#81 Deine Stimme verrät mehr über Dich, als Dir vielleicht lieb ist!
Shownotes
Ob im Meeting, auf der Bühne oder im schwierigen Gespräch: Unsere Stimme beeinflusst, wie souverän, kompetent und glaubwürdig wir wahrgenommen werden. Oft schon, bevor unser Gegenüber den Inhalt unserer Worte richtig erfasst hat.
In dieser Folge von „Professionell Auftreten“ spreche ich mit Arno Fischbacher, Stimmexperte, Speakertrainer und ehemaligem Schauspieler, über die unterschätzte Macht unserer Stimme.
Wir diskutieren, woran man Souveränität hört, warum unsere Stimme gerade unter Druck manchmal versagt und wie wir sie gezielt einsetzen können, um Menschen zu erreichen und zu überzeugen.
Außerdem gibt Arno praktische Tipps, mit denen Du Deine stimmliche Präsenz sofort verbessern kannst.
Shownotes:
✅ Webseite von Arno Fischbacher
✅ LinkedIn Learning Kurse von Silvia
Transparenzhinweis: Ein technisch abgeschnittenes Wort von Silvia haben wir mit einer KI-Version ihrer Stimme wiederhergestellt. Am Inhalt ändert das nichts.
Transkript anzeigen
00:00:04: Herzlich willkommen zu Professionell Auftreten, dein Podcast
00:00:07: für die gelungene Präsentation.
00:00:10: Souverän, glaubwürdig und begeisternd auftreten, deine Botschaft zielsicher
00:00:15: anbringen, mit Leichtigkeit Lampenfieber, kritische Fragen und andere
00:00:20: Stolpersteine überwinden. Darum geht's.
00:00:23: Ich bin Silvia B. Pitz und freue mich auf dich.
00:00:26: Herzlich willkommen!
00:00:33: Unsere Stimme ist immer dabei.
00:00:35: Praktisch und manchmal ziemlich verräterisch.
00:00:38: Denn noch bevor wir unseren brillanten Gedanken zu Ende formuliert haben,
00:00:43: hat unser Gegenüber längst einen Eindruck: souverän oder unsicher?
00:00:48: Zugewandt oder distanziert?
00:00:51: Glaubwürdig oder irgendwie nicht ganz stimmig?
00:00:55: Mein heutiger Gast beschäftigt sich seit Jahrzehnten genau mit dieser Wirkung.
00:01:00: Arno Fischbacher war Schauspieler, Theaterdirektor und Medienmanager,
00:01:06: bevor er sich als Coach, Trainer und Speaker auf die Macht
00:01:10: der Stimme spezialisiert hat.
00:01:13: Mit seiner Methode Voice Awareness verbindet er Stimme, Sprache,
00:01:18: Körpersprache und innere Haltung, besonders dort,
00:01:23: wo es kommunikativ anspruchsvoll wird.
00:01:26: Auf der Bühne, im Meeting, in Verhandlungen oder vor der Kamera.
00:01:31: Und weil Arno und ich beruflich durchaus in ähnlichen Gewässern unterwegs sind,
00:01:36: möchte ich heute ein bisschen genauer hinschauen mit ihm zusammen.
00:01:40: Was macht eine Stimme tatsächlich souverän?
00:01:43: Was kann man trainieren?
00:01:45: Wo wird Stimmtechnik zur Masche?
00:01:48: Und was passiert mit unserer Stimme, wenn es wirklich ernst wird?
00:01:52: Lieber Arno, herzlich willkommen bei professionell auftreten.
00:01:55: Schön, dass du dabei bist. Ich freue mich sehr.
00:01:58: Es ist mir eine große Freude, bei dir zu Gast zu sein, Silvia.
00:02:01: Grüß dich! Grüß dich!
00:02:03: Wir haben im Vorgespräch schon ein bisschen gesagt,
00:02:05: wir beide haben ja ähnliche Gewässer, in denen wir fischen sogar.
00:02:10: Aber wir haben überhaupt kein Problem damit, uns zu unterhalten, denn
00:02:15: wir beide haben ja auch das Interesse, dass unsere Coachees
00:02:20: besser werden beim Auftritt.
00:02:22: Und da kann es fast gar nicht genug Coaches geben.
00:02:25: Oder wie siehst du das?
00:02:27: Ja, das ist ein guter Punkt und ich denke, es beschäftigen sich noch immer viel zu
00:02:34: wenige Führungskräfte, Selbstständige mit ihrer Wirkung.
00:02:40: Die überlegen zwar Strategien, und wenn du,
00:02:43: wenn ich heute mit jemandem spreche, mit dem Kunden von mir spreche,
00:02:47: in allererster Linie geht es immer um das: Wie soll es funktionieren?
00:02:52: Wie sage ich das? Wie formuliere ich es?
00:02:54: Du weißt schon, also wie bringe ich mein Thema rüber?
00:02:58: Aber welche Wirkung der Mensch ausstrahlt in dem Moment, in dem er den Raum betritt,
00:03:03: also da reden wir ja noch gar nicht von dem Moment, in dem jemand den Mund öffnet,
00:03:09: die entgleitet uns, weil das eigene Verhalten
00:03:14: ja für jeden Menschen das Selbstverständlichste der Welt ist
00:03:18: und wir dadurch wenig Distanz zur eigenen Wirkung
00:03:24: haben, wenn wir nicht genau dort professionell den Blick drauf werfen
00:03:29: und Kriterien dafür entwickeln.
00:03:32: Ganz genau so ist es ja.
00:03:33: Also du bist ja jemand, der das Jahrzehnte macht schon,
00:03:37: und du beschäftigst dich seit Jahrzehnten hauptsächlich mit der Stimme, natürlich
00:03:41: auch mit Körperhaltung und so weiter.
00:03:43: Wenn du jetzt einen Menschen triffst oder normalen Menschen zuhörst,
00:03:48: kannst du dann überhaupt diese Analysefähigkeit
00:03:52: ausschalten oder analysierst du sofort?
00:03:57: Das ist eine schöne Frage, Silvia.
00:04:01: Es ist ja auch so gewesen heute, als wir uns— also wir kennen uns
00:04:07: beruflich aus der Distanz, oder?
00:04:10: Und wie funktioniert das?
00:04:12: Man trifft sich auf LinkedIn, man liest voneinander in erster Linie,
00:04:16: man ist neugierig, also da geht es um Inhalte, man tauscht sich aus.
00:04:20: Aber der Moment, wo wir heute vor der Kamera aufeinandergetroffen sind.
00:04:27: Das ist für mich so ein Moment, nach dem du heute fragst.
00:04:31: Und es ist weniger die Analyse, weil Analyse würde ja heißen bewerten,
00:04:35: also analysieren, bewerten, drüber nachdenken.
00:04:40: Ich genieße den Moment. Schön.
00:04:42: Also ich habe riesengroßes Vergnügen dabei, Menschen zu lauschen
00:04:48: und einfach den ganzen Menschen hinter dieser Stimme wahrzunehmen.
00:04:52: Und dann mache ich mir ab und zu Gedanken, und zwar weil ich Potenziale höre.
00:04:58: Es ist so, als würde ich das hören, was noch nicht da ist.
00:05:02: Und dort wird es für mich interessant.
00:05:05: Ja, das ist ja— das klingt gut, das Hören, was noch nicht da ist.
00:05:08: Schön, das klingt toll.
00:05:10: Wann hast du denn zum ersten Mal begriffen, dass Stimme viel mehr ist
00:05:14: als schön sprechen in Anführungszeichen?
00:05:18: Ja, das liegt schon sehr lange zurück.
00:05:20: Du hast es ja in der Anmoderation kurz angedeutet.
00:05:24: Ich habe, ich habe ja so ursprünglich mal einen ganz klassischen Beruf gelernt.
00:05:28: Ich bin Goldschmiedemeister, aber als ganz junger Mann mal
00:05:30: Schulabbrecher sozusagen und habe mir einen Beruf gesucht,
00:05:33: der mich fasziniert hat.
00:05:35: Und in dieser Zeit habe ich meine ersten Schritte im Theater gemacht,
00:05:38: sehr zufällig auch, und es ist entstanden.
00:05:41: Und dann stehst du auf der Bühne und bist mit allem Möglichen konfrontiert.
00:05:45: Und da steht im Vordergrund: Was machst du?
00:05:47: Wie geht es dir? Wie tust du es?
00:05:50: Und erst nach Jahren habe ich erleben können,
00:05:56: habe ich wahrnehmen können, welche unfassbare Auswirkung
00:06:02: dieses Phänomen Stimme hat.
00:06:06: Wenn du auf der Bühne bist und du hast einen Zuschauerraum und da
00:06:09: sind 200 Menschen drinnen.
