#76 Wer fragt, der führt
Shownotes
Wer fragt, führt – zumindest dann, wenn die richtigen Fragen gestellt werden.
In dieser Folge erfährst du, wie Führungskräfte mit gezielten Rückfragen Missverständnisse vermeiden, pauschale Behauptungen hinterfragen und auch in schwierigen Gesprächen souverän bleiben.
Du erhältst konkrete Formulierungen für Meetings, Mitarbeitergespräche und Konfliktsituationen und lernst, wie Fragen Verantwortung fördern, Lösungen sichtbar machen und Teams zu eigenständigem Denken anregen.
Eine Folge für alle, die Gespräche bewusster führen und ihre Führungskompetenz weiterentwickeln möchten.
Shownotes:
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00:00:03: Herzlich willkommen zu Professionell auftreten, dein Podcast für
00:00:07: die gelungene Präsentation.
00:00:10: Souverän, glaubwürdig und begeisternd auftreten, deine Botschaft zielsicher
00:00:15: anbringen, mit Leichtigkeit Lampenfieber, kritische Fragen und andere
00:00:20: Stolpersteine überwinden, darum geht's.
00:00:23: Ich bin Silvia B. Pitz und freue mich auf dich.
00:00:26: Herzlich willkommen!
00:00:33: Was genau meinen Sie damit?
00:00:36: Eine kleine Frage, 5 Wörter, völlig unspektakulär— eigentlich.
00:00:42: Diese 5 Wörter können allerdings einen großen Unterschied machen.
00:00:47: Sie können ein Missverständnis verhindern, eine pauschale Behauptung entlarven,
00:00:52: ein schwieriges Gespräch versachlichen und manchmal sogar einen ziemlich
00:00:57: unfairen Angriff ausbremsen.
00:01:00: Was genau meinen Sie damit?
00:01:03: Vielleicht stellst du diese Frage heute noch jemandem,
00:01:06: vielleicht wäre sie in einem Gespräch in der vergangenen Woche hilfreich gewesen,
00:01:10: vielleicht merkst du beim Zuhören dieser Folge sogar, dass du dir selber diese
00:01:15: Frage häufiger stellen solltest.
00:01:18: Was genau beschäftigt mich?
00:01:21: Was genau meine ich eigentlich, wenn ich sage, das funktioniert nicht?
00:01:26: Was genau erwarte ich von meinem Kollegen, meiner Führungskraft, meiner Kundin
00:01:31: oder meiner Geschäftspartnerin?
00:01:34: Ganz herzlich willkommen zu professionell auftreten!
00:01:38: Richtig fragen, besser verstehen.
00:01:41: Wie kluge Fragen Gespräche verändern. Darum geht es heute.
00:01:47: In der vergangenen Folge haben wir uns bereits ausführlich mit der
00:01:50: Macht guter Fragen beschäftigt.
00:01:53: Wir haben uns angeschaut, warum Fragen unsere Aufmerksamkeit so schnell binden,
00:01:58: wie sie Neugier erzeugen und warum unser Gehirn sofort damit
00:02:02: beginnt, nach Antworten zu suchen.
00:02:05: Eine gute Frage verwandelt Zuhören in eine Denkaufgabe.
00:02:10: Dieses Mal gehen wir einen Schritt weiter: Wir schauen uns erstens an,
00:02:15: was wir eigentlich erfahren wollen.
00:02:17: Zweitens geht's darum, wie wir mit Fragen Gespräche öffnen und vertiefen können.
00:02:23: Im dritten Teil sprechen wir darüber, wie wir mit Rückfragen Klarheit schaffen
00:02:29: können, insbesondere bei missverständlichen Aussagen.
00:02:32: Und schließlich werden wir in Teil 4 sehen, wie wir mit geeigneten Fragen
00:02:38: schwierige Gespräche steuern können und somit zur lösungsorientierten
00:02:43: Zusammenarbeit beitragen.
00:02:46: Du merkst schon: Fragen begleiten uns überall.
00:02:50: Beim Führerschein werden uns Fragen gestellt, beziehungsweise bei der
00:02:54: Führerscheinprüfung natürlich.
