#72 Elfmeterschießen, Klopp und die Kunst guter Interviews - was Führungskräfte vom Sport lernen können

Shownotes

Wie fühlt sich der Druck in einem WM-Elfmeterschießen wirklich an? Warum liefern manche Sportler spannende Interviews – und andere nur austauschbare Floskeln? Und was haben erfolgreiche Trainer wie Jürgen Klopp oder Vincent Kompany mit moderner Führung gemeinsam?

In dieser Folge spricht Silvia B. Pitz mit Sportjournalist Thomas Mörs, der seit Jahrzehnten die großen Momente des Fußballs begleitet. Sie werfen einen Blick hinter die Kulissen des Sportjournalismus, sprechen über Lampenfieber vor Live-Schaltungen, die Macht guter Fragen und die Kommunikationsfähigkeiten, die Spitzensportler und Führungskräfte gleichermaßen erfolgreich machen.

Außerdem: Welche Teams gehören zu den Favoriten der kommenden Weltmeisterschaft in den USA? Warum Social Media die Arbeit von Journalist:innen verändert hat – und weshalb Authentizität am Ende immer gewinnt.

Eine Folge voller spannender Einblicke in Kommunikation unter Druck, professionelle Interviews und die Menschen hinter den Schlagzeilen. 🎙️⚽️

Shownotes:

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00:00:03: Herzlich willkommen zu Professionell auftreten, dein Podcast für

00:00:08: die gelungene Präsentation.

00:00:10: Souverän, glaubwürdig und begeisternd auftreten, deine Botschaft zielsicher

00:00:15: anbringen, mit Leichtigkeit Lampenfieber, kritische Fragen und andere

00:00:20: Stolpersteine überwinden, darum geht's.

00:00:23: Ich bin Silvia B.

00:00:25: Pitz und freue mich auf dich.

00:00:26: Herzlich willkommen!

00:00:32: Er bringt gleich mehrere spannende Perspektiven mit.

00:00:36: Er ist Journalist, TV-Reporter und Beitragsmacher und auch Interviewer im

00:00:41: Stadion für die DFL, also für die Bundesliga und ihre TV- und

00:00:46: Online-Auslandsformate sowie für bundesliga.

00:00:50: de.

00:00:51: Er war Pressesprecher eines Profivereins und jemand, der seit Jahrzehnten

00:00:56: Fußball auf allen Ebenen begleitet.

00:00:58: Bei Sky Sport News HD ist er Reporter vor Ort im Rhein-Ruhr-Gebiet.

00:01:04: Lange, lange habe ich ihn begniet und jetzt hat er endlich zugesagt.

00:01:07: Ich bin froh, dass wir heute das Vergnügen haben, mit Thomas Mörs zu sprechen.

00:01:12: Thomas, schön, dass du dir Zeit genommen hast heute.

00:01:15: Gerne, und hallo.

00:01:17: Ja, hallo, genau, schön, dass es geklappt hat.

00:01:19: Ja, wir kennen uns schon eine halbe Ewigkeit, lieber Thomas, aus dem

00:01:23: Mediengeschäft auch, und wir teilen auch ein Faible für gute Musik,

00:01:27: vor allen Dingen Funky Music.

00:01:28: Da schickst du mir auch immer mal wieder ein paar Ideen,

00:01:31: aber lass uns erstmal starten mit deiner Expertise zum Thema

00:01:35: Sport und Sportreporter.

00:01:37: Es geht ja ums professionelle Auftreten und damit auch herzlich willkommen

00:01:40: an alle meine Hörerinnen und Hörer.

00:01:44: Thomas, pünktlich vor dem Start der FIFA-WM werden wir natürlich auch noch mal

00:01:48: miteinander sprechen über den professionellen Auftritt in der

00:01:52: Fußball-Arena und wir werden natürlich auch noch mal dich fragen als Experten,

00:01:57: wer denn wohl den Cup mit nach Hause bringt.

00:02:00: Aber zuerst einmal Wenn wir morgen zum Beispiel in ein

00:02:05: WM-Stadion gehen, wer steht denn eigentlich stärker unter Druck?

00:02:09: Der Spieler, der den Elfmeter schießen muss, oder der Reporter, der ihn vor

00:02:14: Millionen von Zuschauern kommentiert?

00:02:16: Da hat der Reporter, glaube ich, überhaupt gar keinen Druck, sondern

00:02:20: wirklich nur der Spieler.

00:02:22: Weil das ist ein Druck, den kann man sich, glaube ich, wenn man es nicht selber

00:02:25: erlebt hat, gar nicht vorstellen.

00:02:27: Weil wir als Reporter, klar, das ist spannend, aber man ist da in

00:02:31: einem Tunnel, man schildert die Ereignisse und der Spieler hat diesen einen Moment.

00:02:37: Und beim Elfmeterschießen noch ein bisschen extremer, weil das kann man

00:02:40: ja selbst im Training nicht simulieren.

00:02:42: Also der Druck ist bei dem Spieler, aber er wird natürlich auch entsprechend

00:02:45: besser honoriert dafür. Ja, das stimmt.

00:02:49: Ein bisschen besser.

00:02:51: Ja, genau.

00:02:52: Thomas, du bist seit den 1980er-Jahren im Sportjournalismus unterwegs und hast

00:02:57: Radio, Fernsehen, Szenen Bundesliga, Europa League und

00:03:02: auch internationale Formate erlebt.

00:03:05: Was hat dich damals denn überhaupt zum Sportjournalismus gebracht?

00:03:09: Gebracht eigentlich ich mich selber.

00:03:11: Mein Ziel war so mit 12, 13 Jahren: Ich will Sportreporter werden, außer

00:03:17: es klappt irgendwie mit einer Profifußballkarriere.

00:03:19: Das war aber mit 20 relativ schnell klar, dass das nie klappen würde.

00:03:24: Und von daher habe ich mich dann auch darauf konzentriert, irgendwie

00:03:27: in diesen Kreislauf reinzukommen.

00:03:29: Weil das größte Problem beim Sportjournalismus ist tatsächlich,

00:03:33: überhaupt reinzukommen, weil dann wird man gefragt: Hast du denn

00:03:37: schon mal was gemacht? Nee, ja, nee, dann nicht.