00:06:11: Es ist dunkel, du siehst niemanden, aber du hörst,
00:06:17: wie die Menschen mit dir leben, wie sie atmen oder den Atem anhalten oder wie sie—
00:06:24: also das ist so wie ein Körper, wie so ein menschlicher Körper, ein
00:06:26: großer, der mit dir den Moment gestaltet.
00:06:30: Und das, was uns verbindet, ist die Stimme.
00:06:34: Das ist wirklich ein Plädoyer für die gute Stimme oder für die,
00:06:39: für die Beachtung unserer eigenen Stimme.
00:06:42: Die Awareness, wie es so schön neudeutsch heißt.
00:06:45: Ja, in deiner Frage steckt allerdings hier dann noch eine Frage dahinter.
00:06:49: Und auch die hat mich damals durchaus auch betroffen gemacht.
00:06:54: Ich habe auch erlebt als Schauspieler, was passiert, wenn man sich in
00:06:57: das verliebt, was man da kann.
00:07:00: Und ich hatte großartigerweise Menschen auf der anderen Seite,
00:07:06: also in der dritten Reihe im Theater, dort wo die Regisseure sitzen.
00:07:11: Der Mann, der lange Jahre mein Mentor war im Theater.
00:07:14: Georges Ourthes hieß er, ein Schauspieler, ist schon verstorben, Schauspieler,
00:07:17: Regisseur, der lange Jahre der Leiter des Theaters war, in dem ich gelernt habe.
00:07:22: Und der hat mich da immer sehr behutsam begleitet an der Gratwanderung zwischen:
00:07:28: Wie großartig fühle ich mich und wie klingt es und wie gut kann ich es steuern?
00:07:34: Und weißt du, wie toll ist es, was man da kann?
00:07:41: Und dem anderen, nämlich das, was du
00:07:44: mit deinem Instrumentarium in den Menschen berühren kannst,
00:07:48: was aus dem entstehen kann.
00:07:50: Ja, ja, das ist so.
00:07:52: Natürlich ist jeder Schauspieler, jeder, der auf der Bühne steht,
00:07:56: der gern auf der Bühne steht, oder diejenige ein Stück
00:07:59: weit narzisstisch geprägt.
00:08:02: Aber es gibt natürlich eine Gratwanderung zwischen dem
00:08:06: malignen Narzissmus, würde ich jetzt als Psychotherapeutin
00:08:09: sagen, ja, und demjenigen dienenden den Narzissmus,
00:08:13: der dann auch sagt: Ich möchte gerne auch das Publikum begeistern und nicht nur,
00:08:17: weil ich da oben stehe, sondern weil ich etwas zu sagen habe.
00:08:21: Das finde ich besonders wichtig, weil das ist auch so mein Fokus,
00:08:25: mein Antreiber, Arno, dass ich sage: Es gibt ja Menschen,
00:08:29: die stehen nicht so gerne auf der Bühne, die haben aber tolle Dinge zu sagen.
00:08:34: Und die unterstütze ich sehr, sehr gerne, dass sie die Kraft und den Mut entwickeln,
00:08:41: auf die Bühne zu gehen und ihre Botschaft wirklich mitzuteilen?
00:08:45: Weil Laute gibt es ja schon genug, das wissen wir.
00:08:48: Ja, ja, das ist ein, das ist ein interessanter Punkt, Silvia,
00:08:55: denn es gibt ja auch jene Führungskräfte oder Menschen, die vorne stehen,
00:09:01: die wissen, dass sie gut sind.
00:09:03: Und die dadurch aber auch Distanz erzeugen.
00:09:07: Ja, absolut.
00:09:09: Ja, und das zeigt schon, also das, was du ansprichst, ich nicke da innerlich
00:09:16: sehr deutlich, weil wir haben ja mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun.
00:09:20: Wahrscheinlich du auch.
00:09:21: Also das sind die, das sind die einen, die sind quasi Rampensäue,
00:09:25: sagt man im Theater, oder die haben da überhaupt keine
00:09:28: Schwierigkeiten, sich hinzustellen, und die können es, und sie
00:09:32: sondern sich auch ein bisschen in dem.
00:09:34: Und da ist wahrscheinlich unsere Aufgabe, bewusst zu machen, was an Reaktanz oder an
00:09:40: innerer Abwehr sie genau dadurch in den anderen schaffen, in den Zuhörern,
00:09:44: in ihrem Team, in wer immer es ist, in den Kunden.
00:09:49: Oder die andere Seite, die unglaublich viel Potenzial haben,
00:09:53: oft ganz— ich habe gerade in einem Coaching so etwas erlebt, eine junge Naja,
00:09:57: jung, also ja, also Führungskraft in einer Privatbank,
00:10:03: die also ganz sicher großartige Dinge tut, sonst wäre sie nicht in dieser Position.
00:10:10: Aber in ihrer Rolle, in der ich sie begleitet habe als
00:10:12: Moderatorin einer Kundenveranstaltung für ihr Unternehmen,
00:10:17: dann deutlich zum Ausdruck bringt, wie unwohl sie
00:10:21: im Innersten in dieser Situation ist und wie viel Schutzbedürfnis ihr Organismus
00:10:26: zeigt, körpersprachlich, stimmlich, obwohl innerlich die Kompetenzen
00:10:34: alle zum Bersten da sind, sozusagen, aber es sich noch nicht Bahn brechen darf.
00:10:42: Also irgendwo so die Erlaubnis, die innere Erlaubnis, sich
00:10:45: auch in dieser Kompetenz zu erleben, körperlich, stimmlich, im Ausdruck
00:10:52: noch nicht zur Verfügung steht.
00:10:56: Also diese, ich glaube, es ist eine Erlaubnis.
00:10:59: Die hier nötig ist oder wünschenswert ist.
00:11:03: Ja, das ist erstaunlich, wie du das ausdrückst.
00:11:05: Eine Erlaubnis, eine Erlaubnis, die die Person sich selber gibt, auf der Bühne
00:11:10: wirklich scheinen und strahlen zu dürfen.
00:11:12: Wobei es gibt natürlich auch wieder einen Unterschied.
00:11:13: Das finde ich das Interessante, dass auch Menschen, die dann als
00:11:18: Moderator oder in der Rolle der Moderatorin zu uns kommen,
00:11:23: das Thema habe ich auch, dass die ja wirklich auch erst mal für
00:11:27: sich klar haben dürfen: Was bedeutet denn moderieren auf der Bühne bei einer
00:11:32: Kundenveranstaltung, bei einer Firmenveranstaltung
00:11:34: oder bei einem großen Gala-Event?
00:11:36: Das ist ja ein Unterschied, ob ich jetzt selber vortrage oder ob
00:11:39: ich ein Moderator, eine Moderatorin bin.
00:11:43: Auch das ist eine Aufgabe, die wir als Coaches den Coachees
00:11:49: durchaus vermitteln dürfen.
00:11:52: Es ist im Grunde ja Rollenbewusstheit, was du hier ansprichst.
00:11:57: Ganz genau.
00:11:58: Also etwas, was ja auch im Führungsalltag oft übersehen wird.
00:12:01: Oh ja.
00:12:02: Ja, also in welcher Rolle befinde ich mich gerade?
00:12:06: Oder wo im Ablauf eines Projektes setze ich mich wie ein,
00:12:11: um welches Ergebnis zu generieren?
00:12:14: Und wenn man da immer mit demselben Selbstverständnis reingeht und sagt,
00:12:17: ich bin so und so der, der ich bin, und ich mache das, wie ich es mache,
00:12:21: wird sehr oft übersehen, dass dieser Rollenwechsel eine ganz,
00:12:24: ganz große Qualität haben kann. Ja.
00:12:27: Und wie würdest du sagen, würde sich das stimmlich äußern, Arno?
00:12:32: Denn wenn sich jetzt jemand wirklich bewusst ist und eben nicht sagt, mei,
00:12:36: so bin ich halt, nehmt mich, wie ich bin, ist vielleicht nicht die beste Idee,
00:12:41: sondern auch mal wirklich sich bewusst zu machen,
00:12:43: ich bin jetzt in dieser Rolle des Veränderers,
00:12:46: des Change Managers zum Beispiel.
00:12:48: Haben wir ja sehr viel heutzutage.
00:12:50: Aber welche Macht, du sagst ja auch, Stimme ist unbewusste Macht.
00:12:54: Wie kommt da die Stimme ins Spiel?
00:12:58: Wenn du jemanden, nehmen wir das Beispiel auf der Bühne, du hast jemanden,
00:13:02: der steht auf der Bühne und will in einer Change-Situation,
00:13:08: es ist ein Townhouse oder irgendwie so ein Meeting, und will eine
00:13:15: wahrscheinlich nicht besonders geliebte Maßnahme motivierend zu Gehör bringen.
00:13:24: Wenn du dir diese Situation plastisch vorstellst,
00:13:28: was ist denn das, was den stimmlichen Ausdruck dieses
00:13:30: Menschen in dem Moment wahrscheinlich beeinflussen wird?
