#75 Klug gefragt, stark geführt - nutze die Macht der richtigen Fragen

Shownotes

Eine einzige Frage kann Aufmerksamkeit fesseln, Neugier auslösen und sogar unser Belohnungssystem aktivieren. Genau deshalb sind gute Fragen eines der stärksten Werkzeuge in der Führung.

Doch Frage ist nicht gleich Frage. Manche öffnen Denk- und Gesprächsräume, andere treiben Mitarbeitende sofort in Rechtfertigung, Ausflüchte und Nebenschauplätze.

In dieser Folge erfährst du, warum unser Gehirn auf Fragen so stark reagiert, wie du mit klugen Fragen mehr Erkenntnis, Verantwortung und psychologische Sicherheit schaffst und weshalb ein unbedachtes „Warum?“ schnell mehr kaputtmacht, als es klärt.

Klug gefragt ist eben oft schon halb geführt.

Shownotes:

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00:00:03: Herzlich willkommen zu Professionell auftreten, dein Podcast für

00:00:07: die gelungene Präsentation.

00:00:10: Souverän, glaubwürdig und begeisternd auftreten, deine Botschaft zielsicher

00:00:15: anbringen, mit Leichtigkeit Lampenfieber, kritische Fragen und andere

00:00:20: Stolpersteine überwinden, darum geht's.

00:00:23: Ich bin Silvia B. Pitz und freue mich auf dich.

00:00:26: Herzlich willkommen!

00:00:32: Wie geht's dir?

00:00:35: Wie geht's dir wirklich?

00:00:37: Was hast du heute vor?

00:00:40: Was muss heute passieren, damit du am Abend entspannt und zufrieden bist?

00:00:46: Was davon kannst und wirst du selber beeinflussen?

00:00:50: Alles interessante Fragen, oder?

00:00:53: Vielleicht bis auf die „Wie geht's dir?" -Frage, die meistens nur ein soziales

00:00:58: Begrüßungsritual ist und man die Antwort oft gar nicht so genau wissen will.

00:01:03: Wo bist du gerade?

00:01:06: Wo hörst du den Podcast?

00:01:07: Und wie geht's dir gerade wirklich?

00:01:10: Danke übrigens dafür, freut mich, dass du wieder dabei bist.

00:01:15: Heute wollen wir uns mit Fragen im Führungsalltag beschäftigen und warum sie

00:01:20: eine so große Wirkung haben können, wenn wir sie richtig einsetzen.

00:01:25: Ganz herzlich willkommen zu Professionell auftreten – klug gefragt, stark geführt.

00:01:32: Nutze die Macht der richtigen Fragen.

00:01:35: Das ist heute unser Thema.

00:01:37: Fragen sind ein großartiges Mittel in der Führungskommunikation, gute Fragen

00:01:43: ein noch besseres Wirkungstool.

00:01:47: Es ist so interessant, sich mit dem rhetorischen Mittel der Fragen

00:01:51: auseinanderzusetzen, weil sie so viele Facetten haben und

00:01:56: unterschiedlichste Wirkungen auslösen können.

00:01:59: Du merkst schon, wie begeistert ich davon bin.

00:02:01: Je mehr man sich mit Fragen beschäftigt, desto interessanter wird die Thematik.

00:02:07: In dieser Folge wollen wir erstens die psychologischen Hintergründe beleuchten,

00:02:12: warum Fragen so wirksam sind, uns zweitens generell mit Fragen im

00:02:17: Führungsalltag auseinandersetzen und drittens hier insbesondere überlegen,

00:02:23: welche Fragen wir vermeiden sollten und warum.

00:02:28: Warum sollst du als Führungskraft, Managerin und Entscheider/Entscheiderin

00:02:32: eigentlich überhaupt Fragen stellen?

00:02:35: Ist es nicht vielmehr so, dass gerade du Antworten liefern solltest?

00:02:41: Was ist deine Meinung dazu?

00:02:43: Ja, natürlich, in bestimmten Situationen ist es ja auch dein Job,

00:02:47: die richtigen Antworten zu liefern.

00:02:49: Aber bevor du das tun kannst, solltest du vielleicht viele Fragen stellen.

