#67 Präsenz ohne Rampenlicht: Moderation als Machtfaktor

Shownotes

Wenn Gespräche gelingen, wirkt es leicht - doch oft steckt dahinter exzellente Moderation.

In Folge 67 von Professionell Auftreten spreche ich mit Moderator und Sparringspartner Frank Schmidt darüber, warum Moderation heute ein echter Machtfaktor in Organisationen ist. Wir schauen darauf, wie man Gespräche strukturiert, Stimmen verbindet und auch in komplexen Runden Klarheit schafft ohne selbst im Mittelpunkt stehen zu müssen.

Frank teilt seine Perspektive auf unterschiedliche Moderationsformate, gibt Einblicke in Vorbereitung, Präsenz und den Umgang mit schwierigen Gruppendynamiken. Außerdem sprechen wir darüber, wie Entscheidungen aus Diskussionen entstehen, was Führungskräfte von professioneller Moderation lernen können und welche Rolle KI und hybride Zusammenarbeit künftig spielen.

Eine Folge über Präsenz jenseits der Bühne und darüber, wie wir Gespräche wirksam gestalten.

Shownotes:

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00:00:04: (Musik) Herzlich willkommen zu "Professionell auftreten", dein

00:00:07: Podcast für die gelungene Präsentation.

00:00:10: Souverän, glaubwürdig und begeisternd auftreten, deine Botschaft

00:00:14: zielsicher anbringen.

00:00:16: Mit Leichtigkeit Lampenfieber, kritische Fragen und andere

00:00:20: Stolpersteine überwinden, darum gehts.

00:00:23: Ich bin Silvia B.

00:00:24: Pitz und freue mich auf dich, herzlich willkommen.

00:00:33: Manchmal entscheidet nicht der lauteste Beitrag über den Erfolg eines Gesprächs,

00:00:37: sondern die Person, die den Raum hält, die Struktur gibt, die Stimmen verbindet

00:00:45: und die dafür sorgt, dass echte Ergebnisse entstehen.

00:00:49: Mein heutiger Gesprächspartner weiß genau, wie das geht.

00:00:52: Frank Schmidt ist Moderator, Sparringspartner für Führungskräfte und

00:00:57: seit vielen Jahren in komplexen Unternehmenskontexten unterwegs.

00:01:02: Mit seinem technischen Hintergrund, viel, viel Praxiserfahrung und einem feinen

00:01:08: Gespür für Dynamiken, begleitet er Gruppen durch Diskussionen, Entscheidungen

00:01:14: und auch Veränderungsprozesse.

00:01:17: Wir sprechen heute darüber, was professionelle Moderation heute wirklich

00:01:21: bedeutet, warum Präsenz mehr ist als Bühnenwirkung und wie man auch in

00:01:26: anspruchsvollen Runden Klarheit schafft, ohne dominant zu sein.

00:01:31: Ganz herzlich willkommen bei Präsenz ohne Rampenlicht, Moderation als Machtfaktor

00:01:36: und ich habe einen mächtigen Moderator im Studio.

00:01:40: Lieber Frank Schmidt, schön, dass du heute Zeit hast für uns.

00:01:44: Das freut mich sehr. Hallo Silvia, ich grüße dich.

00:01:47: Schön, dass ich da sein darf. Freut mich sehr.

00:01:49: Na klar.

00:01:50: Du sag mal, also wir kennen uns schon ein paar Jährchen, wir haben einen gemeinsamen

00:01:55: Auftraggeber auch und moderieren da auch Netzwerkgruppen.

00:02:00: Du bist aber vor allen Dingen auch Moderator für Bühnenevents und so weiter.

00:02:06: Da werden wir überhaupt noch sprechen.

00:02:08: Das finde ich ja sehr spannend.

00:02:10: Sag mal, wie bist du denn überhaupt zu dem Thema Moderation gekommen?

00:02:14: Ja, so, wie sagt man, so wie das Kind zum, wie sagt man, da gibt es

00:02:19: so einen Spruch dafür? Jungfrau zum Kind.

00:02:21: Jungfrau zum Kinde, andersrum. (??

00:02:23: ) Jungfrau ist auch sehr angenehm.

00:02:26: Genau, wenn ich so zurückschaue, also Moderatoren im klassischen Sinne, so wie

00:02:31: man sie aus dem Fernsehen kennt, so der Frank Elstner, Thomas Gottschalk, das fand

00:02:36: ich immer schon als Kind, als Jugendlicher toll, weil die

00:02:42: was geschaffen haben, was aus meiner Sicht sehr viel mit Moderation zu tun hat.

00:02:47: Sie waren zwar irgendwo immer präsent, aber sie haben sich nie in den Vordergrund

00:02:50: gestellt und trotzdem haben sie extrem viel dazu beigetragen, durch ihre

00:02:56: Art, durch ihre Fragen, durch ihre Natur und Persönlichkeit, dass ihre

00:03:01: Sendungen so erfolgreich wurden, wie sie dann waren.

00:03:04: Und ich weiß nicht, ob sich das weiter vorangetragen hat in mir, aber im Rahmen

00:03:09: meiner beruflichen Laufbahn, ich bin ja auch nicht als Moderator angefangen, also

00:03:13: ich habe ein klassisches Maschinenbaustudium, also ich bin

00:03:15: Ingenieur von Hause aus, bin dann in die Industrie gegangen, war lange

00:03:19: Führungskraft in unterschiedlichen Positionen.

00:03:22: Und im Bereich der Führung ist Moderation ein immer wichtigeres

00:03:26: Thema aus meiner Sicht.