00:13:34: Es ist auf der einen Seite die Vorahnung, wie es ankommen wird.
00:13:40: Also es ist wahrscheinlich so eine kleine Angst vor der Ablehnung,
00:13:44: die mehr oder weniger unbewusst sich äußert in Körperspannungen,
00:13:48: in Spannungen in der Stimme.
00:13:50: Unter Umständen führt es dazu, dass der Mann, die Frau auf der Bühne zu
00:13:56: schnell sprechen wird, weil die innere Spannung antreibt.
00:14:00: Und in dem Moment, in dem du wenig Wahrnehmung hast für das,
00:14:05: was du da gerade tust beim Sprechen, äußert sich jede innere Anspannung zu 100%
00:14:12: im stimmlichen und sprecherischen Ausdruck.
00:14:16: Und wenn du es nicht wahrnimmst, also selbst keine Kriterien dafür hast,
00:14:21: dein Organismus, deine Körperwahrnehmung dir nicht meldet, was gerade ist,
00:14:25: dann lässt du es einfach laufen.
00:14:27: Und dann ist im Grunde ist es das, was wir so oft vorne
00:14:32: auf der Bühne sehen und wahrnehmen.
00:14:35: Menschen, die mit, mit großem Anliegen und mit
00:14:39: großem inneren Wollen sprechen, aber oft genau das
00:14:45: Gegenteil von dem erzeugen.
00:14:46: Also wenn jemand da vorne steht und motivierend wirken will
00:14:51: und im Grunde eine Mauer erzeugt und letztlich das verstärkt,
00:14:57: wovor er ohnehin schon Angst hatte, nämlich die Ablehnung, die
00:15:02: vorher unterschwellige Ablehnung, sich dann wirklich äußert in den Fragen,
00:15:07: in den Zwischenrufen, in den oder im Schweigen.
00:15:11: Dann haben wir genau die Situation, die wahrscheinlich du und ich,
00:15:15: die wir dann im Coaching bearbeiten und anschauen, wie lässt sich das anders tun?
00:15:20: Das heißt, die Stimme transportiert immer, was im Menschen da ist.
00:15:25: Die Einstellung, das Rollenbewusstsein, die Selbstwahrnehmung,
00:15:31: also das Maß der Selbstreflexion ist Einer von 4 K.O.-Kriterien
00:15:39: im stimmlichen Ausdruck.
00:15:41: Was sind die anderen 3?
00:15:43: Das wollen wir natürlich jetzt gleich wissen.
00:15:46: Ja, nach deinem System.
00:15:48: Wenn du, wenn du jemanden sprechen hörst, du siehst jemanden,
00:15:53: der steht da und spricht.
00:15:55: Wenn wir bei diesem Punkt noch ganz kurz bleiben, dann weißt du instinktiv in
00:16:00: Sekundenbruchteilen, ob du mit diesem Menschen persönlich
00:16:04: näher bekannt werden wolltest oder nicht.
00:16:07: Ja, ob die grundsätzliche Möglichkeit bestünde, ist ja oft nicht angesagt.
00:16:13: Aber sagen wir mal, ob irgendwie so eine Art Sympathiefaktor möglich wäre.
00:16:18: Und das, was dahinter steckt, ist in der Regel der Empathie- oder
00:16:23: Selbstempathieausdruck der Stimme.
00:16:26: Denn die Stimme drückt im Grunde in jeder Sekunde des Sprechens
00:16:30: die innere Bereitschaft, Zum Zuhören aus während des Sprechens.
00:16:35: Klingt paradox.
00:16:37: Klingt paradox. Genau.
00:16:38: Während ich spreche, drücke ich schon aus, ob ich zuhören will.
00:16:43: Das ist interessant.
00:16:44: Also ob du innerlich, ob du dir Gedanken über deine Zuhörer
00:16:48: machst, ob du, ob du bereit bist, jemanden wahrzunehmen während des Sprechens.
00:16:53: Das drückt der Klang, die Tonalität, das Obertonspektrum, das
00:16:57: Klangspektrum deiner Stimme verrät das.
00:17:01: Und das ist überall dort.
00:17:03: Also das ist zum Beispiel im Key Account, ich habe sehr viel im Sales trainiert.
00:17:07: Wenn du jetzt eine Key-Account-Situation hast und du hast einen Kunden, du weißt,
00:17:12: ja, also frühestens in 10 Jahren verkaufst du das nächste Investitionsgut,
00:17:18: und deine Aufgabe als Key Accounter ist jetzt 10 Jahre lang, mit diesem
00:17:21: Menschen irgendwo in Kontakt zu bleiben.
00:17:23: Na, worüber sollst du reden?
00:17:25: Du kannst ihm nichts verkaufen.
00:17:26: Ja, also es muss eine persönliche Beziehung bestehen,
00:17:29: dass der Mensch überhaupt das Telefon abhebt, wenn du anrufst, oder bereit ist
00:17:33: in Kontakt zu sein.
00:17:35: Und da braucht es diese innere Bereitschaft, den anderen Menschen als
00:17:39: Individuum wahrzunehmen, eine gewisse Neugier auf den Menschen zu
00:17:43: haben, also Menschen zu mögen, gewissermaßen.
00:17:47: Ja, das ist ja schön.
00:17:49: Ja, das ist schön.
00:17:51: Ein wesentliches Kriterium, das ich jetzt versuche,
00:17:55: gerade einzuschalten, das ist das Dominanzattribut.
00:18:00: Also wie lenkungsstark ist deine Stimme.
00:18:05: Ja, da hört man viel mehr Druck dahinter.
00:18:09: Also wie viel Wollen wahrgenommen zu werden,
00:18:12: wie viel Lust am Lenken der Aufmerksamkeit, wie viel Energie im Grunde
00:18:18: steckt hinter deinem stimmlichen Ausdruck.
00:18:23: Allerdings Vorsicht, das lässt sich auch übersteuern.
00:18:29: Denn wenn das überzogen ist, dann hast du Reaktanz pur.
00:18:34: Ja, das merkt man sofort. Genau.
00:18:36: Du kannst aber nicht weghören.
00:18:39: Das stimmt. Das stimmt.
00:18:40: Und manche benutzen das ja genauso, dass man nicht weghören kann.
00:18:44: Aber es gibt so einen inneren Widerstand sofort.
00:18:47: Ja, absolut.
00:18:48: Da ist der, der, der blinde Widerstand ist in Sekundenbruchteilen da.
00:18:52: Der Körper reagiert.
00:18:53: Da hast du noch nicht mal verstanden, um was es geht.
00:18:56: Das ist das Spannende bei der Stimme.
00:18:58: Dass der Körper sofort oder die Zuhörerinnen und Zuhörer
00:19:01: sofort reagieren und wissen.
00:19:03: Also ich sage immer, es ist so ein Störgefühl da,
00:19:06: man kann es vielleicht gar nicht fassen, es kommt vielleicht gar nicht ins
00:19:09: Bewusstsein, aber man geht raus mit einem Störgefühl und es ist irgendwie
00:19:14: nicht stimmig gewesen.
00:19:16: Das ist ja unsere schöne Sprache, zeigt ja auch immer wieder
00:19:21: durch die Ausdrücke, dass das dann irgendwie passt oder nicht.
00:19:25: Genau, in der Übereinstimmung steckt die Stimme drin.
00:19:29: Ja, auch Ja, ja.
00:19:31: Also das Dominanzattribut ist quasi der Führungswunsch,
00:19:35: der hinter der Stimme steckt.
00:19:37: Wie ausgeprägt ist der?
00:19:38: Auch Lebensenergie ist da dahinter.
00:19:41: Ja, gar nicht weit davon entfernt ist das der Aspekt der Spannung,
00:19:49: also der Ängste, der Angstvermeidung, der inneren Vorsicht, über die man mit
00:19:58: Kraft drübergeht in der Kommunikation.
00:20:03: Das kann sein, Zeit, ganz banale Dinge, Zeitdruck.
00:20:07: In vielen Präsentationen habe ich das Gefühl, Menschen reden sich um Kopf und
00:20:11: Kragen, weil sie das Gefühl haben, sie müssten in den 40 Minuten
00:20:17: alle 540 Folien herunterarbeiten.
00:20:21: Und sie wissen so viel und sie wollen das alles hinüberbringen und so weiter.
00:20:28: Und schon entsteht stimmlicher Stress, der sofort hörbar wird.
00:20:34: Die Stimme wird höher, deutlich enger.
00:20:37: Und wieder ist da etwas im Klang, was uns körperlich im Grunde widerstrebt.
00:20:44: Es wird selten, also geschulten Ohren ist es schnell bewusst.
00:20:49: Und ich kann mir vorstellen, dir geht es ähnlich,
00:20:51: wenn du jemanden anschaust, der gerade auf der Bühne spricht
00:20:54: oder am Bildschirm etwas präsentiert.