00:02:56: In Auswahlverfahren beantworten wir Fragen.
00:02:59: Tests, Fragebögen und psychometrische Verfahren arbeiten mit Fragen.
00:03:04: Im Coaching entwickeln wir Erkenntnisse durch Fragen.
00:03:08: Vor Gericht können Fragen Wahrheiten ans Licht bringen oder Menschen
00:03:13: in Widersprüche verwickeln.
00:03:15: Kinder stellen ununterbrochen Fragen.
00:03:19: Manchmal sind sie sogar für uns faszinierend, manchmal bringen sie
00:03:22: uns an den Rand unserer Geduld.
00:03:26: Warum ist der Himmel blau?
00:03:28: Warum muss ich schlafen?
00:03:30: Warum darfst du das und ich nicht?
00:03:34: Spätestens bei der 5.
00:03:35: Warum-Frage in Folge wünschen sich manche Eltern vermutlich, die
00:03:39: Informations-Gap-Theorie der Neugier hätte sich für heute mal erledigt
00:03:44: und dann endlich Feierabend.
00:03:46: Fragen können banal sein: Was zieh ich an? Was koche ich heute?
00:03:51: Wo habe ich schon wieder meinen Schlüssel hingelegt?
00:03:54: Fragen können existenziell sein: Warum bin ich hier?
00:03:59: Was ist mir wirklich wichtig?
00:04:02: Welche Entscheidung möchte ich später nicht bereuen?
00:04:06: Fragen können aber auch Hoffnung enthalten: Willst du mit mir gehen?
00:04:12: Willst du mich heiraten?
00:04:14: Möchten Sie diesen Job übernehmen?
00:04:17: Ja?
00:04:18: Nein? Vielleicht?
00:04:21: Schon die Frage verändert etwas, wenn sie eine Möglichkeit in den Raum stellt, die
00:04:25: vorher vielleicht noch gar nicht existierte.
00:04:28: Genau deshalb sollten wir uns im Führungsalltag bewusster machen,
00:04:32: welche Fragen wir stellen und was wir damit auslösen.
00:04:37: Beginnen wir mit einer einfachen Grundregel:
00:04:40: Bevor du eine Frage stellst, solltest du wissen, was du erfahren möchtest.
00:04:45: Das klingt logisch, in der Praxis stellen wir allerdings häufig Fragen,
00:04:49: ohne uns über das Ziel klar zu sein.
00:04:52: Wir fragen, um Interesse zu zeigen, wir fragen, um Informationen zu bekommen,
00:04:58: wir fragen, um jemanden auf eine bestimmte Idee zu bringen.
00:05:02: Manchmal fragen wir, obwohl unsere Meinung längst feststeht: Findest du nicht auch,
00:05:08: dass wir das Projekt verschieben sollten?
00:05:12: Ist das wirklich eine Frage?
00:05:15: Oder möchtest du einfach nur Zustimmung?
00:05:19: Ist Ihnen bewusst, welche Konsequenzen Ihr Verhalten hatte?
00:05:23: Möchtest du hier eine Information?
00:05:25: Möchtest du vielleicht sogar Reflexion auslösen?
00:05:28: Oder möchtest du dem Gegenüber vermitteln, dass er oder sie sich
00:05:31: einfach falsch verhalten hat?
00:05:34: Unsere sogenannte „hidden agenda" steckt häufig bereits in der Formulierung.
00:05:40: Das ist erst einmal nicht verwerflich.
00:05:42: Fragen dürfen lenken.
00:05:45: Kommunikation lenkt ja immer irgendwie.
00:05:48: Entscheidend ist, ob wir uns dieser Wirkung wirklich bewusst sind und
00:05:54: ob wir dem Gegenüber noch einen echten Denk- und Antwortspielraum lassen.
00:06:00: Schauen wir uns einmal eine typische Situation an.
00:06:04: Eine Kollegin sagt: „Wir brauchen für das Projekt unbedingt
00:06:07: eine neue Software." Du könntest sofort antworten: „Dafür haben
00:06:12: wir kein Budget." Du könntest aber auch fragen: „Welches konkrete Problem
00:06:18: soll die neue Software für uns lösen?" Vielleicht stellt sich heraus, dass es gar
00:06:23: nicht um eine neue Software geht, Vielleicht fehlen klare Abläufe.
