#68 Sprichst du noch oder wirst du schon verstanden?
Shownotes
Warum entscheiden oft Sekunden darüber, ob dir jemand wirklich zuhört?
In dieser Folge dreht sich alles um die oft unterschätzte Wirkung deiner Aussprache. Du erfährst, warum deine Stimme und deine Artikulation darüber entscheiden, wie kompetent, sympathisch und klar du wahrgenommen wirst – häufig schon in den ersten Sekunden eines Gesprächs.
Für mehr Klarheit, Präsenz und Wirkung in deiner Kommunikation.
Shownotes:
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00:00:04: (Musik) Herzlich willkommen zu "Professionell auftreten", dein
00:00:07: Podcast für die gelungene Präsentation.
00:00:10: Souverän, glaubwürdig und begeisternd auftreten, deine Botschaft
00:00:14: zielsicher anbringen.
00:00:16: Mit Leichtigkeit Lampenfieber, kritische Fragen und andere Stolpersteine
00:00:21: überwinden, darum gehts. Ich bin Silvia B.
00:00:24: Pitz und freue mich auf dich. Herzlich willkommen!
00:00:31: Vermutlich kennst du auch die im monotonen schwäbischen Dialekt gesprochene
00:00:38: Müsli-Werbung, in der der Markenname gefühlt 100-mal genannt wird.
00:00:45: Oder den Spruch: „Wir können alles außer Hochdeutsch."
00:00:49: Das kann man so machen, allerdings hat unsere Sprache, insbesondere unsere
00:00:54: Aussprache, eine enorme Bedeutung in der Kommunikation, die oft
00:00:59: massiv unterschätzt wird.
00:01:01: Deshalb widme ich diese und vermutlich auch noch weitere Folgen meines Podcasts
00:01:06: „Professionell auftreten" genau diesem Thema: der Aussprache und
00:01:12: allem, was dazugehört.
00:01:14: Herzlich willkommen zur Folge 68: Sprichst du noch oder wirst du schon verstanden?
00:01:22: Die meisten von uns denken bei Kommunikation vermutlich
00:01:24: zuerst an Inhalte.
00:01:27: Welche Argumente sind überzeugend?
00:01:29: Welche Botschaften möchte ich vermitteln?
00:01:32: Wie bringe ich meine Gedanken auf den Punkt?
00:01:36: Ja, das ist natürlich wichtig und auch logisch sehr relevant.
00:01:40: Dabei gerät aber ein entscheidender Faktor häufig in den Hintergrund:
00:01:45: die Art und Weise, wie gesprochen wird.
00:01:49: Sprache ist nicht nur ein Transportmittel für Inhalte, sie ist
00:01:54: selbst Teil der Botschaft.
00:01:57: Es geht nicht nur darum, was du sagst, sondern wie du gehört wirst.
00:02:03: Wir betrachten in dieser Folge gleich zu Beginn erstens: eine gute Aufwärmübung für
00:02:09: deine Stimme, zweitens dann die Frage, warum die
00:02:13: Aussprache so wichtig ist, und drittens beschäftigen wir uns mit der Aussprache
00:02:19: der deutschen Sprache und einigen Besonderheiten dabei.
00:02:24: Ein sinnvoller Einstieg in dieses Thema beginnt nicht bei der Theorie,
00:02:28: sondern gleich bei der Praxis.
00:02:31: Die eigene Stimme ist dein Werkzeug.
00:02:34: Wie jedes Werkzeug funktioniert sie dann am besten, wenn sie vorbereitet ist.
00:02:40: Kein Sportler dieser Welt käme auf die Idee, ohne Aufwärmen aufzulaufen.
00:02:46: Auch die Operndiva trällert hinter der Bühne noch einige Singübungen,
00:02:51: bevor sich der Vorhang hebt.
00:02:54: Wir aber steigen meist direkt in Gespräche, Präsentationen oder Aufnahmen
00:02:59: ein, ohne uns darauf einzustimmen.
00:03:03: Die Auswirkungen sind hörbar: Krächzende Stimme, kaum Volumen, kein Wohlklang.
00:03:11: Außerdem ist die Artikulation ungenau und schlampig.
00:03:16: Vielleicht sogar unsere Körperhaltung.
00:03:19: Die Stimme wirkt wenig präsent, Worte werden verschluckt.
00:03:24: Ein kurzes Aufwärmen verändert genau das.
00:03:28: Eine einfache Übung verdeutlicht diesen Effekt sehr schnell: Sprich einmal laut:
00:03:35: Pfiffig pfeifen pfeffische Pferde, pflegend Pflüge pferchend Pfirsiche.