00:20:57: Du hast in Sekundenbruchteilen den Status dieses Menschen erfasst aus deiner
00:21:02: Coach-Erfahrung heraus.
00:21:05: Und da fielen einem dann alle möglichen Anregungen ein, die man geben könnte.
00:21:11: So ist es ja. Genau.
00:21:13: Also diese kleine Anspannung, das kommt jetzt sehr auf die Situation
00:21:17: drauf an, aber sie äußert sich immer stimmlich in der
00:21:21: Sprechgeschwindigkeit, in der Tonhaltedauer der Vokale,
00:21:25: also in allen möglichen kleinen Attributen,
00:21:29: Von denen der Mensch normalerweise überhaupt nicht weiß, dass sie existieren.
00:21:32: Aber unbewusst nehmen wir das höchst präzise wahr.
00:21:36: Und das ist so spannend, lieber Arno, dass wir das wahrnehmen.
00:21:40: Du bist jetzt einer, der perfekt geschulte Ohren hat, mit Sicherheit.
00:21:45: Und wir haben das im Prinzip nicht.
00:21:50: Aber wir haben, wie schon gesagt, ein Störgefühl, wenn wir jemand sprechen
00:21:54: hören, der genau diese Attribute zeigt, die du so schön jetzt dargestellt hast.
00:21:59: Was kann denn jemand tun, statt jetzt einfach nur in
00:22:04: Anführungszeichen nur langsamer zu sprechen, sich weniger Folien vorzunehmen,
00:22:08: vielleicht nicht 480, sondern 478?
00:22:13: Ja, also was?
00:22:14: Spaß natürlich.
00:22:15: Was kann jemand tun, um präsenter zu sein mit der Stimme?
00:22:20: Ganz konkret.
00:22:23: Ja, es ist eine schöne Frage und ich kann mir vorstellen, dass
00:22:28: die Menschen, die uns jetzt beim Sprechen zuhören, ganz sicher im Laufe ihrer
00:22:32: Karriere in der einen oder anderen Ausbildung oder in dem einen oder anderen
00:22:37: Rhetorikkurs so Praxis, die üblichen Praxistipps zum Thema Stimme
00:22:41: so mitbekommen haben, dass man langsamer spricht,
00:22:45: dass man Pausen macht beim Sprechen, dass man sich aufrecht hinstellt und ich
00:22:49: weiß nicht was, weißt du, diese üblichen Dinge.
00:22:51: Ja, da muss ich jetzt schnell einhaken.
00:22:54: Merk dir bitte, was du sagen wolltest.
00:22:55: Ist ja eh dein Fachgebiet, aber ich finde, es passt jetzt so gut.
00:22:58: Entschuldige, wenn ich da reinhake, aber ich finde, es passt gerade so gut.
00:23:00: Ja, es gibt ja diese— bitte nicht schon wieder Pseudo-Empfehlungen,
00:23:04: so von wegen Korken im Mund oder die Leute sich in Unterwäsche vorstellen.
00:23:08: Ich fand das immer schrecklich.
00:23:10: Ja, es ist so schrecklich.
00:23:13: Was hast du denn da schon gehört, wo du immer die, wie gerade eben,
00:23:17: die Hände über dem Kopf zusammenschlägst?
00:23:19: Ja, also es gibt auch sowas wie Hintern zusammenkneifen, dann wirst du präsent.
00:23:23: Und also alle diese Dinge, bitte tu es nicht.
00:23:27: Also, und vor allem, es ist gut gemeint.
00:23:32: Und diese Empfehlungen, die liest du immer wieder,
00:23:38: weil das ist das, was man leicht sagen kann, was man leicht empfehlen kann.
00:23:43: Und das ist so wie ein Kalenderspruch, den du auch gerne abschreiben
00:23:47: kannst und selbst verwenden kannst.
00:23:51: Das Interessante am Training der Stimme ist,
00:23:57: dass, also wenn du jetzt nicht gerade Hochleistungs-Stimmartist werden willst,
00:24:06: das nehme ich jetzt aus.
00:24:07: Also wenn du nicht gerade Schauspieler, also in einem Stimmhochleistungsberuf
00:24:15: später arbeiten willst, Sänger werden willst, Opernsänger,
00:24:21: professioneller Sprecher.
00:24:23: Wenn du sagst, dich interessiert das Thema für deinen Job,
00:24:26: du willst besser kommunizieren, du willst besser, du willst dich selbst
00:24:29: besser kennenlernen, sei es drum.
00:24:32: Dann halte dich von diesen Sprüchen fern und verstehe,
00:24:36: dass die Stimme nicht existiert.
00:24:40: Das ist ein Wort, das beschreibt aber was?
00:24:44: Die beschreibt das, was aus dem Mund an Schwingungen herauskommt.
00:24:48: Das Wort beschreibt ein Resultat.
00:24:52: Die Stimme ist das hörbare Resultat von unendlich komplexen,
00:24:57: vernetzten Prozessen im Menschen.
00:24:59: Sprechen ist die am aufwendigsten automatisierte Gewohnheit, zu der wir
00:25:08: Menschen überhaupt in der Lage sind.
00:25:10: Wow!
00:25:10: Also das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
00:25:13: Ich weiß nicht, ob die Zahl aktuell ist.
00:25:15: Nach meinen letzten Informationen, Forschungen sind 34 Gehirnareale, während
00:25:23: du sprichst, miteinander vernetzt aktiv.
00:25:28: Das finde ich großartig, dass wir das jetzt klären
00:25:32: konnten hier in meinem Podcast.
00:25:34: Professionell auftreten.
00:25:35: Also Leute, 34 Gehirnareale.
00:25:38: Ich weiß nicht, ob es Menschen gibt, die so viel haben,
00:25:41: oder viele Menschen, die so viele Areale überhaupt haben und benennen können.
00:25:48: Ja, spannend, aber total nachvollziehbar.
00:25:50: Ja, wenn du genauer hinschaust, also da ist die Atmung mit beteiligt.
00:25:54: Okay, das hat man mal schnell verstanden.
00:25:56: Damit die Atmung überhaupt atmet, müssen Muskeln agieren.
00:26:00: Während du sprichst, bewegt sich der Körper.
00:26:03: Jetzt reden wir ja nur über die Biomechanik, aber Sprechen hat ja auch was
00:26:06: mit kognitiven Prozessen zu tun, mit Sprachbildung.
00:26:10: Bei den meisten schon.
00:26:11: Es gibt einige, die dann nicht, oder eher nicht.
00:26:16: Und während du sprichst, ist dein Gehör aktiv und monitort
00:26:20: ununterbrochen, was es wahrnimmt von dir, und steuert nach.
00:26:25: Also es ist ein kybernetischer Regelkreis, der hier selbstständig aktiv ist.
00:26:32: Ja, sehr spannend.
00:26:34: Aber zurück auf das Prozessergebnis.
00:26:36: Die Stimme ist ein Prozessergebnis.
00:26:37: Und so wie du das, was im SAP ganz unten rechts ausgeworfen wird als Ergebnis nicht
00:26:44: verändern kannst, kannst du die Stimme an sich nicht
00:26:47: verändern, weil es ein Ergebnis ist.
00:26:49: Die Frage ist, wie ist der Prozess, der dorthin geführt hat?
00:26:53: Und aus welchen Prozessschritten, aus welchen Prozesselementen besteht es?
00:26:59: Und jetzt sind du und ich als Coach gefragt, nämlich einzuschätzen,
00:27:05: wo von den 100 Möglichkeiten, der wirksamste Hebel ist,
00:27:12: der im allerersten Schritt das größte Veränderungsergebnis bringen könnte bei
00:27:18: diesem spezifischen Menschen, mit dem du es zu tun hast.
00:27:22: Das macht Sinn.
00:27:24: Und insofern ist: Tu dieses völlig sinnlos, weil wem sagst du das?
00:27:28: Ja, genau.
00:27:29: Ist dieses: Tu dieses für diesen Menschen überhaupt ein relevanter Hebel?
00:27:35: Wenn du jemandem, der ohnehin zu viele Spannungen im Körper
00:27:38: hat, weil er durch will und weil er, weil er gewohnt ist, sich durchzusetzen,
00:27:43: und der Oberkörper spannt und der Trapezmuskel schon nahe am Zerspringen ist
00:27:47: und dieser hohe Tonus im Oberkörper und die Stimme ein bisschen zu hoch und du
00:27:52: weißt schon, mit Nachdruck gesprochen wird und der Kopf immer nickt beim Sprechen.
00:27:57: Wenn du dem sagst, du musst die Körperspannung erhöhen,
00:27:59: na ja, was kommt da raus? Natürlich.
00:28:01: Und beim Zuhören wird man schon gespannt.
00:28:04: Die Stimme rutscht nach oben. Ja, lieber Arno.