00:02:56: Macht das Sinn für dich?

00:02:58: Ich hoffe es.

00:03:00: Warum ist Fragen so kraftvoll?

00:03:02: Was sagt die Psychologie und Neurologie dazu?

00:03:06: Das ist unser erster Aspekt.

00:03:09: Eine Frage verwandelt Zuhören in eine offene Denkaufgabe.

00:03:15: Sobald wir eine verständliche Frage hören, beginnt unser Gehirn meist automatisch

00:03:20: nach einer Antwort zu suchen.

00:03:22: Die Frage gibt also der Aufmerksamkeit eine Richtung.

00:03:26: Statt Informationen nur aufzunehmen, prüfen wir unser Wissen,

00:03:31: rufen Erinnerungen ab, bilden Hypothesen und vergleichen mögliche Antworten.

00:03:38: Eine gute Frage ist deshalb wie ein mentaler Scheinwerfer.

00:03:42: Sie sagt unserem Gehirn: Hier fehlt etwas Relevantes, kümmere dich drum!

00:03:48: Das mit dem Scheinwerfer war übrigens gerade wieder mal eine Analogie.

00:03:52: Ich habe schon viel darüber in den Folgen 30 und 34 erzählt.

00:03:57: Hör da ruhig noch mal rein.

00:04:00: Eine Frage, die wir uns selbst stellen oder gestellt bekommen,

00:04:03: macht auch eine Wissenslücke sichtbar.

00:04:07: George Löwenstein beschreibt diesen Vorgang in seiner einflussreichen

00:04:11: Information Gap Theory of Curiosity Neugier entsteht demnach dann,

00:04:17: wenn uns die Differenz zwischen dem, was wir bereits wissen, und dem, was wir

00:04:22: gerne wissen möchten, bewusst wird.

00:04:27: Vor der Frage war uns diese Wissenslücke vielleicht noch gar nicht bewusst.

00:04:31: Eine gute Frage macht dieses aber spürbar.

00:04:35: Zum Beispiel: 70% aller Veränderungsprozesse scheitern.

00:04:40: Was ist der häufigste Grund dafür?

00:04:43: Könnte beispielsweise eine interessante Frage sein, wenn du und dein Team sich

00:04:48: gerade in einer solchen Situation befinden,

00:04:51: was sehr wahrscheinlich ist in der heutigen Zeit, früher oder später.

00:04:56: Da merken wir, dass wir die Antwort womöglich gar nicht genau kennen,

00:05:01: aber gern kennen würden.

00:05:03: Bingo!

00:05:04: Und schon hat unser Gehirn den Köder geschluckt.

00:05:07: Diesen Mechanismus können wir bei Fragestellungen nutzen, um die

00:05:12: Aufmerksamkeit unserer Gesprächspartner und -partnerinnen zu bekommen.

00:05:17: Eine Wissenslücke kann neben Neugier aber auch Frust hervorrufen, das haben

00:05:22: neuere Untersuchungen gezeigt.

00:05:25: Wir wollen die Antwort erfahren, erleben das Nichtwissen aber – je

00:05:29: nach Situation – als unangenehm.

00:05:32: Einen interessanten neurologischen Effekt kann eine kluge Frage aber auch auslösen:

00:05:38: Die Antwortsuche und Information ist nämlich belohnend.

00:05:44: Die Neurowissenschaftlerin Min-Jeong Kang und ihre Kollegen fanden heraus, dass bei

00:05:50: starker Neugier Hirnregionen aktiv waren, die mit Belohnung und auch

00:05:55: Motivation zu tun haben.

00:05:58: Die psychologische Wirkung einer guten Frage besteht also zunächst mal aus zwei

00:06:02: Teilen: Vor der Antwort entsteht Erwartung,

00:06:06: bei der Antwort erleben wir Auflösung: Erkenntnis oder ein Aha-Erlebnis.

00:06:12: Das wirkt wie eine intrinsische Belohnung.

00:06:16: Quizshows sind nicht umsonst so erfolgreich und Rätsel attraktiv für unser

00:06:20: Gehirn, wir werden also hier zweifach belohnt.