00:03:39: Und um was zu machen, muss man aber erst was gemacht haben.

00:03:42: Und da hatte ich zum Glück bei der WAZ, bei der Zeitung in Bochum, die

00:03:46: Möglichkeit, da ein Praktikum zu machen, zu zeigen, dass ich was drauf habe.

00:03:50: Konnte danach als freier Mitarbeiter dann tätig sein.

00:03:54: Und so hat sich das alles ergeben.

00:03:56: Aber Berufswunsch war das eigentlich schon immer, irgendwas zu machen mit Sport.

00:04:01: Gerne Sportreporter.

00:04:03: Da habe ich mal ein Buch gelesen in frühester Kindheit, Sportreporter Fabian.

00:04:07: Das war so der Kick zu sagen: Hey, das genau will ich auch machen.

00:04:11: Das war dein Jugendheld und du bist jetzt selber zum Held geworden, sozusagen.

00:04:15: Wunderbar.

00:04:16: Kannst du dich noch an deinen ersten großen Einsatz erinnern,

00:04:20: der dich heute noch prägt?

00:04:22: Da gibt es mehrere, wahrscheinlich.

00:04:25: Also es gab bei der Zeitung einmal einen großen Einsatz, da habe ich die gesamte

00:04:28: Titelseite im Lokalsport über das erste American-Football-Spiel

00:04:31: in Bochum geschrieben.

00:04:34: Dann gab es beim Radio, da erinnere ich mich an den ersten großen Einsatz im

00:04:40: Olympiastadion, damals noch in München, beim Spiel von Wattenscheid 09, das ich

00:04:44: dann für das Radio in Bochum übertragen habe.

00:04:46: Das war komplettes Neuland in der Beziehung in so einem Stadion, wo man die

00:04:52: Spieler nicht erkennen konnte auf 100 Meter Entfernung.

00:04:56: Da habe ich gelernt, hey, du musst eigentlich ein Fernglas mitnehmen für

00:04:58: solche Spiele, damit du das alles überhaupt erkennen kannst

00:05:02: in 200 Meter Entfernung.

00:05:04: Das waren so die ersten großen Sachen in der Beziehung.

00:05:07: Dann gab es natürlich die ersten auch Fernsehbeiträge, die von mir selber

00:05:10: liefen, oder als ich bei den US Open Tennis kommentiert habe, hatte mit Fußball

00:05:15: damals nichts zu tun, hat aber unfassbar viel Spaß gemacht.

00:05:18: Eine Bereicherung fürs Leben.

00:05:20: Und doch gab es noch spezielle Momente, die so richtig herausragen.

00:05:25: Mir klar, das erste Spiel, was ich live im Fernsehen damals fürs DSF

00:05:30: kommentiert habe, war natürlich auch Aufregung, Nervenanspannung

00:05:33: vorher ohne Ende.

00:05:35: Ja, das kann man sich denken. Absolut.

00:05:38: Und Thomas, viele Menschen glauben ja, Reporter würden einfach so in

00:05:41: die Kabine gehen und losreden.

00:05:43: Das ist aber nicht so.

00:05:44: Du hast es gesagt, dass man vielleicht gut daran tut, heute nicht mehr, aber

00:05:49: früher war gut, ein Fernglas mitzunehmen.

00:05:52: Wie viel Vorbereitung steckt denn eigentlich dahinter, wirklich so einen

00:05:54: guten Auftritt dann hinzulegen als Kommentator?

00:05:57: Das kann man jetzt nicht so beschreiben: Hey, da setze ich mich eine

00:06:01: Stunde hin und bereite mich vor, sondern im Fußball ist es quasi das

00:06:06: geballte Wissen aus den Jahren der Erfahrung, gemischt mit dem aktuellen

00:06:11: Wissen aus der vergangenen Woche, aus der laufenden Saison.

00:06:16: Und das eignet man sich eigentlich dann nur an, wenn man täglich

00:06:19: dafür auch Interesse hat.

00:06:21: Man kann also nicht sagen, der Beruf endet abends, wenn du nach Hause kommst,

00:06:25: sondern dann guckst du irgendein Fußballspiel, das ist Arbeit.

00:06:28: Dann liest du irgendeinen Online-Artikel, das ist Arbeit,

00:06:31: aber in Anführungszeichen Arbeit, weil das würde ich wahrscheinlich

00:06:33: sonst auch machen.

00:06:35: Aber das ist quasi rund um die Uhr.

00:06:38: Wenn man aufs Handy schaut und sieht, ah, da ist ein Trainer entlassen, dann ist das

00:06:42: etwas, was man sofort verarbeiten muss. Wer ist der Neue?

00:06:45: Wo kommt der her? Kenne ich den?

00:06:46: Habe ich mit dem schon mal zu tun gehabt? Muss ich den noch kennenlernen?

00:06:49: Und so weiter.

00:06:50: Ja, genau.

00:06:50: Also nicht nur verarbeiten, sondern du musst ja dann auch wirklich aktiv

00:06:53: recherchieren, wenn solche Sachen stattfinden.

00:06:55: Und das passiert ja neuerdings häufiger, wie man zuhört.

00:06:59: Ja, genau.

00:07:00: Ja, die Recherche wird natürlich im Vergleich zu früher erleichtert dadurch,

00:07:04: dass es einfach ganze Themenmappen gibt.

00:07:06: Also wenn ich zu einem Bundesligaspiel gehe, Dann habe ich eine

00:07:10: Informationsquelle, die vielleicht der normale Zuschauer im Stadion nicht hat,

00:07:14: mit Themenmappe, mit Statistiken, mit all den Dingen, die man früher

00:07:20: wirklich sich mühevoll aus dem Netz heraussuchen musste.

00:07:25: So seit Ende der 90er Jahre, da fing das an, da gab es diese Mappen nicht.

00:07:28: Jetzt hat man das alles aufgelistet.

00:07:30: Manchmal ist es aber auch viel zu viel.

00:07:32: Und das merkt man dem einen oder anderen Reporter vielleicht

00:07:35: auch an, der sehr viel aus dieser Mappe dann vorträgt und das eigentliche

00:07:39: Spiel aus dem Auge verliert.