00:28:07: Genau das ist aber eine Empfehlung, kann ich und will ich dennoch geben.
00:28:12: Gerne.
00:28:15: Wir reden über die Stimme, das heißt, wir unterhalten uns
00:28:20: intellektuell über ein Thema.
00:28:25: Wenn du aber das, was man als Wirkung,
00:28:31: als deine Wirkung bezeichnet, wenn du das
00:28:36: näher erforschen und beeinflussen willst, dann stell dir als allererster die
00:28:42: Frage: Woran erkennst du die Wirkung?
00:28:47: Also was sind mögliche Kriterien, Beobachtungsmöglichkeiten,
00:28:53: um zu differenzieren, woraus Wirkung besteht?
00:28:56: Denn Wirkung ist wieder ein Gesamtergebnis.
00:29:01: Und jetzt gibt es zwei Möglichkeiten.
00:29:03: Die Wirkung, über die wir normalerweise sprechen,
00:29:05: ist ja auf andere Menschen gerichtet.
00:29:08: Also die Wirkung auf dein Publikum, die Wirkung auf deinen Vorstand,
00:29:14: die Wirkung auf deine Stakeholder in der Präsentation.
00:29:18: Also okay, und da kann man sagen, okay, wie reagieren die?
00:29:22: Und danach orientierst du dich.
00:29:25: Ja, aber diese Wirkung ist ja immer zeitverzögert,
00:29:29: nachdem du bereits irgendetwas initiiert hast, was in den anderen
00:29:34: wirkungszeitig ist.
00:29:36: Und ich sage: Geh doch mal den Schritt zurück und schau mal, was in dir
00:29:42: könnte dir denn melden, was ist?
00:29:47: Also welche Sensorien im Menschen sind denn zuständig für das Steuern
00:29:55: von Wirkung?
00:29:57: Hast du mal ein Beispiel dafür?
00:29:58: Habe ich ein Beispiel dafür.
00:30:02: Wenn du zum Beispiel, also ganz praktisch,
00:30:05: weil wir heute über jemanden gesprochen haben, der auf die Bühne geht,
00:30:10: um entweder einen Vortrag zu halten oder zu moderieren.
00:30:15: Ja, okay.
00:30:17: Am Ende wird dieser Mensch einen ersten Satz sagen.
00:30:21: Okay, aber mit dem ersten Satz beginnt es nicht.
00:30:25: Es beginnt mit der Frage: Wer bin ich, wenn ich auftrete?
00:30:31: Und wie betrete ich diesen Raum?
00:30:34: Ja, da kommt die Bühnenerfahrung des Theaters wieder mit ins Spiel.
00:30:39: Genau.
00:30:40: Und ich sehe viel zu viele Menschen, die gehen halt irgendwie nach vorne.
00:30:45: Und wissen, jetzt dort vorne werde ich sprechen.
00:30:48: Im Nachvorgehen steigt bereits dieses Arousal, also diese innere
00:30:53: Erwartungsspannung, Cortisol, Adrenalin.
00:30:57: So, und jetzt gibt es erhöhten Tonus, erhöhte Herzfrequenz.
00:31:04: Da gehst du nach vorne.
00:31:05: Und weil du bereits im Tun bist, drehst du dich dann um.
00:31:10: Und bevor du noch richtig schaust, ob die alle sitzen und dir zuhören,
00:31:14: beginnst du zu sprechen.
00:31:17: Und da sind wir schon fast im Kampf- und Fluchtmodus, so wie du
00:31:21: das beschrieben hast. Und da zu sprechen ist nicht optimal.
00:31:26: Ist nicht optimal.
00:31:28: So, und jetzt, weil du ja nach den Möglichkeiten der
00:31:31: Selbsterforschung gefragt hast, also woran kann ich denn selbst,
00:31:35: also wie kann ich mich selbst steuern?
00:31:36: Da brauchst du jenen Sensor im Menschen, von dem die meisten Menschen gar
00:31:42: nicht wissen, dass sie ihn besitzen.
00:31:43: Da brauchst du die Körperwahrnehmung.
00:31:46: Wunderbar.
00:31:47: Ja, also das Spüren, das sind Hunderte Sensoren im Körper,
00:31:51: die Muskelspannung messen und so weiter und dir immer sagen:
00:31:55: Wie erlebe ich mich gerade? Wo spannt es?
00:31:58: Wie fühle ich mich?
00:31:59: Also wie, was spüre ich?
00:32:02: Und das Sense-Focusing-Prinzip, mit dem ich sehr erfolgreich seit vielen
00:32:07: Jahren arbeite, ist im Grunde nichts Neues, aber es tut
00:32:10: einen kleinen Aspekt zu Bekanntem dazu.
00:32:14: Du gehst auf die Bühne und wisse in dem Moment,
00:32:18: dass auch wenn du glaubst, du bist schon dran, weil du vorne stehst
00:32:23: und weil du schon da bist und glaubst, jetzt müsstest du sprechen, wisse,
00:32:26: dass in dem Moment die anderen noch nicht wirklich bereit sind, dir zuzuhören.
00:32:31: Die sind noch in Gedanken beim letzten Meeting, beim Vorredner, beim Telefonat,
00:32:36: das eben war und so weiter und so fort.
00:32:38: Also die sind innerlich noch nicht bereit. Macht total Sinn.
00:32:41: Die brauchen jetzt 3, 4, 5, 6 Sekunden, um dir die Aufmerksamkeit
00:32:47: zuwenden zu können.
00:32:48: Und das ist die Zeit, die du dir nimmst, um deine Fußsohlen zu spüren.
00:32:52: Ja, wunderbar. Ich liebe es.
00:32:54: Ja, die Körperwahrnehmung zu aktivieren.
00:32:58: Und das Sense-Focusing-Prinzip sagt, in dem Moment, in dem du dich spürst,
00:33:02: also die Aufmerksamkeit auf den 7.
00:33:05: Sinn, die Propriozeption lenkst, auf die Fußsohlen zum Beispiel,
00:33:09: auf das Gewicht, das du da, die Last, die du spürst.
00:33:13: Wirst du erleben, dass die schutzgespannten Muskeln im
00:33:16: Schulter-Nacken-Bereich und in der Mimik, namentlich der Kaumuskel,
00:33:21: für einen Moment loslassen.
00:33:24: Und das ist eine Rückmeldung aus dem Organismus und der erste Aspekt des
00:33:31: Wiedererlangens der Selbstführung.
00:33:35: Das ist ein Moment der Zuversicht.
00:33:39: Schön. Also der Erwartung von Leistungsfähigkeit.
00:33:42: Da merkst du, aha, ich kann, ich erlebe, ich kann mich zurück in die Hand nehmen.
00:33:49: Also ich kann mich entkoppeln von den außenliegenden Stressoren.
00:33:54: Und in dem Moment ist deine Stimme mindestens um eine Terz tiefer geworden,
00:33:59: obwohl, obwohl du noch gar nichts gesagt hast.
00:34:02: Ja.
00:34:03: Weil du dich innerlich gestraft hast, weil du für einen Moment dich
00:34:09: als wirkungsvoll erlebst.
00:34:13: Die Selbstwirksamkeitserwartung ist gesteigert, würde man in
00:34:16: der Psychologie sagen. Ja, ja, absolut.
00:34:18: Also Selbstwirksamkeit ist ja ein ganz wichtiger Faktor in der Psychologie.
00:34:21: Ganz, ganz wichtiger Faktor. Definitiv.
00:34:23: Und in dem Moment passiert aber gleichzeitig etwas,
00:34:26: was ich im Theater gelernt habe.
00:34:28: Das ist dieses Sich-selbst-Erleben.
00:34:31: Und der Körper straft sich einen Moment.
00:34:33: So, als würdest du auf etwas horchen oder achten,
00:34:38: dann hältst du inne und das überträgt sich unfassbar stark auf dein Publikum.
00:34:45: Du sendest einen Führungsimpuls aus und erhältst Zuwendung.
00:34:50: Die schauen jetzt: Aha, geht's gleich los. Genau.
00:34:54: Und du erlebst wahrscheinlich durch das Atmen der Menschen,
00:34:58: wenn du in so einem Moment bereit bist, auf so etwas zu achten, erlebst du: Ah,
00:35:04: sie sind da!
00:35:05: Und eigentlich ist hier bereits ein erster Aspekt des Dialogs bereits geschehen.
00:35:10: Und jetzt kannst du ins Gespräch gehen mit deinem Publikum.
00:35:14: Wunderbar, wunderbar, Arno, das hast du wunderbar dargestellt.
00:35:18: Ich sehe da wirklich dieses Szenario, diesen Moment, bevor der Redner,
00:35:24: die Rednerin spricht, wie das hast du so schön gezeigt jetzt, wie mit einer Lupe.