00:06:25: Außerdem aktiviert eine gute Frage unser vorhandenes Wissen.

00:06:29: Wenn ich sage: „Gute Führungskräfte stellen viele

00:06:32: Fragen", könntest du sagen: „Ja, stimmt, passt schon" oder diese

00:06:37: Aussage einfach wieder vergessen.

00:06:40: Sie ist vielleicht nicht besonders relevant gerade für dich.

00:06:44: Wenn ich aber sage: „Welche Frage hat dich als Führungskraft

00:06:47: zuletzt wirklich vorangebracht?", dann wird die Suche nach Situationen,

00:06:53: Gesprächen, nach Gelesenem, nach Erinnerungen aktiviert.

00:06:58: Dein Gehirn muss vorhandenes Wissen ordnen und eine Antwort formulieren.

00:07:04: Auch pädagogisch wurde diese aktive Abrufaktion gut untersucht:

00:07:10: Beim sogenannten Pretesting- oder Pre-Question-Effekt

00:07:15: versuchen Lernende zunächst eine Frage zu beantworten, bevor

00:07:19: sie den Lernstoff erhalten.

00:07:22: Selbst falsche Antwortversuche können dazu führen, dass die später gelernte richtige

00:07:27: Information noch besser erinnert wird.

00:07:30: Die Vorabfrage richtet also die Aufmerksamkeit auf die nachfolgend

00:07:35: relevante Information und bereitet bestehende Wissensstrukturen vor.

00:07:41: Das können wir sowohl in Präsentationen als auch in Führungsgesprächen nutzen.

00:07:47: Es gibt noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden psychologischen Aspekt,

00:07:51: wenn wir persönlich gefragt werden.

00:07:54: Sagt schon diese schöne Wortwendung: „Ich bin gefragt." Vielleicht als Expertin

00:07:59: oder einfach der gefragte Typ.

00:08:02: Aha.

00:08:03: Bei Fragen wie: „Was würdest du tun?", „Was bedeutet das für dich?"

00:08:10: oder „Welche Erfahrung hast du damit gemacht?", kommt dieser Mechanismus,

00:08:15: der Selbstbezug, zum Tragen.

00:08:18: Menschen verarbeiten Informationen intensiver, wenn sie diese auf

00:08:22: sich selbst beziehen müssen.

00:08:25: Eine persönliche Frage zwingt uns, die Aussage mit unserer Biografie,

00:08:30: mit unseren Überzeugungen oder unserem Selbstbild zu verbinden.

00:08:36: Außerdem sprechen viele Menschen tatsächlich gern über sich selbst.

00:08:39: Studien von Diana Tamir und Jason Mitchell zeigen, dass Selbstoffenbarung wiederum

00:08:45: mit Aktivität in Belohnungsregionen verbunden sein kann.

00:08:50: Menschen waren in den Experimenten teilweise sogar bereit, auf Geld zu

00:08:54: verzichten, um Informationen über sich selbst mitzuteilen.

00:08:58: Ist doch interessant, oder?

00:09:00: Das heißt jetzt allerdings nicht, dass jede Frage begeistert beantwortet wird.

00:09:05: Entscheidend ist, ob sie als relevant, sicher und auch als

00:09:10: angemessen erlebt wird.

00:09:12: Eine zu intime, prüfende oder manipulative Frage kann

00:09:18: und wird mit Sicherheit Abwehr auslösen.

00:09:21: Deshalb sollten wir in Führungssituationen Fragen finden, bei denen die

00:09:26: Gesprächspartner und -partnerinnen etwas Eigenes beitragen können

00:09:30: und sich dabei nicht bedroht fühlen.

00:09:34: Damit sind wir beim zweiten Teil von „Klug gefragt, stark geführt":

00:09:38: Nutze die Macht der richtigen Fragen!

00:09:41: Im Führungsalltag und bei Präsentationen können wir kluge Fragen nutzen, um

00:09:46: gewünschte Erkenntnisse zu erzielen, um neugierig zu machen und um in

00:09:51: eine bestimmte Richtung zu lenken.

00:09:53: Natürlich auch, um zu manipulieren.