00:07:41: Da habe ich lieber einen Reporter, der mehr aufs Spiel achtet und punktuell

00:07:46: dann nur diese Infos mit einstreut.

00:07:49: Die Worte zu finden, ist gar nicht so einfach.

00:07:51: Ja, absolut.

00:07:52: Also das ist ja auch etwas, was ich mit meinen Coachees immer bespreche.

00:07:56: Vorbereitung ist das A und O und natürlich spielt in deinem Fall

00:08:00: Erfahrung eine riesige Rolle.

00:08:03: Und davon hast du ja eine ganze Menge.

00:08:05: Sag mal, gibt es bei dir auch Rituale unmittelbar vor einer Schalte?

00:08:09: Also bei einer Live-Schalte ist jetzt was anderes.

00:08:12: Bei Sky Sport mache ich das natürlich bei den News.

00:08:15: Die heißen übrigens nicht mehr HD.

00:08:17: Das ist ja jetzt, weiß ich nicht, die müssen wahrscheinlich 4K heißen.

00:08:21: Aber ja, na klar, Sky Sport News.

00:08:24: Aber Rituale in dem Sinne manchmal.

00:08:26: Also wichtig ist einfach diese Konzentrationsphase und man ist dann

00:08:30: verbunden schon mit dem Schaltraum in München.

00:08:34: Man hat das laufende Programm auf dem Ohr und man kriegt immer die

00:08:37: Ansagen vom Regisseur.

00:08:39: In 2 Minuten, in 30 Sekunden und du bist gleich drauf.

00:08:43: Und dann ist da eigentlich nur noch eine Phase der Konzentration

00:08:47: oder noch mal durchgehen.

00:08:48: Hey, was haben wir vorher da besprochen?

00:08:50: Was für Fragen wir beantworten und was auf mich zukommt.

00:08:55: Aber das habe ich dann eigentlich mehr oder weniger im Kopf und manchmal auch

00:08:59: einen kleinen Spickzettel in der Hand.

00:09:01: Wenn ich mehrere Namen habe, die vielleicht auch kompliziert sind oder

00:09:05: die ich nicht so oft nenne, dann Da habe ich wirklich, wie man so

00:09:09: einen kleinen Spickzettel in der Hand hat, wo dann diese Namen noch mal draufstehen.

00:09:14: Als, ja, wie nennt man das denn, als Sicherheit für mich selber.

00:09:18: Absolut. Ja.

00:09:19: Gibt es denn irgendwie Nervosität bei dir noch, bei so einem alten Hasen, wenn

00:09:23: ich das so sagen darf, wie bei dir? Und was machst du dagegen?

00:09:27: Tief atmen. Das ist das Beste, was man machen kann.

00:09:30: Tief ein- und ausatmen.

00:09:31: Ich glaube, das macht jeder Manager, der vor seiner Belegschaft redet, auch.

00:09:36: Dass man sich dann noch mal versucht zu sammeln, die Hand auf den Bauch legen.

00:09:40: Das ist auch nicht unwichtig, weil das habe ich in

00:09:43: verschiedenen Schulungen mal gelernt, also gerade auch für Sprachtraining,

00:09:48: dass man darauf achtet, die Bauchatmung auch zu intensivieren und nicht nur aus

00:09:53: dem Hals zu sprechen, sondern aus dem Bauch heraus, weil die

00:09:56: Stimme dann tiefer ist.

00:09:57: Aber dann ist man auch ein bisschen entspannter.

00:09:58: Aber das ist mehr oder weniger so ein Ritual.

00:10:01: Die Nervosität, die ist immer noch ein bisschen da.

00:10:04: Ein bisschen größer ist sie dann, wenn ich irgendwo bin, wo ich ganz selten bin.

00:10:09: Da, wo ich öfter bin, ist es mehr Routine.

00:10:11: Aber auch da dann leichte Nervosität, bevor es

00:10:14: dann direkt losgeht, ist immer da.

00:10:16: Ist aber muss auch da sein.

00:10:17: Ja, und die darf auch da sein, finde ich auch.

00:10:19: Also das begeistert uns ein Stück weit.

00:10:23: Das erweckt auch die Geister, die Lebensgeister.

00:10:26: Wenn wir etwas aufgeregt sind, so schlimm ist das ja nicht.

00:10:28: Es darf nur nicht zu extrem werden.

00:10:30: Du hast jetzt schon unseren Führungskräften einen Tipp

00:10:34: gegeben, den mit dem Atmen.

00:10:36: Das ist ganz gut, wenn Führungskräfte nämlich auch zum Beispiel bei

00:10:40: Vorstandspräsentationen auftreten müssen oder Pressekonferenzen oder einfach bei

00:10:45: einem Thema, das wirklich wichtig ist.

00:10:48: Da gibt es viele Fehler, die vielleicht passieren.

00:10:52: Welche Fehler siehst du denn da, wenn du das mal anschaust,

00:10:56: häufiger, die vielleicht ein TV-Reporter niemals machen Schwierig.

00:11:01: Ich bin bei solchen Präsentationen natürlich eher selten dabei.

00:11:04: Meist sind die Leute gut vorbereitet.

00:11:06: Man merkt natürlich schon, ob jemand jetzt gerne frei redet oder ob er sich an ein

00:11:12: Konzept hält und mehr oder weniger alles abliest.

00:11:15: Glaubwürdiger ist immer die freie Rede oder die gefühlt freie Rede.

00:11:19: Das ist eine richtig hohe Kunst, glaube ich, das hinzubekommen,

00:11:23: dass sich das so anhört, Als wäre es einem gerade eingefallen.

00:11:28: Und da gibt es auch bei den Reporter-Kollegen,

00:11:30: die Spielzusammenfassungen machen, ganz unterschiedliche Ansätze.

00:11:35: Viele, die haben wirklich den Text komplett da stehen.

00:11:38: Aber die große Kunst ist es dann, das hört sich so an, als würden sie

00:11:41: es gerade live einsprechen.

00:11:43: Ja, das ist das Allerschwierigste.