00:03:43: Du merkst, es braucht einige Anstrengung, besonders im Zwerchfell, um diese, ja
00:03:48: okay, eher sinnlosen Worte kraftvoll und laut auszusprechen.
00:03:54: Richtig!
00:03:55: Gutes, kraftvolles Sprechen braucht Energie.
00:03:59: Aber das spürt dein Gegenüber ja dann auch.
00:04:03: Wiederhole diese Übung ein zweites Mal, etwas schneller und mit mehr Energie.
00:04:09: Pfiffig pfeifen pfeffische Pferde pflegend Pflüge pferchend Pfirsiche (lacht).
00:04:16: Bereits nach wenigen Wiederholungen wird spürbar, dass sich etwas verändert.
00:04:22: Der Mund arbeitet aktiver, die Laute werden klarer,
00:04:27: die Sprache gewinnt an Präzision.
00:04:31: Diese Form der Vorbereitung aktiviert den gesamten Sprechapparat.
00:04:36: Diese paar Worte sind nur ein kleiner Ausschnitt aus Aufwärmübungen,
00:04:41: die ich dir sehr gern in den Shownotes zur Verfügung stelle.
00:04:47: Der nächste Schritt führt zu einer grundlegenden Frage: Zweitens: Warum ist
00:04:54: Aussprache überhaupt so entscheidend?
00:04:58: Viele Menschen sind überzeugt, sie würden ja ganz normal sprechen.
00:05:02: Diese Einschätzung ist klar nachvollziehbar, weil sie sich
00:05:05: auf die eigene Wahrnehmung stützt.
00:05:08: Gleichzeitig ist Sprache immer geprägt.
00:05:12: Von unserer Herkunft, vom Umfeld und von unseren Gewohnheiten.
00:05:18: Diese Prägung wirkt auf andere.
00:05:22: Stell dir eine Person vor, die dich am Telefon einer Service-Hotline mit
00:05:28: „Joden Tach, na, wie kann ick Ihnen helfen?" (spricht mit
00:05:30: Berliner Akzent) begrüßt.
00:05:32: Vielleicht amüsiert dich der leger freche Berliner Dialekt,
00:05:37: aber vermutlich regt sich auch ein wenig Zweifel, ob dieser kecke Berliner auch das
00:05:43: Wissen und den Willen hat, dir zu helfen.
00:05:46: Jeder, der in Berlin Bus fährt, weiß, wovon ich spreche.
00:05:50: Hier lohnt sich ein Blick auf die Wahrnehmung der Sprache.
00:05:54: Menschen hören ja nicht nur auf Inhalte.
00:05:57: Während des Zuhörens entsteht gleichzeitig eine Bewertung.
00:06:01: Und diese Bewertung erfolgt blitzschnell und weitestgehend unbewusst.
00:06:07: Bereits nach wenigen Sekunden bilden sich Eindrücke darüber, wie kompetent,
00:06:12: sympathisch oder vertrauenswürdig eine Person wirkt.
00:06:18: Forschungen zur Sprachwahrnehmung zeigen, dass unterschiedliche Sprechweisen
00:06:23: unterschiedlich bewertet werden.
00:06:26: Einige Akzente werden als angenehm oder sogar attraktiv wahrgenommen,
00:06:31: andere lösen eher Distanz aus.
00:06:34: Woran denkst du jetzt gerade?
00:06:37: Vielleicht wieder an die Müsli-Werbung oder an andere deutsche
00:06:41: Dialekte, die gern veräppelt werden?
00:06:44: (Spricht mit sächsischem Akzent) „Güdn Tach nachn Östen!" Aber keine Angst, meine
00:06:48: bayerische Mundart ist da auch dabei.
00:06:51: Dazu später mehr.
00:06:53: Denke bitte mal im Vergleich dazu an folgenden Satz (spricht mit französischem
00:06:56: Akzent): "Das kann isch so nischt machen".
00:07:01: Na?
00:07:02: Klingt charmant, oder?
00:07:04: Obwohl der Inhalt ja eher eine Ablehnung ist.
00:07:07: Diese Unterschiede haben häufig weniger mit der Sprache selbst zu tun, sondern
00:07:12: mit den Assoziationen, die bei uns im Kopf entstehen.
00:07:16: Das bedeutet: Aussprache beeinflusst nicht nur die Verständlichkeit, sie beeinflusst
00:07:23: auch, wie du als Person eingeordnet wirst.
00:07:27: Dazu gibt es auch interessante Forschungen.
00:07:31: Die sogenannte Soziophonologie, das Wort ist an sich schon ein
00:07:35: Zungenbrecher, oder besser gesagt eine phonetische Herausforderung.