00:09:56: Wenn man zum Beispiel eine Frage stellt wie:

00:09:59: „Wie können wir als Team besser zusammenarbeiten?",

00:10:02: impliziert diese Frage ja schon, dass es hier noch Verbesserungspotenzial gibt.

00:10:07: Hier wäre das kleine Wörtchen „noch" magisch.

00:10:11: Denn wenn du zum Beispiel sagst: „Wie können wir noch besser

00:10:15: zusammenarbeiten?", dann wirkt die Fragestellung deutlich

00:10:18: weniger schwarz-weiß und absolut.

00:10:21: Sie impliziert vielmehr, dass wir schon gut zusammenarbeiten, dass es aber

00:10:26: noch Verbesserungspotenzial gibt.

00:10:28: Und wer könnte da schon widersprechen?

00:10:31: Was hat dich in dieser Woche besonders beschäftigt?

00:10:35: Was können wir tun, um unsere Kundinnen noch mehr von unseren

00:10:39: Produkten zu begeistern?

00:10:42: Zwei unterschiedliche Fragetypen, die auf ihre Art und Weise zu einer vertieften

00:10:47: Auseinandersetzung führen können.

00:10:50: Warum würdest du eine Einladung von deinem Chef oder deiner Chefin zum

00:10:54: Lunch annehmen oder ausschlagen?

00:10:56: Unter welchen Bedingungen würdest du sofort vor 50.000 Leuten in einem

00:11:01: Stadion eine Präsentation halten?

00:11:04: Und worüber würdest du dann sprechen wollen?

00:11:08: Gute Fragen führen dazu, dass wir uns Gedanken machen,

00:11:12: dass wir in die Tiefe gehen, dass wir mehr wissen wollen und Erkenntnisse erzielen.

00:11:18: Ja, wie kommen wir nun auf gute Fragen?

00:11:20: Gute Frage, oder?

00:11:23: Die Frage ist: Worauf wollen wir hinaus?

00:11:25: Was ist das eigentliche Ziel der Fragestellung?

00:11:29: Wollen wir mehr über die Person wissen, über unser Teammitglied?

00:11:33: Oder über eine bestimmte Situation?

00:11:37: Wollen wir die Zukunft betrachten oder aus der Vergangenheit lernen?

00:11:42: Mit diesen Fragen entlarven wir unter Umständen auch unsere

00:11:46: eigene Hidden Agenda.

00:11:48: Unsere versteckten Motive, wenn wir Fragen stellen.

00:11:53: Bist du ein neugieriger Mensch?

00:11:56: Lernst du gerne?

00:11:58: Möchtest du mehr über eine bestimmte Sache oder über bestimmte Menschen wissen?

00:12:04: Ja?

00:12:05: Ja, dann frag einfach!

00:12:07: Ein bekanntes Kinderlied aus der Sesamstraße sagt: Wieso, weshalb, warum,

00:12:12: wer nicht fragt, bleibt dumm.

00:12:15: Das gilt auch für uns Erwachsene.

00:12:18: Manche Fragen bekunden Interesse, das ehrlich gemeinte „Wie geht's dir?"

00:12:23: Ja genau, ehrlich gemeint, mit Blickkontakt und Zeit zum Antworten.

00:12:29: Weißt du, was ich meine?

00:12:31: Es gibt aber im Führungsalltag auch Fragen, die von der gewünschten

00:12:35: Erkenntnis ablenken.

00:12:37: Damit sind wir schon bei Punkt 3 des heutigen Podcasts

00:12:41: „Professionell auftreten".

00:12:43: Unerwünschte Ablenkung bringt zum Beispiel eine Warum-Frage zum falschen

00:12:48: Zeitpunkt, in der falschen Situation.

00:12:52: Insbesondere bei kritischen Gesprächen mit Mitarbeitenden und Teams.

00:12:56: Zum Beispiel: „Warum haben Sie es nicht geschafft, die

00:13:00: Konzeption bis zur Frist fertigzustellen?" Das ist die Steilvorlage für Ausflüchte.

00:13:06: Welche Antworten bekommen wir auf solche Warum-Fragen?

00:13:10: „Ja, ging nicht, weil XY und Z." Denke das bitte mal durch,

00:13:16: bevor du die Frage stellst.