00:06:29: Vielleicht werden Daten doppelt gepflegt.
00:06:31: Das kommt häufiger vor als gedacht.
00:06:34: Vielleicht kennt das Team bestehende Funktionen nicht.
00:06:38: Vielleicht braucht es tatsächlich eine neue Lösung.
00:06:42: Die Frage verhindert, dass ihr vorschnell über eine Antwort diskutiert, obwohl das
00:06:48: eigentliche Problem noch gar nicht geklärt ist.
00:06:51: Das ist eine der wichtigsten Führungsfähigkeiten in
00:06:54: professionellen Gesprächen.
00:06:57: Bleibt zunächst beim Problem.
00:06:59: Finde heraus, was wirklich gelöst werden soll.
00:07:02: Danach könnt ihr sinnvoll über Möglichkeiten sprechen.
00:07:06: Offene Fragen helfen uns dabei natürlich ganz besonders: Was ist Ihnen wichtig?
00:07:12: Wie schätzen Sie die Situation ein?
00:07:15: Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?
00:07:19: „Woran würden Sie erkennen, dass die Lösung funktioniert?" Solche Fragen laden
00:07:24: zu einer ausführlicheren Antwort ein.
00:07:27: Geschlossene Fragen haben aber ebenfalls ihre Berechtigung:
00:07:31: „Haben Sie den Vertrag erhalten?" „Konnten Sie den Termin am Donnerstag
00:07:35: wahrnehmen?" „Ist das Budget bereits freigegeben?"
00:07:40: Hier brauchen wir eine klare Information: ja oder nein.
00:07:45: Erhalten oder nicht erhalten, freigegeben oder nicht freigegeben.
00:07:49: Problematisch wird es, wenn wir eine komplexe Situation mit einer geschlossenen
00:07:54: Frage vermeintlich klären wollen: Sind Sie mit dem Projekt zufrieden?
00:08:00: Ja.
00:08:01: Gespräch beendet.
00:08:03: Viel Information hast du da aber nicht bekommen.
00:08:07: Was heißt zufrieden?
00:08:09: Was läuft gut? Wo gibt es Risiken?
00:08:12: Was sollte sich verändern?
00:08:14: All die Informationen kriegst du mit einer geschlossenen Frage hier nicht.
00:08:18: Die Frage „Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf?"
00:08:22: öffnet bereits etwas mehr Raum.
00:08:26: Noch konkreter wäre: „Was läuft aus Ihrer Sicht gut
00:08:30: und an welcher Stelle sollen wir nachsteuern?"
00:08:34: Richtig fragen bedeutet deshalb auch, die gewünschte Tiefe zu bestimmen.
00:08:39: Manche Fragen streifen die Oberfläche, manche bohren direkt in den Keller.
00:08:45: Nicht jedes Gespräch muss sofort psychotherapeutische Tiefen erreichen.
00:08:51: Fragt dich ein Kollege morgens in der Büroküche: „Wie geht es dir?",
00:08:56: möchtest du vielleicht nicht unmittelbar deine gesamte Lebenssituation analysieren.
00:09:02: Die Frage kann ein freundliches Kontaktangebot sein.
00:09:06: Wenn allerdings jemand sagt: „Du wirkst in letzter Zeit ungewöhnlich angespannt.
00:09:12: Wie geht es dir wirklich?", verändert sich die Qualität.
00:09:16: Vorausgesetzt, die Person nimmt sich dann auch die Zeit, die Antwort
00:09:21: tatsächlich zu hören.
00:09:23: Das ist ein wichtiger Punkt: Eine gute Frage braucht die Bereitschaft,
00:09:27: mit der Antwort umzugehen, ihr auch Raum zu geben.
00:09:32: Stell bitte keine tiefgreifende Frage, wenn du lediglich eine
00:09:35: kurze Bestätigung möchtest.
00:09:38: Frag nicht: „Was beschäftigt dich gerade am meisten?", wenn du nach 7
00:09:42: Sekunden schon auf die Uhr schaust.