00:11:45: Aber das auch, was am besten rüberkommt, authentisch ist und wo die Leute einfach

00:11:50: noch mehr eingenommen werden, als wenn man so das Gefühl hat, ach, der

00:11:54: liest das ja alles nur ab.

00:11:56: Ja, genau.

00:11:56: Abgelesen ist langweilig und da schalten wir auch ab, wir

00:12:00: Zuschauerinnen und Zuschauer.

00:12:01: Du hast unzählige Spielerinnen, Spieler, hauptsächlich Spieler muss man sagen,

00:12:05: jetzt in der Bundesliga sicherlich, Trainer und Verantwortliche

00:12:08: auch interviewt.

00:12:09: Was unterscheidet denn ein langweiliges von einem wirklich guten Interview,

00:12:13: Thomas, aus deiner Sicht?

00:12:15: Erst mal der Typ, mit dem man zu tun hat.

00:12:19: Also derjenige, der nach Interview macht, den großen Unterschied.

00:12:22: Es gibt halt viele Spieler, die es einfach nicht gewohnt sind, vielleicht weil sie

00:12:26: auch nicht genügend trainiert sind, vor ein Mikrofon zu treten, weil bei vielen

00:12:30: Vereinen sind es immer dieselben, die kommen aus gutem Grund, weil da weiß der

00:12:33: Verein, hey, die reden jetzt keinen Unsinn und die verkaufen den Verein auch gut.

00:12:39: Aber es gibt natürlich eben auch noch diese Typen, mit denen es ganz

00:12:43: besonders viel Vergnügen macht.

00:12:45: Also zum Beispiel Jürgen Klopp war immer gut, weil es war

00:12:49: immer anders als ein normales Interview.

00:12:52: Julian Nagelsmann, der Bundestrainer, ist sehr viel anders als die meisten Trainer,

00:12:56: weil er ist unfassbar schnell im Kopf.

00:12:59: Da weiß man nie, was gerade rauskommt.

00:13:00: Ich habe mit ihm ja auch Deutsch- und auf Englisch Interviews gemacht und manchmal

00:13:04: kam er aus einem Spiel raus, wo er gerade verloren hatte und sagte: Nee, lass uns

00:13:08: heute mal lieber Deutsch machen, weil mein Kopf arbeitet noch so sehr,

00:13:12: das jetzt auf Englisch auszudrücken.

00:13:14: Das gelingt mir so schnell nicht.

00:13:15: Aber das sind eben diese Typen, die ja vielleicht nicht so

00:13:20: dieser Mainstream sind.

00:13:21: Es gibt viele Trainer, die haben ihre Standardantworten, auch viele Spieler.

00:13:26: Und die, die das ein bisschen anders angehen.

00:13:27: Thomas Müller zum Beispiel, für jeden Interviewer ein einziges Vergnügen, weil

00:13:32: der dreht das Interview auch schon mal um.

00:13:34: Der hat mich bei so einem Media Day zum Beispiel auch mal

00:13:38: umgekehrt dann interviewt und hat gesagt, ja, jetzt interviewe ich Sie einfach mal.

00:13:42: Witzig. Super.

00:13:44: Weil er so drauf ist.

00:13:45: Und das macht vielleicht einer von 1000 gerade in dem Fußballbereich.

00:13:49: Ja, genau.

00:13:50: Also das ist ja auch etwas, was viele Fans und viele Zuschauer und Zuschauerinnen

00:13:54: auch beklagen, dass viele Sportprofis auch zu glatt gebügelt

00:13:59: sind bei den Antworten und bei den Interviews und da keiner

00:14:02: mehr so was raushaut. Ja, so was.

00:14:05: Das liegt aber auch an der Unsicherheit bei vielen, dass sie einfach: Hey,

00:14:09: ich will hier nichts Falsches sagen.

00:14:10: Und mache dann halt so die Standardantworten.

00:14:13: Machen auch unter uns gesagt dann viele Trainer, wenn sie sich nicht so ganz

00:14:17: sicher sind und die, die richtig überzeugend sind.

00:14:21: Ich finde, ich kann als Interviewer dann auch einschätzen, wie kommt jemand bei

00:14:24: einer Mannschaft an, auch durch das Auftreten vor dem Mikrofon

00:14:29: oder auch auf einer Pressekonferenz.

00:14:31: Da habe ich ja sehr viele unterschiedliche Typen und Charaktere

00:14:35: gesehen und kennengelernt.

00:14:36: Und es gibt halt die ganz souveränen, denen kann man überhaupt nichts vormachen.

00:14:40: Die stören auch keine Fragen.

00:14:43: Bestes Beispiel ist Vincent Kompany bei Bayern München, der diesen Verein ja so

00:14:47: sympathisch macht, dass er selbst die Bayern gar nicht mögen.

00:14:51: Plötzlich die Bayern gut finden, weil der das einfach so souverän macht und der

00:14:57: ein besonderes Talent hat, auch Fragen, die vielleicht mit dem

00:15:00: Fußball jetzt nichts zu tun haben, was andere Trainer, die andere Trainer

00:15:04: immer so beantwortet haben, total charmant vom Tisch zu wischen unter

00:15:08: dem Motto: Das ist jetzt aber gar nicht mein Thema und darüber werden

00:15:11: wir jetzt nicht sprechen.

00:15:12: Und lenkt wunderbar ab und ist schon beim nächsten Thema.

00:15:14: Das macht er großartig.

00:15:16: Ja, ein Vorbild. Absolut.

00:15:17: Er ist auch führungstechnisch, finde ich, ein Vorbild, weil er

00:15:21: auch sehr bescheiden ist.

00:15:23: Er ist ganz klar in seiner Aussage, aber sehr bescheiden.

00:15:27: Und das macht ihn super sympathisch.

00:15:29: Ja, das ist eben so bei Mourinho und solchen Trainern, die

00:15:34: halt vor Selbstbewusstsein nur so strotzen, hat man immer das Gefühl,

00:15:37: andere Meinungen lassen sie gar nicht zu.

00:15:39: Company gibt einem zumindest das Gefühl, er lässt eine andere Meinung zu,

00:15:43: hat aber dennoch sein eigenes Ding, was er durchzieht, und macht das einfach

00:15:47: souverän und charmant, ohne jemals arrogant zu wirken.