00:07:40: Also, diese Forschung zeigt, dass wir Deutsche tatsächlich
00:07:45: den französischen Akzent gerne mögen.
00:07:49: Die Sprache wirkt mit ihrer Melodie, der Bindung zwischen den Worten und der
00:07:54: weichen Aussprache harmonisch und vielleicht sogar ein bisschen harmlos.
00:07:59: Ein weiterer Aspekt unserer Wahrnehmung und der Bewertung der Sprache ist
00:08:03: die Geschwindigkeit dieser Prozesse in unserem Gehirn.
00:08:08: Das Gehirn arbeitet mit sogenannten Heuristiken.
00:08:12: Dabei handelt es sich um mentale Abkürzungen, die schnellere
00:08:17: Einschätzungen ermöglichen.
00:08:19: Diese Mechanismen helfen uns im Alltag, Entscheidungen effizient zu treffen.
00:08:25: Im Kontext von Kommunikation können sie jedoch dazu führen,
00:08:29: dass vorschnelle Urteile entstehen.
00:08:33: Für die eigene Wirkung hat das eine ganz klare Konsequenz:
00:08:37: Je klarer und präziser deine Sprache ist, desto weniger Raum entsteht
00:08:42: für Fehlinterpretationen.
00:08:45: Verständlichkeit ist eben keine Nebensache, sie ist Wirkung!
00:08:50: Wir kommen zu Punkt 3: Aussprache der deutschen Sprache
00:08:54: und einige Besonderheiten.
00:08:57: Ein häufig unterschätzter Faktor sind hier die Vokale.
00:09:01: Vokale bestimmen den Klang einer Sprache maßgeblich.
00:09:05: Kleine Verschiebungen können hier große Auswirkungen haben.
00:09:09: Ein gedehntes E zum Beispiel, ein verschobenes A oder ein unsauber
00:09:14: gesprochenes I verändern die Verständlichkeit sofort.
00:09:20: Beispiele dafür lassen sich leicht finden, besonders in Bayern mit folgendem
00:09:24: Beispiel: Aus Olympia-Zentrum wird "Olympia-Zehntrum".
00:09:31: Wer hier U-Bahn fährt, weiß, wovon ich spreche.
00:09:34: Aus Frauen wird Frauen (r wird gerollt, e gehdent).
00:09:37: Das E wird zu sehr gedehnt oder sehr breit gesprochen.
00:09:43: Aus Antwort wird „Ontwort".
00:09:46: Das A sitzt hier viel zu weit vorne.
00:09:49: Mit gespitztem Mund.
00:09:50: Probiere es selber mal aus, es macht Spaß!
00:09:53: Aber auch die Nordlichter haben hier was zu bieten: Aus Fisch wird "Füsch".
00:09:59: Also aus dem I ein Ü.
00:10:01: Genauso wie bei Kirsche.
00:10:03: Die wird zur "Kürsche".
00:10:05: Solche Veränderungen wirken auf den ersten Blick harmlos, tatsächlich aber erhöhen
00:10:11: sie den Aufwand für den Zuhörer und die Zuhörerin.
00:10:15: Sobald Zuhören anstrengender wird, sinkt die Aufmerksamkeit.
00:10:20: Das passiert selten bewusst, die Wirkung ist aber dennoch deutlich:
00:10:25: Die Botschaft verliert an Klarheit.
00:10:28: Dialekte spielen in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle: Sie sind
00:10:32: natürlich auch Ausdruck von Identität.
00:10:35: Sie schaffen Nähe und können sehr sympathisch wirken.
00:10:39: Gleichzeitig zeigt sich in Studien, dass Dialekte je nach Kontext ganz
00:10:44: unterschiedlich bewertet werden.
00:10:47: Sobald mehr Informationen über eine Person vorhanden sind, verlieren solche
00:10:51: sprachlichen Merkmale an Bedeutung.
00:10:55: Im ersten Eindruck spielen Dialekt und Aussprache eine größere Rolle.
00:11:00: Hier entscheidet sich oft, wie der Mensch, wie gesagt, unbewusst eingeordnet wird:
00:11:05: als jemand, der kompetent, sympathisch und klar ist, oder als Landei,
00:11:11: das noch nie die große weite Welt gesehen hat.
00:11:14: Gerade in beruflichen Situationen ist dieser erste Eindruck entscheidend.
00:11:19: Ein Pitch, ein wichtiges Gespräch oder eine Präsentation bieten oft nur
00:11:23: wenig Zeit, um Wirkung zu entfalten.