00:09:45: Frag bitte auch nicht: „Wie bewerten Sie unsere Zusammenarbeit?",
00:09:49: wenn jede kritische Rückmeldung sofort abgewehrt wird.
00:09:54: Menschen merken sehr schnell, ob eine Frage ehrlich gemeint ist.
00:09:59: Besonders wertvoll sind Anschlussfragen.
00:10:02: Sie zeigen, dass du nicht nur auf deine Gelegenheit zum Sprechen wartest,
00:10:07: sondern tatsächlich zuhörst.
00:10:10: Zum Beispiel: Sie sagen, die Abstimmung sei schwierig gewesen.
00:10:15: Was genau war schwierig?
00:10:17: Oder: Sie erwähnen, dass die Entscheidung für Sie überraschend kam.
00:10:22: Womit hatten Sie gerechnet?
00:10:24: Oder: Sie sagen, der Kunde sei unzufrieden.
00:10:28: Woran machen Sie das fest?
00:10:30: Anschlussfragen vertiefen das Gespräch.
00:10:33: Sie verhindern, dass wir eine Aussage mit unseren eigenen Annahmen auffüllen.
00:10:39: Das tun wir alle viel zu oft.
00:10:41: Das ist auch ganz normal und vermeintlich effizienter für unser Gehirn.
00:10:47: Ein Kollege sagt: Die Stimmung im Team ist schlecht.
00:10:51: Was entsteht sofort in deinem Kopf?
00:10:55: Vielleicht denkst du an einen Konflikt, vielleicht an die hohe Arbeitsbelastung,
00:11:00: vielleicht an eine bestimmte Führungskraft.
00:11:04: Vielleicht erinnerst du dich an deine eigenen schlechten Erfahrungen.
00:11:08: Das alles kann stimmen, es kann ebenso gut völlig falsch sein.
00:11:13: Die hilfreiche Frage hier lautet: Woran machst du die schlechte
00:11:17: Stimmung konkret fest?
00:11:20: Schon sind wir bei beobachtbaren Situationen statt bei einer
00:11:24: allgemeinen Bewertung.
00:11:26: Wörter wie schlecht, unprofessionell, ineffizient, unrealistisch oder
00:11:32: unmöglich klingen eindeutig.
00:11:36: Tatsächlich sind sie häufig erstaunlich unpräzise.
00:11:39: Das Konzept ist völlig unrealistisch.
00:11:42: Frage danach: Welche Teile des Konzepts halten Sie für unrealistisch?
00:11:49: „Die Zusammenarbeit funktioniert überhaupt nicht." Die Frage danach könnte lauten:
00:11:55: „An welchen Situationen zeigt sich das besonders?"
00:12:00: Oder: „Unsere Kunden wollen das nicht." Nachfrage wäre hier:
00:12:05: „Welche Kunden haben das zurückgemeldet und was genau haben sie gesagt?"
00:12:10: Das sind Klärungsfragen.
00:12:12: Sie bringen eine Aussage vom Nebel auf auf den Boden.
00:12:16: Diese Technik hilft auch, wenn Gespräche unangenehm werden.
00:12:20: Vielleicht sagt jemand im Meeting: „Ihr strategisches Konzept ist doch
00:12:24: völliger Blödsinn!" Was passiert in dir?
00:12:28: Vermutlich möchtest du dich verteidigen.
00:12:31: Vielleicht willst du sogar zurückschießen.
00:12:34: Vielleicht gehst du innerlich bereits deine Argumente durch.
00:12:38: Du könntest allerdings auch sagen: „Sie sehen das Konzept offenbar sehr kritisch.
00:12:43: Wo genau liegen Ihre Einwände?" Damit ignorierst du die unsachliche
00:12:48: Verpackung zunächst und lenkst zurück auf den Inhalt.
00:12:53: Du kannst die Ebene aber auch klar benennen: „Auf dieser persönlichen
00:12:57: Ebene kommen wir nicht weiter.
00:12:59: Welche Einwände haben Sie in der Sache?" Die Frage erfüllt hier wieder eine
00:13:04: wichtige Führungs- und Moderationsfunktion: Sie gibt dem
00:13:08: Gespräch wieder eine Richtung.