00:15:51: Große Kunst. Ja, absolut.

00:15:53: Und was ist dir denn schon mal passiert, Thomas, bevor wir jetzt gleich zur WM

00:15:57: kommen, was ja vielleicht auch viele unserer Hörerinnen und Hörer interessiert?

00:16:01: Was ist dir schon mal passiert, wo du überhaupt nicht drauf vorbereitet

00:16:04: warst in einer Interviewsituation?

00:16:06: Ja, dass ein Spieler nur mit Ja und Nein geantwortet hat, weil

00:16:10: ich falsch gefragt habe.

00:16:11: Ist jetzt über 30 Jahre her.

00:16:12: Jens Lehmann auf Schalke, große Krisensituation, und ich habe ihn halt

00:16:17: ständig mit irgendwelchen offenen Fragen da konfrontiert, und er hat

00:16:19: das einfach clever ausgenutzt.

00:16:21: Und ja, nein, bis ich dann irgendwann auf inwiefern und die Wie-Fragen umgeschaltet

00:16:26: habe, wo er dann nicht mehr mit Ja und Nein— aber das ist ein Beispiel,

00:16:31: was mir da so spontan einfällt. Ja, genau.

00:16:34: Also das lernen wir dann als Interviewer und Interviewerinnen, dass

00:16:38: geschlossene Fragen, du hast gesagt offene Fragen, aber du meintest wahrscheinlich

00:16:40: geschlossene Fragen, dass die nicht so sinnvoll sind.

00:16:44: Gerade wenn jemand auch maulfaul ist, dann kriegen wir da nicht viel raus.

00:16:47: Ja, genau, absolut.

00:16:48: Offene Fragen sollte man stellen.

00:16:50: Genau, genau, genau.

00:16:51: Ich versuche auch offene Fragen zu stellen.

00:16:53: Jetzt kommt aber noch mal eine andere Frage.

00:16:56: Du hattest es so ein bisschen angekündigt auch schon, ja, dass es gibt sehr

00:16:59: souveräne Menschen vor der Kamera, die wirft nichts um.

00:17:02: Könntest du erkennen, auch aus deiner Erfahrung heraus, welche Spieler einmal

00:17:07: Trainer, Manager oder sogar Funktionäre werden könnten, allein

00:17:10: durch ihre Kommunikation?

00:17:12: Ja, ich denke schon.

00:17:13: Also zumindest wer das Talent dazu hat, auch vor einer Mannschaft Respekt

00:17:18: dann später zu haben, der durch seine Kompetenz auch Dinge zu erklären

00:17:24: und auch begreifbar zu machen in Interviews nach dem Spiel,

00:17:27: jetzt nicht einfach nur sagen, ja, in der ersten Halbzeit haben wir nur

00:17:32: hinten drin gestanden und in der zweiten Halbzeit haben wir weiter

00:17:34: nach vorne gespielt.

00:17:36: Das ist jetzt ein bisschen zu wenig, aber es gibt tatsächlich auch

00:17:39: Spieler, denen man schon anmerkt, dass sie zumindest im Trainer- oder auch

00:17:43: Managerberuf durchaus tätig werden können und die einfach das

00:17:48: Talent schon mitbringen.

00:17:49: Nicht jeder, der das Talent hat, kann es dann auch umsetzen, weil das ist schon

00:17:53: eine recht komplexe Aufgabe, gerade da als Trainer zu arbeiten.

00:17:57: Aber unterm Strich sieht man das dann schon.

00:18:00: Gibt es einen Spieler oder Trainer, bei dem du dachtest, der Raum gehört ihm,

00:18:04: sobald er ihn betritt? Jetzt mal abgesehen von Vincent Kompany.

00:18:07: Ja, Jürgen Klopp. Ja, genau.

00:18:09: Ganz weit vorne.

00:18:10: Das ist derjenige, der einen ganzen Verein in Dortmund, als er dorthin kam,

00:18:15: umgekrempelt hat in einer Art und Weise, das habe ich noch nicht erlebt.

00:18:19: Das ist so unfassbar.

00:18:20: Der hat Leute, die vorher nie gelacht haben, die waren nachher fröhlich.

00:18:24: Und der hat, ich glaube, die

00:18:27: Menschen im Verein, und zwar alle, nicht nur die Spieler,

00:18:30: sondern alle auf der Geschäftsstelle, hat er eingenommen in einer Art und Weise,

00:18:36: die ihn eben da wirklich auch außergewöhnlich macht.

00:18:39: Auch so nett, das ist so dieses Kumpelhafte.

00:18:41: Ich nehme dich jetzt mal in den Arm und leg den Arm um deine Schulter

00:18:45: und ich nehme dich mal mit. Wir machen das schon.

00:18:47: Okay.

00:18:48: Und das hat wirklich in diesem Umfang niemand Vergleichbares.

00:18:53: Also Ottmar Hitzfeld hatte eine ähnliche Qualität, Leute mitzunehmen, aber

00:18:58: nicht so, so hauruckmäßig.

00:19:00: Der ist dann wirklich so, dass er alle mitnimmt.

00:19:04: Thomas Müller zum Beispiel auch, der ist jetzt noch kein Trainer,

00:19:06: der könnte aber mal werden.

00:19:08: Der nimmt die Leute auch auf seine Art mit und ist charmant, und

00:19:11: die Leute folgen ihm.

00:19:12: Also viele Trainer wollen ja, hey, die Mannschaft geht für mich durchs Wasser

00:19:16: oder übers Wasser oder was auch immer.

00:19:18: Bei Klopp haben die das wirklich gemacht.

00:19:20: Der hat sie überzeugt mit dem, was er mitgebracht hat an Wissen.

00:19:25: Also Mats Hummels hat mir irgendwann in einem Interview mal erzählt,

00:19:28: der Trainer hat denen am Anfang irgendwas an Trainingsform im Training vorgestellt.

00:19:33: Das haben sie dann gemacht, alle gezweifelt.

00:19:35: Und als sie dann gemerkt haben, im Spiel, das funktioniert, danach konnte er denen

00:19:40: alles erklären und die haben es geglaubt.