00:35:29: Drauf geguckt, diesen wichtigen, wichtigen,
00:35:33: wichtigen Moment so schön dargestellt, dass wir alle davon profitieren.
00:35:38: Vielen Dank dafür. Großartig.
00:35:41: So, gehen wir mal davon aus, dass wir das gelernt haben,
00:35:45: in unseren Körper zu hören, unsere Selbstwirksamkeit zu haben, uns
00:35:52: bewusst zu sein, dass wir Selbstwirksamkeit haben.
00:35:55: Ich habe dich ja vorher ganz rüde unterbrochen.
00:35:57: Jetzt wollen wir noch wissen, was kann ein Mensch,
00:36:01: der da auf der Bühne steht, noch tun, um seine Stimme wirksam und
00:36:04: souverän klingen zu lassen?
00:36:06: Wir haben gelernt schon mal, also das möchte ich noch mal wiederholen,
00:36:09: weil das so schön ist, dass wir wirklich eine Beziehung zum
00:36:12: Publikum aufbauen, innerlich auch, dass wir bereit sind, uns zu öffnen,
00:36:17: dass wir schon in den Dialog gehen, bevor der Dialog begonnen hat.
00:36:23: Manchmal ist es ja so, bei Präsentationen ist es ja erst mal ein Monolog.
00:36:27: Vielleicht frage ich dazwischen idealerweise noch was.
00:36:30: Nachher kommt die Q&A-Phase, aber ich bin schon innerlich bereit,
00:36:34: in den Dialog zu gehen für mein Publikum.
00:36:37: So, das ist mal das Erste.
00:36:40: Auch die Bereitschaft, innerlich sich diese, diese Übung
00:36:44: vorher auch mal durchzugehen.
00:36:46: Übung in Anführungszeichen, dieses Bewusstsein zu haben.
00:36:50: Was wäre weiterhin noch ein wichtiger Aspekt aus deiner Sicht für die Stimme
00:36:56: des Menschen auf der Bühne?
00:36:58: Vielleicht lohnt es sich jetzt mal zu schauen, Was sind denn Dinge,
00:37:03: die du jederzeit im Alltag beobachten kannst, wenn du Menschen— ich
00:37:07: denke, die Bühnensituation.
00:37:08: Wir erleben so viele Menschen beim Präsentieren, sei es jetzt en face,
00:37:12: also wirklich im Raum oder online.
00:37:15: Ununterbrochen präsentiert uns, erklärt und präsentiert uns irgendetwas.
00:37:21: Und es gibt eine ganze Reihe von Beobachtungspunkten,
00:37:26: die du mit dem, was du hörst, immer exzellent verkoppeln kannst.
00:37:32: Denn eines der besonders heiklen Dinge ist ja, wir sind nicht gewohnt,
00:37:37: präzise hinzuhorchen, weil im Alltag ist das ja nicht nötig,
00:37:42: weil unser Organismus reagiert ja immer folgerichtig.
00:37:46: Also wenn wir zuhören und es wird fad, dann ist es fad.
00:37:49: Ja, aber wir wissen aus dem heraus noch nicht,
00:37:53: was der Sprecher anders tun könnte, um uns mehr zu animieren.
00:37:59: Und insofern lohnt es, der Reihe nach mal durchzugehen.
00:38:02: Und das lässt sich in der Präsentationssituation super tun.
00:38:06: Also es hat sich jemand präsent gemacht, beginnt zu sprechen.
00:38:10: No-Go Nummer 1, der sofort sich in der Stimme niederschlägt,
00:38:13: ist die Floskel zu Beginn.
00:38:16: Guten Tag, meine Damen und Herren.
00:38:17: In dem Moment, in dem jemand eine Floskel spricht,
00:38:21: Dann komme ich zu dem bisher noch nicht genannten Punkt Nummer 4
00:38:26: der 4 Kriterien, der 4 K.O.-Kriterien einer wirkungsvollen Stimme.
00:38:32: Und das ist: Welcher Beziehungswunsch?
00:38:36: Welchen Beziehungswunsch macht deine Stimme hörbar?
00:38:42: Guten Tag, meine Damen und Herren!
00:38:44: Wie schon mein Vorredner sagte, wenn ich so eine Stimme höre,
00:38:49: dann merkst du, dieser Mensch spricht zu Leuten.
00:38:53: Also er hat eine Vorstellung, da ist eine große Gruppe und das ist
00:38:55: irgendwie anonym und das geht dahin. Ja, genau.
00:38:58: Absolut.
00:38:58: Also das heißt, das ist die neutrale Sachstimme.
00:39:03: Und wenn das limbische Gehirn in uns Zuhörenden, das Beziehungsgehirn,
00:39:07: so einen Ton hört, dann ist es schon verstimmt,
00:39:11: weil es hat verstanden, dass dieser Mensch nicht zu uns,
00:39:14: sondern sinnbildlich gesprochen zu unserem Geldbörsel spricht.
00:39:18: Auf jeden Fall auf einer sehr sachlichen Ebene, das war vollkommen klar.
00:39:23: Uns in eine Rolle drängt und nicht als Individuum anspricht.
00:39:28: Sehr klar geworden.
00:39:30: Ja, und es ist in der Alltagskommunikation zwischen Führungskraft und
00:39:34: Teammitglied genau dasselbe.
00:39:37: Wenn ich den Herrn Müller in seiner Rolle als Teammitglied
00:39:41: anspreche, dann wird aus diesem Gespräch nichts.
00:39:46: Weil der Punkt Nummer 4 eindeutig zur Verstimmung führt
00:39:50: und zur Reaktanz, zum Widerstand.
00:39:53: Also Floskel am Beginn.
00:39:55: Das würde im anderen Fall heißen: Beginne mit— so wie ein guter Film,
00:40:02: der beginnt auch nicht mit dem Abspann, wo dann oben steht,
00:40:06: wer es inszeniert hat, sondern der beginnt mit einer lebendigen Szene.
00:40:09: Ja.
00:40:10: Hol die Menschen also mit irgendetwas ab, was sie involviert.
00:40:13: Schritt Nummer 1.
00:40:16: In der Sprechweise wirst du vielleicht auch öfter die Rückmeldung
00:40:19: kriegen, wenn du jetzt zuhörst, du sprichst zu schnell.
00:40:24: Oder du erlebst Menschen, da sagst du, die reden einfach zu schnell.
00:40:28: Jein, es ist nicht die Sprechgeschwindigkeit,
00:40:31: es sind die fehlenden Verständigungspausen,
00:40:34: also die fehlenden Reaktionsmöglichkeiten.
00:40:38: Von uns zuhören.
00:40:40: Ja, und es ist wieder auch so ein Verständnisthema.
00:40:44: Es geht im Grunde so gut wie nie um das, was wir sagen.
00:40:47: Es klingt ein bisschen paradox, ich gebe es zu.
00:40:50: Es geht letztlich so gut wie ausschließlich darum,
00:40:53: was in unseren Sprechpausen in den Köpfen unserer Zuhörer passiert.
00:41:01: Das ist das Ziel der Rede.
00:41:03: Ja, da würde ich jetzt gerne ein Stück widersprechen, denn Inhalt ist
00:41:08: schon— ja, lieber Arno, ich widerspreche. Ja, aber das finde ich toll.
00:41:12: Wir sind ja hier, arbeiten am gleichen Thema.
00:41:15: Ja, also Inhalt ist, ist super wichtig.
00:41:18: Also Inhalt ist A und O.
00:41:19: Aber natürlich ist es so, wenn ich den Inhalt in einer monotonen,
00:41:25: vielleicht auch noch eine höhere Tonlage sprechend präsentiere,
00:41:29: dann hört da kein Mensch mehr zu.
00:41:31: Das ist ja logisch.
00:41:33: Aber die Menschen treten natürlich auf die Bühne oder vor Menschen,
00:41:35: vor andere Menschen, um inhaltlich etwas rüberzubringen.
00:41:42: Halt!
00:41:43: Es ist toll, Silvia. Toll, I love it.
00:41:46: Also ich liebe unser Gespräch.
00:41:48: Ich auch.
00:41:49: Ja, natürlich, selbstverständlich.
00:41:51: Es geht ja, ich meine, es geht um was.
00:41:54: Ja, natürlich, es geht um was. Aber um was geht es?
00:41:57: Geht es um das, was ich sage, oder geht es um das, was in den
00:42:00: anderen durch meine Rede entsteht?
00:42:03: Ja, so, und psycholinguistisch betrachtet, also ich weiß nicht,
00:42:07: ich komme aus dem Handwerk und ich habe ja auch im Theater gelernt,
00:42:10: es lohnt immer mal drüber nachzudenken, wieso ist es so,
00:42:14: was läuft da eigentlich ab?
00:42:17: Wenn du sprichst und wenn wir jetzt miteinander reden,
00:42:21: dann passiert in den Sprechpausen, ob die kurz oder lang sind, etwas Magisches.
