:24:09: Aber eine offene Tür allein sagt noch wenig darüber aus,
00:24:12: was passiert, wenn jemand tatsächlich hindurchgeht und ein Problem anspricht.
00:24:18: Wie reagierst du dann?
00:24:20: Hörst du zu?
00:24:22: Fragst du nach?
00:24:24: Kannst du auch einmal sagen: Da habe ich mich offenbar geirrt?
00:24:29: Das erfordert manchmal mehr Souveränität, als eine Entscheidung mit
00:24:33: aller Macht zu verteidigen.
00:24:36: Fassen wir noch mal zusammen: Die Wirkung beginnt bei uns selbst.
00:24:41: Emotionale Intelligenz ist eine Fähigkeit, die wir bewusst weiterentwickeln können.
00:24:48: Dazu gehört, unsere eigenen Reaktionen besser zu verstehen,
00:24:52: andere Menschen aufmerksamer wahrzunehmen und unser Verhalten immer
00:24:56: wieder zu reflektieren.
00:24:59: Das gilt bei Auftritten genauso wie in der Kommunikation und bei Meetings.
00:25:06: Natürlich macht uns ein hoher EQ allein noch nicht zu einer guten Führungskraft.
00:25:11: Wir brauchen weiterhin Fachwissen, Urteilsvermögen, Entscheidungsstärke
00:25:15: und viele andere Kompetenzen.
00:25:18: Aber emotionale Intelligenz kann erheblich dazu beitragen, wie wir diese Fähigkeiten
00:25:23: im Umgang mit anderen Menschen einsetzen.
00:25:26: Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus dieser Folge: Menschen
00:25:31: folgen einer Führungskraft langfristig auch deshalb, weil sie ihr vertrauen.
00:25:37: Vertrauen entsteht durch viele kleine Erfahrungen im Alltag: Durch den Umgang
00:25:41: mit Fehlern, durch ehrliches Interesse in der
00:25:45: Kommunikation, durch klar kommunizierte Entscheidungen,
00:25:50: durch die Bereitschaft zuzuhören, auch wenn's Meeting stressig ist,
00:25:55: und durch die Art und Weise, wie wir andere Menschen behandeln,
00:25:58: gerade wenn es schwierig wird.
00:26:01: In einer der nächsten Folgen möchte ich diesen Gedanken noch etwas weiterführen.
00:26:06: Dann schauen wir uns an, wie emotionale Intelligenz im
00:26:10: professionellen Führungsauftritt ganz konkret sichtbar und hörbar wird.
00:26:16: Was verrät unsere Stimme, wenn wir unter Druck geraten?
00:26:20: Wie reagieren wir souverän auf kritische Fragen?
00:26:24: Welche Rolle spielen Körpersprache, Wortwahl und unsere innere Haltung?
00:26:30: Denn du kannst rhetorisch hervorragend vorbereitet sein und trotzdem in
00:26:34: wenigen Sekunden Vertrauen verspielen.
00:26:37: Wie du das vermeiden kannst, darüber sprechen wir beim nächsten Mal.
00:26:42: Bis dahin wünsche ich dir viele gute Gespräche, gute Auftritte,
00:26:46: interessante Begegnungen und natürlich den professionellen Auftritt.
00:26:52: Deine Sylvia.
00:26:58: Und schon ist wieder eine weitere Folge von Professionell Auftreten vorbei.
00:27:03: Wenn du weitere Unterstützung wünschst und deinen Auftritt individuell optimieren
00:27:07: möchtest, dann schreib mir gern eine E-Mail über mein Kontaktformular
00:27:12: unter piz-coaching.
00:27:13: de/kontaktformular.
00:27:17: Ich freue mich auf dich!
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