00:19:43: Und wo hat er aber auch mit Qualität, aber eben auch mit seiner Persönlichkeit

00:19:47: die Leute mitgenommen.

00:19:48: Und nicht ohne Grund ist er, egal wo er war, in Mainz, in Dortmund, in Liverpool,

00:19:54: ein Held, einer, den alle mögen.

00:19:56: Okay, kommt auch keiner dran vorbei.

00:19:58: Es gibt kaum jemand, der jetzt sagt, glaub, den mag ich nicht,

00:20:02: weil der hat so eine Art.

00:20:03: Und wenn du ihn persönlich mal getroffen hast und wie er sich da verhält, der ist

00:20:08: nicht verstellt, der ist nicht falsch, der ist nicht irgendwo so abgezockt, dass er

00:20:13: sagt, ich nutze das jetzt mal hier aus.

00:20:15: Nee, der ist so, wie er ist. Toll.

00:20:17: Was noch mal, allererste Begegnung Bielefelder Alm.

00:20:20: Ich musste fürs DSF damals als Reporter einspringen.

00:20:23: Da kannte ich ihn noch gar nicht. Da war er gerade Trainer in Mainz.

00:20:26: Und dann habe ich mich nur kurz vorgestellt.

00:20:28: Hallo, ich bin Thomas Mörs und ich würde mich kurz vorstellen wollen, weil ich

00:20:33: mache heute hier die Interviews nach dem Spiel.

00:20:35: Da guckt er mich an, als würde er mich in den Arm nehmen und

00:20:37: sagt: Ja, dann willkommen in Bielefeld. Schön.

00:20:40: Bäm.

00:20:41: Toll.

00:20:42: Ja, also würdest du sagen, dass ein Stück weit natürlich positive Einstellung, das

00:20:47: ist klar, ein Stück weit auch Empathie Fähigkeit eine Rolle spielt.

00:20:53: Und natürlich auch das Fachwissen muss natürlich auch da sein, das ist klar.

00:20:56: Nicht nur ein Stück weit.

00:20:57: Die Empathie ist wahrscheinlich noch wichtiger als das Fachwissen.

00:21:00: Das Fachwissen haben viele, die in ihrer eigenen Sprache alles

00:21:03: erklären können und die vielleicht irgendwelche Vorstände damit

00:21:08: auch beeindrucken können, dass sie sehr viel Fachwissen haben.

00:21:11: Aber die Empathie, das ist halt das Bonusprogramm.

00:21:15: Was der wirklich gute und erfolgreiche Trainer meiner Meinung nach haben muss.

00:21:20: Das ist spannend.

00:21:20: Ich habe heute erst im Handelsblatt einen Artikel, ein Interview gelesen,

00:21:24: wo ein Forscher auch behauptet und auch nachgewiesen hat, dass

00:21:30: Unternehmen Milliarden verlieren durch fehlende Empathiefähigkeit

00:21:33: ihrer Führungskräfte.

00:21:34: Also das glaube ich, kann man so auch im täglichen Alltag auch erleben.

00:21:40: Wenn die Leute nicht empathiefähig sind, dann verlieren sie das Vertrauen ihrer

00:21:44: Mannschaft und dann wird auch nicht mehr das geleistet.

00:21:46: Und das sieht man natürlich im im Sport besonders gut, weil da ist Leistung,

00:21:49: wirklich körperliche Leistung, das A und O auch,

00:21:53: dass die Leute bereit sind, die Spieler bereit sind, das zu leisten,

00:21:56: auch für den Trainer.

00:21:58: Ja, nicht nur auch, sondern nicht nur, sondern auch.

00:22:02: Das ist tatsächlich sehr, sehr wichtig unterm Strich, dass man nicht nur

00:22:08: Fachwissen hat, sondern mit der Empathie die Leute eben direkt

00:22:12: auf den Punkt erreicht.

00:22:14: Und das merken Spieler, das merken auch wahrscheinlich die Mitarbeiter, wenn

00:22:18: der Chef vorne spricht, ob da jemand empathisch ist oder eben

00:22:24: einfach nur seinen Job macht.

00:22:25: Und es wird in Zeiten von KI und künstlicher Intelligenz und

00:22:29: Automatisierung und so weiter, wird das, denke ich, immer wichtiger, auch dass der

00:22:32: menschliche Faktor herausgehoben wird.

00:22:35: Thomas, in wenigen Tagen, also morgen, beginnt die Weltmeisterschaft in den USA.

00:22:40: Worauf freust du dich denn persönlich am allermeisten?

00:22:42: Bei einer WM eigentlich immer auf die vielen

00:22:46: neuen und unbekannten Mannschaften und Spieler, die man so

00:22:50: gar nicht kennt, aus exotischen Ländern.

00:22:52: Das ist interessant, wer sich da vielleicht besonders

00:22:56: hervortut, den man jetzt überhaupt noch gar nicht kennt.

00:22:59: Darauf freut man sich.

00:23:01: Ich, Freude ist vielleicht das falsche Wort, aber ich bin gespannt auf die neuen

00:23:05: Regeln, die die Schiedsrichter umsetzen sollen mit der Option, da weniger

00:23:10: Zeitspiel aufkommen zu lassen, dass schneller ausgewechselt werden muss,

00:23:14: dass Abstöße schneller ausgeführt werden müssen und so weiter.

00:23:17: Darauf bin ich auch gespannt.

00:23:19: Und natürlich auch, wie sich die deutsche Mannschaft dort schlagen wird nach den

00:23:23: letzten, ja, etwas schwachen Turnieren.

00:23:26: Die Euphorie ist ja vorher da auch groß gewesen.

00:23:29: Jetzt ist die Erwartungshaltung wie immer hoch.

00:23:32: Aber nach den Turnieren, die zuletzt nicht so gut verlaufen sind,

00:23:37: ist, glaube ich, immer noch sehr viel Skepsis und

00:23:39: Da muss die deutsche Mannschaft schon die Fans erstmal erobern und hat nicht

00:23:44: diesen Bonus wie vielleicht früher, dass sie sagen, ja, die machen das schon, das

00:23:47: ist eine Turniermannschaft und so weiter.