00:13:11: Eine pauschale Behauptung wird konkretisiert.
00:13:15: Ein Angriff wird in eine Sachfrage übersetzt.
00:13:18: Der Gesprächspartner muss Farbe bekennen.
00:13:22: Das funktioniert bei vielen typischen Killerphrasen.
00:13:25: Zum Beispiel, wenn jemand sagt: „In meiner Abteilung geht das nicht."
00:13:30: Dann kannst du sagen: „Was genau steht der Umsetzung in Ihrer
00:13:33: Abteilung entgegen?" Oder: „Meine Mitarbeitenden lehnen das
00:13:37: durchweg ab." Du könntest sagen: Welche Einwände werden konkret genannt?
00:13:44: Oder: Diese Neuerung bringt viel zu viel Unruhe.
00:13:48: Du könntest sagen: In welcher Hinsicht entsteht Unruhe
00:13:51: und welche Auswirkungen beobachten Sie?
00:13:55: Oder: Das neue Konzept stößt auf größte Bedenken.
00:13:59: Du kannst fragen: Wie sehen diese Bedenken konkret aus?
00:14:04: Du hörst, wie ähnlich die Fragen sind: Was genau?
00:14:08: Woran machen Sie das fest?
00:14:10: Welche konkreten Beispiele gibt es?
00:14:13: Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht dagegen oder dafür?
00:14:18: Das sind keine sprachlichen Zaubertricks.
00:14:21: Die Wirkung entsteht, weil du deinem Gegenüber keine pauschale
00:14:25: Behauptung durchgehen lässt und gleichzeitig auf eine
00:14:29: Gegenattacke verzichtest.
00:14:32: Du bleibst interessiert, klar und vor allen Dingen steuerungsfähig.
00:14:38: Wer fragt, der führt.
00:14:40: Dieser bekannte Satz stimmt allerdings nur teilweise.
00:14:43: Manche Fragen führen geradewegs ins Chaos.
00:14:47: Eine gute Frage braucht ein Ziel, einen passenden Zeitpunkt und
00:14:52: eine angemessene Formulierung.
00:14:55: Manchmal ist eine Rückfrage auch gar nicht sinnvoll.
00:14:59: Wenn jemand sagt: „Sie behandeln Ihre Mitarbeitenden wie den
00:15:02: letzten Dreck", kann die Frage „Wie kommen Sie darauf?" hilfreich sein,
00:15:07: wenn du tatsächlich eine konkrete Beobachtung hören willst.
00:15:11: In einer hoch eskalierten Situation wie dieser kann dieselbe Frage wie eine
00:15:17: Einladung zur nächsten Angriffsrunde werden.
00:15:21: Du brauchst an dieser Stelle zuerst eine Grenze.
00:15:24: „Diese Formulierung akzeptiere ich nicht.
00:15:26: Wenn Sie Kritik an meinem Führungsverhalten haben,
00:15:29: nennen Sie bitte eine konkrete Situation." Auch das ist eine Form der Klärung, die
00:15:35: Frage steht eingebettet in dieser klaren Position.
00:15:40: Professionell fragen bedeutet nicht, dass du alles fragend und
00:15:44: weich formulieren musst.
00:15:46: Du darfst widersprechen.
00:15:48: Du darfst Behauptungen korrigieren.
00:15:51: Du darfst auch ein Gespräch abbrechen, wenn Grenzen überschritten werden.
00:15:56: Eine Frage ersetzt keine Haltung.
00:15:59: Sie kann deine Haltung allerdings sehr gut sichtbar machen.
00:16:03: Welche Fakten stützen diese Aussage?
00:16:05: Was möchten Sie mit dieser Bemerkung erreichen?
00:16:09: Worum geht es Ihnen in der Sache?
00:16:12: Welche Lösung schlagen Sie vor?
00:16:16: Solche Fragen signalisieren: Ich lasse mich nicht in jedes
00:16:19: emotionale Scharmützel hineinziehen.
00:16:23: „Ich bin bereit, über Inhalte zu sprechen, dafür brauche ich aber konkrete Aussagen."