00:13:19: Ich habe das hundertfach mit ganz vielen Hunderten von Führungskräften

00:13:23: immer wieder durchexerziert.

00:13:25: Immer und immer wieder wurden, wenn überhaupt, dann oft

00:13:29: falsche Fragen gestellt.

00:13:31: Wir sind es leider ja nicht gewohnt und lernen es nirgends.

00:13:35: Gute Fragen zu stellen.

00:13:37: Also sei bitte wieder mal geduldig mit dir selbst, das ist wirklich ein Lernprozess.

00:13:43: Was wäre hier eine bessere Frage statt der „Warum"-Frage, die zu einer

00:13:48: möglichen Erkenntnis führt?

00:13:50: Hast du eine Idee?

00:13:53: Besser ist hier zum Beispiel: „Wie können Sie künftig die Frist

00:13:58: einhalten?" Aber auch hier setze ich dann ja implizit voraus, dass dem Teammitglied

00:14:03: bewusst ist, dass es sich um eine wichtige Frist handelt, die einzuhalten ist.

00:14:10: Das muss nämlich nicht in allen Fällen so sein, dass der Gesprächspartner oder die

00:14:14: Gesprächspartnerin das auch so sieht.

00:14:17: Wenn du nachfragst, dann kann das für dich als Führungskraft wirklich erhellend sein.

00:14:22: Das habe ich in echten Situationen so oft erlebt.

00:14:27: Wie schätzen Sie die Frist aus Ihrer Sicht ein, die wir von der Bereichsleitung

00:14:32: für das Projekt XY bekommen haben?

00:14:35: Hier haben schon manche Managerinnen und Manager gestaunt,

00:14:38: wenn sie mit der folgenden Antwort konfrontiert waren:

00:14:43: „Diese Frist ist unrealistisch." Klar fragst du dich, warum der Experte

00:14:48: oder die Expertin hier nicht schon früher mit dieser Einschätzung

00:14:52: aus dem Quark gekommen ist.

00:14:54: Wenn du in diesem Fall dann gleich diese Warum-Frage stellst: „Warum haben Sie denn

00:14:59: das nicht gleich gesagt?" Was passiert?

00:15:03: Hier könnte es jetzt richtig interessant werden, denn vielleicht bekommen wir an

00:15:07: dieser Stelle einen wichtigen Hinweis, warum die Person sich nicht früher

00:15:13: mit dieser Einschätzung gemeldet hat.

00:15:16: Hier ist also die Warum-Frage unter Umständen zielführend.

00:15:20: Es kann nämlich ganz unterschiedliche Ursachen geben.

00:15:24: Was meinst du, welche Ursachen das sein könnten, warum sich diese

00:15:27: Person nicht eher gemeldet hat?

00:15:31: Deine Antworten hier geben dir übrigens auch gleich noch Aufschluss über dein

00:15:34: eigenes Mindset, über deine Erfahrung mit Mitarbeitenden,

00:15:39: besonders über die schlechten Erfahrungen, die noch nicht so ganz verarbeitet sind,

00:15:43: die behalten wir nämlich besonders stark im Kopf, und über deinen

00:15:48: generellen Blick auf die Dinge.

00:15:51: Das ist das Schöne an offenen Fragen, die wir uns selbst stellen und uns dann

00:15:55: kritisch mit unseren mit bitte ehrlichen Antworten auseinandersetzen.

00:16:00: Aber zurück zu unserem Experten, der die unrealistische Frist nicht von

00:16:05: vornherein moniert hatte und dann einfach nicht rechtzeitig geliefert hat.

00:16:10: Wir waren auf der Suche nach den Ursachen.

00:16:13: Lass mich hier auch zur Klärung noch ein paar Fragen stellen: Wie ist der Kollege?

00:16:19: Eher ein introvertierter Mensch oder extrovertiert?

00:16:22: Also traut er sich von sich aus auch kritische Äußerungen zu treffen?

00:16:28: Wie ist das sogenannte Voice Climate in deiner Abteilung?