00:23:49: Nee, die müssen die Leute tatsächlich begeistern und idealerweise

00:23:53: auch noch mit gutem Fußball. Ja, das wäre schön.

00:23:55: Ja, wer sind denn deine Favoriten, wenn nicht Deutschland?

00:23:59: Da schließe ich mich wahrscheinlich in die Reihe von vielen Experten an, die noch

00:24:02: viel mehr Ahnung haben als ich, aber Frankreich, Spanien,

00:24:06: sind auf jeden Fall Favoriten.

00:24:07: England, so eine Art Geheimfavorit, aber ich glaube nicht, dass sie

00:24:11: richtig weit kommen.

00:24:12: Argentinien wird sicherlich eine Rolle spielen und Portugal ist auch sehr stark.

00:24:17: Also alles Mannschaften, die ich jetzt vom Gefühl her höher einschätze

00:24:21: als die deutsche Mannschaft.

00:24:24: Aber in so einem Turnier entwickeln sich manchmal auch Mechanismen,

00:24:28: die man vorher gar nicht beurteilen kann, sondern Da sieht man erst im Turnier, ob

00:24:33: dann eine Mannschaft auf dem Platz steht oder ob da einfach nur ein

00:24:36: zusammengewürfelter Haufen ist.

00:24:37: Und das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt.

00:24:41: Man kann noch so viele tolle Spieler haben, hat ja auch Paris Saint-Germain

00:24:44: letztens bewiesen, die in den letzten 2 Jahren die Champions

00:24:47: League gewonnen haben.

00:24:47: Aber erst nachdem Neymar, Messi und Mbappé weg sind, können sie als Mannschaft

00:24:53: auftreten und nicht mit Einzelspielern.

00:24:55: Das ist ein großer, großer Punkt, den du da ansprichst.

00:24:59: Er ist auch natürlich in Unternehmen wichtig.

00:25:01: Gibt es wieder eine Parallele auch zum Sport, zum Profisport, weil du

00:25:06: gerade gesagt hast einzelne Spieler.

00:25:08: Also ich kann mich erinnern an die WM 2014, da hieß das ganz groß:

00:25:12: Wir sind die Mannschaft.

00:25:13: Das wurde da ganz groß in den Mittelpunkt gestellt und man hat andere Vereine

00:25:18: gesehen, die tatsächlich nur ihre einzelnen Spieler da

00:25:21: in den Vordergrund gestellt hatten.

00:25:24: Und Deutschland war da wirklich vorn mit dabei, mit dem Team.

00:25:28: Also wirklich als Team haben die das gerockt damals.

00:25:31: Naja, schauen wir mal.

00:25:33: Der Begriff Mannschaft kam ja nicht so gut an bei den Fans, dieser künstliche

00:25:37: Begriff, die Mannschaft.

00:25:39: Aber eigentlich ist der Hintergrund schon richtig.

00:25:41: Man müsste es einfach nennen das Team oder der Teamgeist, der da das

00:25:44: ausschlaggebende Element war.

00:25:47: Deutschland war da nicht in allen Spielen unbedingt besser, aber mit Mentalität und

00:25:50: Teamgeist kann man eben auch Qualität, die andere vielleicht in

00:25:54: Einzelspielern haben, ausgleichen.

00:25:56: Und so kann eben auch eine Mannschaft, die vielleicht nicht unterm Strich

00:25:59: die beste ist, am Ende gewinnen.

00:26:01: Es wird spannend, auf jeden Fall.

00:26:03: Welche Spieler sollten wir noch im Auge behalten, Thomas?

00:26:07: Ja, das habe ich ja gerade angedeutet.

00:26:08: Es wird sicherlich Spieler geben, die man jetzt noch gar nicht im Auge hat.

00:26:12: Das ist ja eher die Empfehlung: Augen auf und schauen, wer sich da

00:26:18: vielleicht hervortut, den man noch so gar nicht auf dem Schirm hat.

00:26:21: Das ist eigentlich viel interessanter, als jetzt zu sagen: Ja, da spielt der Ronaldo

00:26:25: mit, da ist der Neymar wahrscheinlich dabei.

00:26:28: Da ist bei den Deutschen Florian Wirtz dabei.

00:26:31: Klar sind das Spieler, die alle unfassbar hohe Qualitäten haben.

00:26:34: Aber spannender ist eigentlich zu gucken, wer tut sich da hervor

00:26:38: bei dieser Weltmeisterschaft, der vorher vielleicht gar nicht so

00:26:42: groß auf dem Schirm war. Das finde ich viel interessanter.

00:26:45: Ja, wir werden sehen. Wir sind sehr gespannt.

00:26:47: Wenn du mal an die großen Persönlichkeiten vergangener Weltmeisterschaften denkst,

00:26:52: was unterscheidet die Spieler da?

00:26:54: nicht nur sportlich, sondern auch kommunikativ die gut in

00:26:58: Erinnerung geblieben sind?

00:27:00: Ja, spontan fällt mir da ein hier Schweinsteiger, Podolski, die seit 2006

00:27:05: einfach mit ihrer sympathischen, offenen und auch authentischen Art die Leute

00:27:10: positiv eingenommen haben.

00:27:12: Das ist einfach ja keine Qualität, die man sich aneignen kann.

00:27:16: Das mögen aber die Leute, das kommt gut an, und mit dieser erfrischenden offenen

00:27:21: Art kann man eben viele, viele Leute einfach gewinnen, für sich einnehmen,

00:27:27: nicht nur sportlich, sondern auch kommunikativ.

00:27:30: Und ja, viele von den anderen Spielern, die gar nicht so kommunikativ sind, die

00:27:34: werden wir auch wahrscheinlich vor den Mikrofonen gar nicht oder kaum sehen.

00:27:38: Jetzt im Vorfeld der Weltmeisterschaft tauchen sie schon mal auf

00:27:41: Pressekonferenzen auf, aber ja, da ist es dann tatsächlich

00:27:44: journalistisch eher eine Herausforderung, da irgendetwas draus zu machen, wenn die

00:27:50: Antworten so, ja, aus der Schublade kommen und eigentlich gar keinen

00:27:54: richtigen Pfiff haben.