00:16:29: Fragen eignen sich außerdem hervorragend, um Verantwortung zu klären.
00:16:34: In vielen Meetings werden Probleme ausführlich beschrieben,
00:16:37: alle nicken betroffen, danach gehen alle auseinander und
00:16:40: niemand weiß, was als Nächstes passiert.
00:16:43: Hier helfen einfache Fragen: „Was ist jetzt der nächste konkrete
00:16:49: Schritt?" Wer übernimmt die Verantwortung dafür?
00:16:53: Bis wann brauchen wir ein Ergebnis?
00:16:56: Woran erkennen wir, dass der Schritt erfolgreich war?
00:17:00: Das klingt schon fast banal.
00:17:01: Genau solche Fragen fehlen allerdings oft, und zwar erstaunlich oft, in Meetings.
00:17:08: Vielleicht liegt es daran, dass Fragen Klarheit schaffen und Klarheit
00:17:12: manchmal halt auch unbequem ist.
00:17:15: Wer ist verantwortlich?
00:17:17: Was wurde wirklich entschieden?
00:17:19: Welche Ressource fehlt?
00:17:21: Welches Risiko nehmen wir bewusst in Kauf?
00:17:25: Was tun wir, wenn der Plan nicht funktioniert?
00:17:28: Gute Fragen bringen Themen ans Licht, die wir lieber vage gelassen
00:17:33: hätten, sind wir mal ehrlich.
00:17:36: Deshalb brauchen wir kluge Fragen.
00:17:38: Und wir brauchen auch den Mut dazu, diese Fragen zu formulieren und zu stellen.
00:17:44: Es ist leichter zu sagen: Wir wollen die Kommunikation verbessern.
00:17:49: Es ist viel anspruchsvoller zu fragen: Welche Informationen fehlen aktuell
00:17:55: wem, welcher Abteilung, und wer sorgt bis wann dafür, dass sie ankommen?
00:18:01: Es ist viel leichter zu sagen: Wir müssen kundenorientierter werden.
00:18:06: Es ist anspruchsvoller zu fragen: Welche konkreten Erfahrungen machen unsere
00:18:11: Kunden derzeit, die wir verändern wollen?
00:18:15: Es ist leichter zu sagen, wir brauchen mehr Innovation.
00:18:19: Es ist viel anspruchsvoller zu fragen, welche Annahmen über unser Geschäft
00:18:23: sollten wir dringend überprüfen?
00:18:27: Hier kommen wir zu einer wunderbaren Frageformulierung,
00:18:30: die besonders in kreativen Prozessen und im Design Thinking genutzt wird:
00:18:36: Wie können wir XY?
00:18:40: Wie können wir? Das ist eine magische Frage.
00:18:44: Zum Beispiel: Wie können wir den Einstieg für neue Mitarbeitende so gestalten,
00:18:48: dass sie sich vom ersten Tag an zugehörig fühlen?
00:18:51: Oder: Wie können wir unseren Kunden die Entscheidung erleichtern?
00:18:57: Oder: Wie können wir Meetings so gestalten, dass unterschiedliche
00:19:01: Perspektiven wirklich gehört werden?
00:19:05: Die Formulierung öffnet einen Lösungsraum.
00:19:08: Sie aktiviert mehrere Möglichkeiten und lädt Menschen zum Mitdenken ein.
00:19:13: Genau das wollen wir ja.
00:19:15: „Wie können wir besser werden?" ist sehr groß und eher wolkig und unbestimmt.
00:19:21: „Wie können wir die Wartezeit für unsere Kunden und Kundinnen bis Ende des Quartals
00:19:26: spürbar reduzieren?" gibt dem Denken eine Richtung und einen Rahmen.
00:19:33: Eine richtig gute Frage ist offen genug für neue Ideen und konkret genug, damit
00:19:38: wir wissen, worüber wir nachdenken.
00:19:41: Was nimmst du aus dieser Folge für dich mit?
00:19:45: Vielleicht zunächst die Erkenntnis, dass du nicht sofort auf jede
00:19:48: Aussage antworten musst.