00:16:32: In deinem Unternehmen heißt: Ist es erwünscht und auch wirklich gelebte

00:16:36: Praxis, dass Menschen sich kritisch zu Wort melden, oder werden die Beiträge

00:16:41: gleich abgebügelt oder marginalisiert?

00:16:44: Achtung: Gerade in Krisenzeiten ist das öfter der Fall, als man denkt.

00:16:49: Und gerade hier wären solche Beiträge womöglich wichtig und wertvoll.

00:16:56: Wir machen immer wieder den gleichen Fehler, also alle Menschen,

00:16:59: dass wir falsche Annahmen treffen.

00:17:02: Welche Annahmen setzen wir fälschlicherweise voraus?

00:17:05: Überprüfe das mal für dich.

00:17:08: Welche Grundannahmen hast du in deinem Unternehmen etabliert und bei welchen bist

00:17:12: du dir sicher, dass das auch alle Kolleginnen und Mitarbeitenden

00:17:16: genauso sehen wie du?

00:17:18: Selbst wenn ihr Werte, eine Vision und vielleicht sogar den Sinn und Zweck— Simon

00:17:23: Sinek spricht vom Why einer Unternehmung— hoffentlich gemeinsam formuliert habt, wie

00:17:30: sicher kannst du dann sein, dass die gesamte Belegschaft das weiß und

00:17:34: sich dann auch danach verhält?

00:17:36: Als gemeinsamen Kompass sozusagen.

00:17:40: Ich habe das auch in etlichen Unternehmen erlebt, wo die oberste Führung glaubte,

00:17:44: dass die Unternehmensstrategie schon sehr gut kommuniziert wurde durch

00:17:48: unterschiedlichste Maßnahmen und es allen Führungskräften klar

00:17:52: ist und auch den Teams.

00:17:55: Aber das war oft bei Weitem nicht der Fall.

00:17:58: Wie sieht es da in deinen Teams und in deinem Unternehmen aus?

00:18:02: Stell dich da ruhig mal auf die Probe.

00:18:05: Du siehst, ich stelle dir in diesem Podcast auch viele, viele Fragen.

00:18:10: Wie geht's dir damit?

00:18:12: Schon wieder eine Frage.

00:18:15: John C.

00:18:16: Maxwell, Leadership-Autor vieler guter Bücher, hat eines mit dem Titel „Good

00:18:20: Leaders Ask Great Questions" geschrieben.

00:18:24: Im Buch geht es um Fragen, die sich die Führungskraft selbst stellen kann,

00:18:29: aber auch im Unternehmen und im Umfeld bestimmte Fragen stellen kann.

00:18:35: In welchen Situationen sollten wir im Führungsalltag also vorsichtig

00:18:38: mit „Warum"-Fragen sein?

00:18:41: Vor allem dann, wenn etwas schiefgegangen ist und die Frage leicht

00:18:45: wie ein Vorwurf klingt.

00:18:47: Stell dir vor, eine Führungskraft fragt: „Warum haben Sie den Termin nicht

00:18:51: eingehalten?" Inhaltlich ist das ja eine offene Frage, wir hatten das ja schon.

00:18:57: Beim Gegenüber kommt aber allerdings schnell etwas anderes an,

00:19:00: zum Beispiel eben: „Rechtfertigen Sie sich dafür!"

00:19:05: In diesem Moment geht es eben häufig nicht mehr darum, die Ursache ehrlich zu

00:19:08: untersuchen, Die Person versucht zunächst, ihr Gesicht zu wahren,

00:19:13: ihren Selbstwert zu schützen und mögliche negative Konsequenzen abzuwenden.

00:19:18: Dann entstehen Erklärungen, Ausflucht und Nebenschauplätze.

00:19:24: Kaum jemand sagt in einer angespannten Situation ganz spontan und gibt es zu:

00:19:29: „Ich war überfordert.

00:19:31: Ich wusste nicht, wie es geht.

00:19:33: Ich habe meine Fähigkeiten an dieser Stelle überschätzt." Das könnte

00:19:38: durchaus eine ehrliche Erklärung sein.

00:19:41: Vor der eigenen Führungskraft so offen zu werden, setzt allerdings großes Vertrauen

00:19:45: und die sogenannte psychologische Sicherheit voraus.