00:27:55: Früher hatten ja Journalisten eine Art Gatekeeper-Funktion, hihi,

00:27:59: kleines Wortspiel hier.

00:28:01: Heute kann aber jeder Spieler seine Botschaft auch direkt über

00:28:04: Social Media verbreiten.

00:28:06: Was hat das dann für eine Auswirkung auf den Sportjournalismus?

00:28:10: Ist das jetzt leichter oder schwieriger geworden für euch?

00:28:13: Im Grunde ja viel schwieriger, weil man muss ja nicht nur die üblichen

00:28:19: Zeitungen in Anführungszeichen, Online-Medien im Auge behalten, sondern

00:28:22: auch quasi noch die Social-Media-Accounts von Tausenden von

00:28:27: Spielern, von Trainern und so weiter.

00:28:29: Das ist halt ein unfassbarer Aufwand.

00:28:32: Und was mir eher auffällt, ist, das soll jetzt keine Kollegen-Schelte sein, aber

00:28:37: dass es einfach nicht mehr richtig recherchiert wird, weil es so viel eine

00:28:41: Flut von Informationen gibt, dass manche Sachen einfach weitergegeben werden, die

00:28:45: irgendwo auf Social Media behauptet werden, die definitiv falsch sind und wo

00:28:51: man, so wie wir Journalismus eben gelernt haben, zumindest noch mal

00:28:55: nachfragt: Stimmt das überhaupt?

00:28:58: Und verbreitet es nicht einfach weiter.

00:29:00: Und das ist eher sehr gefährlich.

00:29:02: Und bei gerade bei den Social-Media-Accounts

00:29:06: die nicht von den Spielern selbst stammen, was da alles rumgeht, was da

00:29:09: möglicherweise an Informationen, die falsch sind, in die Öffentlichkeit gerät,

00:29:14: wo dann wieder gegengerudert werden muss.

00:29:17: Ja, von Spieler- und Trainerseite, dass man sagt, hey, ich muss das mal

00:29:21: richtigstellen, das stimmt alles gar nicht.

00:29:23: Sie haben mehr Möglichkeiten, klar, ihre Botschaft rüberzubringen.

00:29:27: Aber auch das ist wieder eine Mentalitätssache.

00:29:29: Der eine tut es mehr, der andere weniger.

00:29:31: Und die allerwenigsten machen das ja selber, sondern das wird ja für sie mehr

00:29:35: oder weniger im Hintergrund gemacht.

00:29:37: Und vielleicht gucken sie dann noch mal drüber und die richtig authentischen

00:29:41: Botschaften bleiben dann natürlich auch auf der Strecke, weil es auch

00:29:44: alles ein bisschen reinrushed. Ja, verstanden.

00:29:48: Macht alles schon sehr viel schwieriger, weil es einfach unfassbar

00:29:52: viel Zeit braucht, um das alles zu konsumieren.

00:29:56: Und manchmal wird man auch überrascht und hat eine Nachricht gar nicht mitbekommen,

00:30:00: weil es einfach zu viele sind. Ja, auf zu vielen Kanälen dann auch.

00:30:03: Ja, absolut.

00:30:04: Ja, verstehe.

00:30:06: Lieber Thomas, es war wirklich eine Freude, mit dir zu sprechen.

00:30:09: Wir sind schon fast am Ende, aber eine Frage möchte ich gerne noch stellen.

00:30:11: Du hast wirklich über viele Jahrzehnte Spitzensport begleitet.

00:30:15: Wenn du jetzt junge Menschen heute siehst und denen einen Rat geben solltest,

00:30:21: wie sie beruflich noch mehr sichtbar werden könnten, egal im Sport, im

00:30:25: Management oder auf der Bühne, welcher wäre das?

00:30:28: Da gibt es eigentlich seit Jahrzehnten nur den einen

00:30:32: wirklich guten Rat: Hartnäckig bleiben, dranbleiben

00:30:36: und sich auch durch Rückschläge da nicht beirren zu lassen, sondern einfach

00:30:39: sein Ding durchzuziehen, was man will.

00:30:42: Ich kenne Leute, die haben sich mal um ein Praktikum beworben, sind abgelehnt worden

00:30:47: und haben dann irgendwie, als sie zum achten Mal nachgehakt haben,

00:30:51: irgendwie eine Antwort dann bekommen.

00:30:53: Und er lud dann: Komm einfach.

00:30:55: Aber wenn man nicht so hartnäckig bleibt, dann wird einem diese

00:30:58: Chance vielleicht verwehrt.

00:30:59: Das ist etwas, was man, glaube ich, für einen beruflichen

00:31:02: Werdegang, egal wo man ist, immer mitnehmen sollte,

00:31:05: dass man sein Ding durchzieht und sich da auch nicht zu sehr verstellen

00:31:09: muss oder verstellen lässt von Leuten, die meinen, man müsste so und so sein.

00:31:14: Authentisch bleiben und hartnäckig bleiben.

00:31:17: Das ist ein wunderschönes Abschlusswort, Thomas.

00:31:19: Ich danke dir ganz herzlich.

00:31:20: Es hat mich so gefreut, dass wir es heute geschafft haben, miteinander zu sprechen

00:31:25: und sehr wertvolle Einblicke in in deine Expertise, in deinen Sportjournalismus.

00:31:30: Und ja, ich freue mich sehr auf die WM.

00:31:33: Wir schauen mal, wie weit wir kommen.

00:31:35: Und ich wünsche dir alles, alles Gute für deine Zukunft und noch viele schöne

00:31:38: weitere interessante Interviews.

00:31:41: Danke dir. Vielen Dank auch.

00:31:47: Das war's für dieses Mal, professionell auftreten.

00:31:51: Jetzt hast du bestimmt noch noch mehr Freude bei deinen

00:31:54: kommenden Präsentationen.

00:31:56: Weitere Informationen zum Podcast und die Shownotes findest du auch auf

00:32:00: meiner Webseite pitts-coaching. de.

00:32:04: Schau doch mal rein.

00:32:06: Danke und bis bald, deine Silvia B. Pitts.

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