00:19:51: Diesen sehr menschlichen Impuls dürfen wir unterdrücken.
00:19:55: Du darfst nachfragen.
00:19:57: Du darfst Begriffe klären.
00:20:00: Du darfst fremde und auch eigene Annahmen überprüfen.
00:20:04: Du darfst eine pauschale Behauptung in konkrete Beobachtungen übersetzen.
00:20:09: Du darfst einen Angriff auf die Sachebene zurückführen.
00:20:15: Du darfst vor einer Lösung erst einmal das Problem verstehen.
00:20:19: Vielleicht probierst du in den nächsten Gesprächen einfach mal 3 Fragen aus:
00:20:24: Was genau meinst du damit?
00:20:26: Woran machst du das fest?
00:20:28: Was wäre aus deiner Sicht ein sinnvoller nächster Schritt?
00:20:32: Diese 3 Fragen können dir in Gesprächen mit Mitarbeitenden,
00:20:36: Kolleginnen und Kollegen, Führungskräften, Kunden und Geschäftspartnerinnen
00:20:41: erstaunlich weiterhelfen.
00:20:45: Achte dabei aber bitte auch auf deinen Ton.
00:20:47: Eine Frage kann interessiert, skeptisch, spöttisch, oder sogar anklagend klingen.
00:20:55: Dieselben Wörter entfalten je nach Stimme, Blick und Haltung eine
00:20:59: völlig andere Wirkung.
00:21:02: „Was genau meinen Sie damit?" kann eine echte Einladung zur Klärung sein.
00:21:07: Es kann aber auch klingen wie: „Was reden Sie da eigentlich wieder für
00:21:11: einen Unsinn?" Du weißt, was ich meine.
00:21:14: Richtig fragen ist deshalb weit mehr als Fragetechnik.
00:21:19: Es ist eine Frage der Haltung.
00:21:22: Bin ich wirklich neugierig?
00:21:24: Bin ich bereit, eine Antwort zu hören, die mir vielleicht nicht so gut gefällt?
00:21:29: Kann ich meine eigene Annahme für einen Moment zurückstellen?
00:21:34: Möchte ich verstehen oder lediglich recht behalten?
00:21:38: Das sind möglicherweise die wichtigsten Fragen überhaupt.
00:21:43: Wir haben heute darüber gesprochen, wie du mit offenen Fragen und geschlossenen
00:21:47: Fragen Gespräche steuerst, wie du durch Anschlussfragen echtes
00:21:52: Interesse zeigst, wie du pauschale Aussagen konkretisierst
00:21:56: und wie Rückfragen dabei helfen können, schwierige Situationen wieder
00:22:02: auf die Sachebene zu bringen.
00:22:04: Das Thema Fragen ist damit natürlich immer noch nicht ausgeschöpft.
00:22:08: Wir könnten eine ganze Serie daraus machen.
00:22:12: Zirkuläre Fragen.
00:22:13: Systemische Fragen, Fragen in Coaching-Gesprächen, Entscheidungsfragen,
00:22:19: provokante Fragen, Fragen in Präsentationen und Interviews.
00:22:24: Es gibt also noch unglaublich viel zu entdecken.
00:22:28: Bis dahin lade ich dich ein, in deinen nächsten Gesprächen einmal ein wenig
00:22:32: bewusster zuzuhören und nicht sofort die passende Antwort zu suchen.
00:22:38: Manchmal ist die professionelle Reaktion keine Antwort, Manchmal ist es
00:22:43: einfach die nächste gute Frage.
00:22:46: Ich wünsche dir dabei viel Freude und Entdeckergeist.
00:22:50: Deine Silvia.
00:22:55: Professionell auftreten, das war's wieder.
00:22:58: Danke, dass du dabei warst.
00:22:59: Weitere Informationen zum Podcast und die Shownotes findest du auch auf
00:23:03: meiner Webseite pitts-coaching. de.
00:23:07: Schau gern mal guck mal auch bei LinkedIn Learning vorbei.
00:23:10: Es gibt hier 3 Video-Tutorials zum Thema.
00:23:14: Die Links findest du in den Shownotes.
00:23:17: Viel Erfolg!
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