00:42:29: Denn solange ich rede, also während meiner Phrase,
00:42:33: passiert in deinem und im Gehirn unserer Zuhörer nur Sprachverarbeitung.
00:42:40: Und das ist aufwendig genug.
00:42:43: So, und in dem Moment, in dem die Phrase abreißt,
00:42:47: wird im Zuhörergehirn ein Dreischritt, also ein Prozess angestoßen.
00:42:55: Es wird zuerst das sprachlich Verstandene grammatikalisch geprüft.
00:43:01: Da gibt es sogar ein Erregungsmuster 0,4 Sekunden später im Gehirn,
00:43:05: kann man messen mit dem ESR.
00:43:07: Aber wenn der Redner dann weiterspricht, dann haben wir,
00:43:12: und das kennt jeder Mensch, der mal in Vorlesungen in der Uni saß,
00:43:16: dann hast du sprachlich alles verstanden, Aber 2 Minuten später weißt du
00:43:22: nicht mehr, was du gehört hast.
00:43:25: Und du hast Mühe.
00:43:26: Du versuchst dauernd wie so ein Replay, wie so ein Tonband-Replay im Gehirn dir
00:43:32: noch mal vorzuspielen, was du gehört hast, damit du es verstehen kannst.
00:43:37: Wenn ich das Interesse überhaupt habe.
00:43:39: Wenn das Interesse vorausgesetzt ist.
00:43:40: Wenn der Mensch auch Vertrauen erweckt und auch Interesse weckt.
00:43:45: Interessant.
00:43:46: Aber das hat auch damit zu tun, denn wenn er gleich weiterspricht,
00:43:50: signalisiert er dir ganz deutlich, dass ihm völlig egal ist,
00:43:55: ob du reagierst oder nicht, weil er wartet nicht auf dein Verständnis
00:44:00: und auf die daraus instinktiv folgende Reaktion.
00:44:05: Und das sind die 3 Schritte, die man heute aus der Psycholinguistik,
00:44:09: du kennst es so gut, erkennt.
00:44:11: Sprachverarbeitung geht schnell, aber das Verknüpfen des Gehörten
00:44:15: mit dem Eigenen, aus dem entsteht eine eigene Gemengelage
00:44:20: und daraufhin reagiert der Organismus und aus dem entsteht eine handfeste Reaktion.
00:44:27: Das ist immer zumindest eine mimische Reaktion.
00:44:31: Und in unserem Zwiegespräch jetzt sogar führt es sehr oft zum Aha,
00:44:36: ja, also zu einer akustischen Reaktion.
00:44:39: Und das wäre das, Signal fürs Wetter sprechen.
00:44:43: Ja, und das ist so interessant,
00:44:45: weil du das jetzt noch mal auch wieder mit einem wunderbaren Magnifier-Glas, mit
00:44:50: so einem, mit so einer Lupe beleuchtest.
00:44:52: Diesen, diesen Prozess finde ich so toll.
00:44:55: Ja, so Schritt für Schritt.
00:44:56: Arno, die Menschen könnten sogar
00:45:00: eine Reaktanz aufbauen, im schlimmsten Fall sogar einen Widerstand
00:45:05: gegen das, was der Mensch da oben auf der Bühne sagt, weil sie nicht genug
00:45:09: Pause bekommen, das zu verarbeiten.
00:45:12: Und es ist so spannend, weil die Menschen, wie du vorher schon gesagt hast,
00:45:16: sind manchmal in Zeitnot.
00:45:18: Sie wollen schnell sprechen, was ich auch nicht schlimm finde.
00:45:19: Ich sage nur immer, die Schnellsprecher haben es leichter,
00:45:24: auch mal langsamer zu sprechen.
00:45:26: Und auch die Varianz macht dann die Spannung aus.
00:45:29: Das wissen wir.
00:45:31: Und aber das ist so wichtig, auch wirklich zu erklären,
00:45:34: dass wir sogar Abneigung provozieren können,
00:45:38: indem wir schnell sprechen und zu wenig Pausen machen, damit das Ganze verstanden
00:45:43: und auch eingeordnet werden kann.
00:45:45: Weil wenn es nicht eingeordnet wird, dann haben wir es wieder vergessen.
00:45:48: Haben wir es vergessen.
00:45:49: Und vor allem, es löst ja das nicht aus, was
00:45:53: sich jede Führungskraft, ganz egal mit wem du gerade sprichst, wünscht.
00:45:59: Nämlich, dass im anderen der Denkprozess angestoßen wird, der am Ende
00:46:05: zum gewünschten Ergebnis führt.
00:46:07: Du kannst reden, was du willst.
00:46:08: Wenn dieser schrittweise aufeinanderfolgende, systematisch,
00:46:14: am besten strategisch organisierte Lockprozess,
00:46:20: Herauslockprozess der Gedanken des anderen nicht passiert, dann ist das
00:46:25: Ergebnis nicht in Reichweite.
00:46:29: So, jetzt kommen wir natürlich zu der Frage, wie Viel Vorbereitung braucht das.
00:46:35: Also ich glaube, unsere Hörerinnen und Hörer, die uns zuhören,
00:46:38: sagen: Um Gottes willen, da passiert ja so viel in dieser kurzen
00:46:41: Zeit, wo wir miteinander sprechen.
00:46:45: Wie soll ich denn die Zeit finden, das noch vorzubereiten?
00:46:49: Was ist da deine Antwort drauf?
00:46:52: Nee, gar nicht nötig.
00:46:56: Klingt ein bisschen paradox, weil auf meiner Visitenkarte
00:46:59: steht Stimme und Rhetorik-Coach.
00:47:02: Sich professionell mit der Stimme zu beschäftigen, ist eine
00:47:07: völlig andere Nummer.
00:47:09: Und es ist immer die Frage: Was ist das Ziel der Auseinandersetzung?
00:47:16: Ich gehe gerne von der anderen Seite heran.
00:47:20: Ich habe es jetzt seit vielen Jahren speziell im Coaching mit sehr vielen
00:47:23: Persönlichkeiten zu tun, von denen jeder und jede einzelne im Laufe
00:47:29: ihrer Karriere, im Laufe ihres Lebens sich immer wieder
00:47:35: mit sich, mit der Rolle, mit der Führungsrolle, mit, ach ja,
00:47:40: mit diesen Dingen auseinandergesetzt hat.
00:47:43: Die wären sonst ja auch nicht beim Coach.
00:47:45: So ist es ja immer die Voraussetzung, weil da ist ja auch der Wunsch,
00:47:48: sich weiterzuentwickeln. Ja, ja, ja.
00:47:50: Aber bei all diesem intellektuellen und kognitiven Wachstum
00:47:55: ist eines in der Regel nicht mitgewachsen.
00:47:59: Und das ist das Mundwerk.
00:48:03: Inwiefern?
00:48:04: Darf ich das so formulieren? Ja, unbedingt.
00:48:07: Weil die Art zu sprechen, die Art, wie du klingst, für dich selbst
00:48:13: das Mittelnormal ist.
00:48:17: Unser innerer Autopilot, also die Gewohnheitssteuerung,
00:48:22: die uns erlaubt, aus Gewohnheit all diese guten Dinge zu tun, die wir im Lauf
00:48:26: des Lebens uns angeeignet haben.
00:48:28: Und die dadurch automatisiert sind, die uns als unbewusste Kompetenz zur
00:48:35: Verfügung stehen, auf die wir jederzeit zugreifen.
00:48:37: Aber wir wissen nicht, was wir tun.
00:48:41: Sprechen gehört dazu.
00:48:42: Und weil wir uns damit auch nicht auseinandersetzen,
00:48:47: weil es ja funktioniert, haben wir keine Kriterien zur Verfügung.
00:48:54: Und wir wissen auch nicht, wo wir angreifen können.
00:48:56: Drum ist man dann in dem Moment, bist du so anfällig für Kalendersprüche.
00:49:00: Spruchempfehlungen, weil die klingen logisch,
00:49:05: aber sie zeigen dir nie, wo das Thema für dich dahinter ist,
00:49:10: das dich interessieren könnte, wo du deine Aufmerksamkeit auf
00:49:13: diesen einen Punkt schärfen könntest.
00:49:16: Und das lässt sich im Grunde nicht verallgemeinern.
00:49:19: Ja, also das Einzige,
00:49:20: was ich gerne sagen kann, ist: Trainier deine Körperaufmerksamkeit
00:49:24: und achte auf ein paar Dinge.
00:49:25: Achte mal, mit welchen Floskeln du beginnst.
00:49:28: Hast du es schon mal anders gemacht und weißt du, was du tust?
00:49:30: Punkt 1.
00:49:32: Pausen.
00:49:32: Achte im Alltag mal drauf, wenn du ein normales Gespräch am Telefon
00:49:36: führst, nimm es mal auf und horch mal, wie viele akustische Rückmeldungen
00:49:42: du kriegst, die dir nicht auffallen.