00:11:27: Die Stimme und die Aussprache gehören zu den ersten Signalen,
00:11:30: die wahrgenommen werden.
00:11:33: Ein Beispiel, das auch durch die Gazetten ging, verdeutlicht diesen Zusammenhang:
00:11:38: Eine Frau wollte eine Reise nach Porto buchen.
00:11:42: Aufgrund der unklaren Aussprache wurde daraus eine Buchung nach Bordeaux.
00:11:48: Der Unterschied liegt nur in wenigen Lauten.
00:11:51: Die Konsequenz war in diesem Fall erheblich.
00:11:55: Dieses Beispiel zeigt ganz deutlich: Deine Aussprache ist kein Detail.
00:11:59: Sie entscheidet mit darüber, ob Inhalte korrekt verstanden werden.
00:12:04: Ein sinnvoller erster Schritt für dich besteht darin, die eigene
00:12:07: Sprache bewusst wahrzunehmen.
00:12:10: Ich sage es immer wieder in meinem Podcast: Nimm eine kurze Aufnahme mit dem
00:12:14: Smartphone auf und höre sie dir danach gleich mal an.
00:12:18: Beim Anhören zeigen sich oft Muster, die im Sprechen selbst nicht auffallen.
00:12:23: Vokale werden gedehnt, Silben werden verkürzt, Laute verschwimmen.
00:12:29: Sei bitte nicht gleich zu streng mit dir.
00:12:32: Viele meiner Coachees, die sich das erste Mal hören, sagen:
00:12:36: „Oh meine Güte, klinge ich wirklich so?" Ja, aber das ist ja nicht schlimm.
00:12:41: Du kannst hier noch einiges durch Üben verändern.
00:12:45: Bewusstsein ist hier wie immer die Voraussetzung für Veränderung.
00:12:50: Ein weiterer Gedanke ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig:
00:12:54: Wahrnehmung, Emotion und Interpretation sind eng miteinander verknüpft.
00:13:00: Menschen trennen diese Ebenen im Alltag kaum.
00:13:04: Das bedeutet: Wie du klingst, beeinflusst unmittelbar, wie deine
00:13:08: Aussage verstanden wird.
00:13:11: Deine Stimme und deine Aussprache transportieren daher immer mehr
00:13:14: als nur den Inhalt deiner Worte.
00:13:17: Sie vermittelt Haltung, Klarheit und Präsenz.
00:13:22: Wer klar spricht, wird klar wahrgenommen.
00:13:26: Zum Abschluss dieser Folge lassen sich drei zentrale Impulse festhalten.
00:13:31: Der erste Impuls: Bereite deine Stimme vor.
00:13:35: Ein kurzes Aufwärmen verändert deine Artikulation spürbar.
00:13:41: Der zweite Impuls: Achte auf deine Vokale!
00:13:45: Kleine Ungenauigkeiten können große Auswirkungen auf die
00:13:48: Verständlichkeit haben.
00:13:50: Und der dritte Impuls: Höre dir selbst zu!
00:13:54: Nur wer die eigene Sprache und Aussprache gut kennt, kann sie gezielt verändern.
00:14:01: Sprache wirkt.
00:14:03: Immer.
00:14:04: In unterschiedlichsten Facetten.
00:14:06: Je bewusster du sie einsetzt, desto stärker wird deine Wirkung.
00:14:11: Und das ist doch die gute Nachricht: Wir können viel dafür tun, dass wir
00:14:15: kompetent und überzeugend rüberkommen.
00:14:19: Zu diesem Thema gibt es übrigens auch den LinkedIn-Learning-Kurs „Sprechen wie ein
00:14:24: Profi", der schon weit über 50.000 User und Userinnen begeistert hat.
00:14:30: Link dazu findest du in den Shownotes.
00:14:33: Ich unterstütze dich auch gern persönlich dabei.
00:14:35: Melde dich einfach bei mir und wir vereinbaren einen
00:14:38: unverbindlichen Coaching-Call.
00:14:41: Für deine nächste Präsentation wünsche ich dir Klarheit, Präsenz und eine Sprache,
00:14:47: die deine Inhalte trägt, deine Silvia.
00:14:51: (Musik) Das wars für dieses Mal "Professionell auftreten".
00:14:59: Jetzt hast du bestimmt noch mehr Freude bei deinen kommenden Präsentationen.
00:15:04: Weitere Informationen zum Podcast und die Shownotes findest du auch auf
00:15:08: meiner Webseite pitz-coaching.
00:15:10: de.
00:15:12: Schau doch mal rein.
00:15:13: Danke und bis bald, deine Silvia B.
00:15:16: Pitz.
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