00:19:50: Wie können wir also vorgehen?

00:19:52: Es ist viel sinnvoller, positiv in die Zukunft zu schauen und natürlich je nach

00:19:57: Position und Verantwortung die Person in die Verantwortung zu nehmen.

00:20:03: Du darfst aber auch fragen, was er oder sie bräuchte,

00:20:06: um das Thema besser zu bewältigen, die Frist künftig einzuhalten, oder

00:20:11: fragen: „An welcher Stelle ist es schwierig geworden?" oder

00:20:15: „Was hat dazu geführt?" Aber Vorsicht, auch hier könnte die Person wieder von der

00:20:20: eigentlichen Selbsterkenntnis, auf die wir ja hinauswollen, ablenken.

00:20:24: So könnte eine Kollegin zum Beispiel sagen: „Ja, ich kann ja nichts dafür."

00:20:29: „Die Abteilung B hat ja ihre Ergebnisse viel zu spät geliefert."

00:20:33: Das mag dann ein Ausflucht sein, kann aber auch tatsächlich die Ursache sein und

00:20:39: demnach eine wichtige Erkenntnis für dich.

00:20:42: Hättest du nicht gefragt, hättest du es nie erfahren.

00:20:47: „Warum?" zu fragen kann aber auch sinnvoll sein.

00:20:50: Welche Beispiele fallen dir in deinem Führungsalltag hier spontan ein?

00:20:57: „Warum waren wir mit unserer Methode bisher so erfolgreich?" Das kann zum

00:21:01: Beispiel eine sinnvolle Frage sein.

00:21:03: Sie hinterfragt das Erfolgsgeheimnis, das vielleicht gar nicht bewusst ist und

00:21:09: in Teilen auf die Zukunft übertragbar sein könnte.

00:21:13: „Warum haben wir diesen wichtigen Kunden verloren?" Achtung: Hier kommt es auch

00:21:19: wieder auf den Ton der Fragestellung an und ob es ein offenes Klima und genug

00:21:24: Vertrauen und die damit verbundene wieder sogenannte psychologische Sicherheit in

00:21:28: deinem Team gibt, sonst wird hier keiner offen sprechen oder

00:21:33: es gibt eher Schuldzuweisungen an andere.

00:21:37: Wie geht es dir jetzt, wenn du an das Thema „richtig fragen" denkst?

00:21:42: Ich hoffe, ich konnte dich davon begeistern, noch eine Runde mehr über die

00:21:45: richtigen Fragen nachzudenken und diese als Mittel für gute Führungskommunikation

00:21:51: und in deinen Präsentationen einzusetzen.

00:21:54: Ganz im Sinne des Unternehmens und aller Mitarbeitenden.

00:21:58: Wir haben heute über das Thema „Klug gefragt, stark geführt – nutze die

00:22:04: Macht der richtigen Fragen" nachgedacht.

00:22:07: Erstens über psychologische Hintergründe, warum gute Fragen in der

00:22:11: Kommunikation so wirksam sind.

00:22:14: Zweitens haben wir uns generell mit Fragen im Führungsalltag auseinandergesetzt und

00:22:20: Drittens haben wir Beispiele von guten und schlechten Warum-Fragen erörtert.

00:22:27: Das Thema ist damit aber noch lange nicht auch nur annähernd abgearbeitet.

00:22:31: Ich werde dazu sicher noch weitere Folgen produzieren.

00:22:35: In der Zwischenzeit wünsche ich dir ganz viel Erfolg bei der Entwicklung

00:22:39: deiner ganz eigenen Führungsfragen.

00:22:42: Und wenn du Unterstützung dabei wünschst, melde dich gerne bei mir.

00:22:46: Viel Freude dabei!

00:22:48: Deine Silvia.

00:22:54: Und schon ist wieder eine weitere Folge von Professionell auftreten vorbei.

00:22:58: Wenn du weitere Unterstützung wünschst und deinen Auftritt individuell optimieren

00:23:03: möchtest, dann schreib mir gern eine E-Mail über mein Kontaktformular

00:23:07: unter pitts-coaching.

00:23:09: de/kontaktformular.

00:23:13: Ich freue mich auf dich.

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