00:49:45: Und was passieren würde, wenn der andere stumm ist für 30 Sekunden?
00:49:51: Dann ist Kontaktabbruch. Ja.
00:49:54: Also achte, also provoziere beim Sprechen Reaktionen.
00:50:00: Und dann heißt es: Wie geht es?
00:50:02: Und dann sind wir in der Sprachgestaltung, sind wir eigentlich in
00:50:05: der angewandten Rhetorik.
00:50:07: Achte mal drauf, wie viele Phrasen oder Sätze bindest du mit und
00:50:13: an den nächsten, sodass, du weißt, dass Girlandensätze entstehen und so weiter.
00:50:18: Das ist ein deutliches Zeichen, dass du nicht im Dialog mit deinen
00:50:23: Zuhörern bist und dass deine Stimme in dem Moment immer neutral klingt.
00:50:27: Ja.
00:50:28: Achte darauf, ob deine Satzenden hochgezogen sind,
00:50:33: wenn du weitersprichst, wenn du so sachorientiert, themenorientiert sprichst.
00:50:38: Und dann reden wir über dieses, das sogenannte Entenschwänzchen.
00:50:41: Achte mal darauf und dann kannst du überlegen, wie geht es anders?
00:50:45: Achte darauf, ob du während des Präsentierens deine
00:50:48: Körperenergie in den Gang nach links und in den Gang nach rechts kanalisierst.
00:50:54: Also ob du wie der Tiger im Tank, ist ein bisschen übertrieben,
00:50:59: links und rechts auf der Bühne hin und her marschierst, während du sprichst.
00:51:03: Daran könntest du erkennen, dass du wiederum mit dir selbst
00:51:07: memorierst, was du vorbereitet hast und aufsagst
00:51:12: und weniger im direkten Dialog mit deinem Publikum bist.
00:51:18: Fester Stand. Genau, fester Stand.
00:51:21: Genau.
00:51:22: Standpunkt vertreten. Ja, genau.
00:51:24: So schön wieder. Ja, deutsche Sprache.
00:51:26: Oder Bewusstsein zu haben, weil du Moderatoren-Thema angesprochen hast.
00:51:31: Bewusstsein dafür zu haben, auch für die räumliche Psychologie.
00:51:37: Wenn du vor Menschen trittst und du willst die Zügel in die Hand nehmen und lenkend
00:51:42: agieren, okay, stehst du in der Mitte, hast einen Standpunkt?
00:51:46: Okay, bist du frontal deinen Gesprächspartnern gegenüber?
00:51:51: Ja, sobald ein Konfliktthema auftaucht, wie weit bist du in der Lage,
00:51:56: den Raum zu nutzen, zu halten, vor allen Dingen genau die
00:52:00: Moderatorenposition zu nützen, auch den Raum als Kategorie zu nützen?
00:52:04: Es wird die Stimme massiv beeinflussen.
00:52:08: Und noch so etwas, was du gerade bei Videoaufnahmen,
00:52:11: was man heute ja locker machen kann.
00:52:12: Viele Menschen haben Videos von sich, von irgendwelchen.
00:52:16: Schau mal, welche Gesten siehst du?
00:52:19: Siehst du wiederkehrende Gesten, die von oben nach unten gehen,
00:52:22: also dass du immer nachdrückst, so wie Holzhacken mit beiden
00:52:24: Händen, sagen wir mal. Karate.
00:52:27: Karate.
00:52:28: Oder der Seemann, dass du so ausladende Bewegungen machst parallel.
00:52:33: Dann weißt du, du sprichst mit dir selbst und nicht mit deinem Publikum.
00:52:38: Also das wären so kleine Dinge, die unmittelbar auf den Ton
00:52:42: der Stimme einwirken.
00:52:44: Und dann dazu führen, gewusst wie, dass das Resultat, nämlich der Ton deiner
00:52:51: Stimme, die Art, wie dein Sprechen das Ohr der anderen
00:52:55: erreicht, so ist, dass es Menschen animiert,
00:52:58: immer wieder in die Aufmerksamkeit bringt und die Türen öffnet,
00:53:04: anstatt zu schließen.
00:53:05: Wunderbar.
00:53:07: Das ist ja fast schon ein Abschlusswort, lieber Arno.
00:53:09: Wir haben so lange geplaudert jetzt.
00:53:12: Ich hoffe, es hat gefällt, oder es hat unseren Hörerinnen und Hörern gefallen.
00:53:17: So spannend, mit dir zu sprechen.
00:53:19: Wahrscheinlich werden wir uns noch mal treffen, glaube ich,
00:53:22: weil es ja so viel zu sprechen gibt über unsere schöne Stimme und über unsere
00:53:28: Wirkungsweise mit der Stimme.
00:53:29: Bei dir steht ja hinten auch Voice sells, Stimme wirkt.
00:53:33: Das lassen wir uns noch mal auf der Zunge zergehen.
00:53:37: Wenn du selber mit deiner eigenen Stimme arbeitest, gibt es da noch
00:53:42: etwas, woran du feilst?
00:53:44: Bei dir selber?
00:53:50: Ja, ja, das gibt es.
00:53:53: Mir ist, während ich spreche, das Resultat meines Sprechens
00:53:59: einigermaßen bewusst. Ja, wenn nicht dir, wem dann?
00:54:02: Ja, also, aber auch nicht immer.
00:54:04: Also ja, das wäre, es wäre absolut unmenschlich und es wäre
00:54:08: auch kein Trainingsziel, sondern sondern also wenn wir jetzt zum Beispiel
00:54:12: im Podcast ins Gespräch gehen, dann ist ganz klar, dass ich weiß,
00:54:16: wie ich mich auf meinen Bürostuhl setze.
00:54:21: Dann ist klar, dass ich meinen Oberkörper aufgerichtet haben will,
00:54:24: dass meine Schultern Freiheit haben, dass meine Ellbogen Freiheit haben,
00:54:29: dass der Ellbogenradius nicht eingegrenzt ist und dadurch die
00:54:34: Stimme eingegrenzt ist, dass meine Gestik frei ist, dass ich Raum habe zu sprechen.
00:54:40: Und ich will auch hören, dass ich diesen Raum,
00:54:44: es ist ein akustischer Raum, wie immer, in welchem, also in welcher Situation
00:54:49: wir immer sind, dass ich den gestalte.
00:54:51: Woran ich arbeite, ist, ich erlebe mich selbst als sehr körperwahrnehmungsbezogen.
00:54:57: Kein Wunder, darum arbeite ich auch sehr viel mit Körperwahrnehmung im Training,
00:55:01: was ein sehr, sehr schnell wirksamer Hebel ist, auch
00:55:06: was Menschen in die Präsenz bringt.
00:55:08: Und das macht meine Stimme, wenn ich nicht drauf achte, manchmal ein bisschen dumpf.
00:55:15: Ja, also ich achte drauf, dass die Stimme vorne sitzt, dass
00:55:19: sie auch mal hell klingen darf und dass nicht nur das, das Dunkle, Volle,
00:55:24: Voluminöse, Tiefe zum Tragen kommt, sondern dass die hellen Anteile der Stimme
00:55:29: das, was lebendig macht und irgendwie neugierig macht,
00:55:33: dass das immer Zuhören ist.
00:55:35: Super.
00:55:37: Ja, vielen Dank da auch für deine Offenheit, lieber Arno.
00:55:40: Es war mir eine Freude, dich hier als Gast gehabt zu haben und
00:55:45: dass du dir die Zeit genommen hast. Vielen Dank dafür.
00:55:47: Herzlichen Dank.
00:55:49: Sehr gerne.
00:55:50: Und es gibt noch viel zu sprechen über die Stimme und über Rhetorik, über den
00:55:55: Auftritt, über die Präsentation überhaupt.
00:55:57: Und wir werden nicht Ruhe geben, bevor wir nicht wirklich unser Ziel
00:56:03: erreicht haben, die Menschen zu begeistern,
00:56:05: wirklich aufzutreten, ihre Stimme zu nutzen und in
00:56:09: Beziehung zu treten mit dem Publikum.
00:56:11: Das hat mir besonders gut gefallen, Arno.
00:56:13: Herzlichen Dank!
00:56:14: Sehr, sehr gerne, Silvia, sehr, sehr gerne.
00:56:22: Professionell auftreten, das war's wieder.
00:56:24: Danke, dass du dabei warst.
00:56:26: Weitere Informationen zum Podcast und die Shownotes findest du auch auf
00:56:30: meiner Webseite pitts-coaching. de.
00:56:34: Schau gern mal auch bei LinkedIn Learning vorbei, es gibt hier 3
00:56:38: Videotutorials zum Thema.
00:56:41: Die Links findest du in den Shownotes. Viel Erfolg!
Neuer Kommentar