00:03:28: Und ich habe das auch in meiner damaligen beruflichen Arbeit schon gemerkt, dass das

00:03:32: ganze Thema der Moderation, Gruppen zu führen,

00:03:36: sich auch ein Stück weit, was als Führungskraft manchmal nicht so einfach

00:03:40: ist, sich ein bisschen zurückzunehmen, das in der Moderation einzubringen.

00:03:43: Und die Erfahrung, die ich gemacht habe, ist,

00:03:46: damals war ich da noch nicht professionell, aber ich habe mir

00:03:49: dann ein paar Dinge abgeguckt.

00:03:50: Ich habe natürlich auch andere Moderatoren mal eingeladen, um eine

00:03:54: externe Sicht zu haben.

00:03:56: Und das fand ich super spannend.

00:03:58: Das hat mich immer fasziniert, dass man, wenn man mit der Gruppe den richtigen

00:04:03: Raum, wie man so schön sagt, kreiert und den richtigen Mitteln unheimlich

00:04:08: Wirkung erzeugen kann.

00:04:09: Und zwar nicht auf Teufel kaum raus, nicht auf Direktive, nicht auf unbedingt laut,

00:04:16: sondern auch manchmal auf sehr subtilem Wege.

00:04:18: Und das hat mich- fasziniert mich bis heute.

00:04:21: Und die Anwendungsfälle sind in der Moderation, und das finde ich als sehr

00:04:24: vielseitigen Menschen sowieso sehr interessant, das kann von sehr kleinem

00:04:29: Raum mit einer sehr kleinen Gruppe gehen bis zu einem Großevent mit hunderten und

00:04:34: mehr Menschen, hat alles sehr unterschiedliche Charaktere.

00:04:38: Aber so breit ist Moderation und so breit lebe ich das auch.

00:04:41: Absolut, ja.

00:04:43: Also da müssen wir auch unterscheiden, du hast es gerade angesprochen, Frank,

00:04:47: zwischen grob gesagt drei unterschiedlichen Formaten.

00:04:51: Einmal gibt es ja auf der Bühne moderieren, was du ja auch häufig machst,

00:04:55: das ist die sogenannte Showmoderation, würde ich jetzt mal sagen.

00:04:58: Dann gibt es die Gespräche führen in einem Panel oder in einem Interview,

00:05:03: in einer Interviewsituation.

00:05:05: Das heißt also, man führt die Stimmen, man führt die Stimmen auch zusammen

00:05:09: oder Denken führen, also so Facilitation machen wir auch oft.

00:05:14: Das heißt, man führt Prozesse.

00:05:17: Was ist denn so dein Lieblingsthema?

00:05:20: Das ist eine schwierige Frage.

00:05:23: Es ist tatsächlich ambivalent.

00:05:25: Also im Sinne von wirklich Wirksamkeit, sind mir die Gruppenprozesse, also die

00:05:32: Fazilitation, wir sagen mal die Prozessmoderation, ich

00:05:35: glaube, das ist den meisten vom Sprachgebrauch etwas näher, also wo man

00:05:39: eher in kleineren Gruppen, in Workshop-Gruppen an Themen arbeitet, wie

00:05:42: Strategiearbeit, wie Innovationsarbeit etc..

00:05:45: Finde ich super interessant, weil in diesen kleineren Gruppen immer ganz viel

00:05:49: entsteht, weil da ganz viel Energie im Raum ist, weil sich da

00:05:52: auch ganz viel verändert.

00:05:54: Die Eventmoderation oder Bühnenmoderation, die du ansprichst, hat einen ganz anderen

00:05:58: Charakter, weil sie natürlich ein bisschen strukturierter ist.

00:06:02: Es läuft meistens an einer klar definierten Dramaturgie entlang.

00:06:06: Du bist in einer etwas anderen Verantwortung.

00:06:09: Das heißt, du führst natürlich durch den Tag oder durch diese

00:06:13: Dramaturgie durch, bist auch dafür verantwortlich, dass der rote Faden

00:06:16: überhaupt da ist und ja, bist als Gastgeber- dieser Begriff

00:06:21: finde ich sehr schön.

00:06:22: Der ist nicht von mir, sondern der ist von der Nicole Krieger, die

00:06:25: hat ein Buch dazu geschrieben.

00:06:26: Nicole Krieger hat mal auch als erfahrene Moderatorin die

00:06:31: Moderatorenschule Baden-Württemberg gegründet, an der ich auch war

00:06:35: in der Ausbildung.

00:06:36: Und die hat ein Buch geschrieben über die Gastgebermethoden.

00:06:38: Das hat mich damals auch schon fasziniert.

00:06:40: Und der Gastgeber oder die Gastgeberin, die sagt ja schon von

00:06:44: der Haltung her viel aus.

00:06:46: Also es ist normalerweise nicht jemand, der sich so stark in den Vordergrund

00:06:51: spielt, aber trotzdem seine Gäste einlädt und möchte, dass es den Gästen, sprich dem

00:06:55: Publikum oder deinen Gästen auf der Bühne oder im Raum, entsprechend gut

00:06:59: geht und dass da was entsteht.

00:07:01: Die Elemente sind anders, die moderatorischen Elemente sind anders

00:07:05: zwischen Bühne und Prozess oder Faszilitation.

00:07:09: Was sich aber durchaus so zusammenschweißt, sind drei Elemente.

00:07:13: Für mich ist Moderation so ein Dreiklang aus Haltung, Kunst und Handwerk.

00:07:21: Aha, wieso denn Kunst? Das ist interessant.

00:07:25: Kunst ist auf jeden Fall etwas, weil du viele Dinge nicht planen kannst.

00:07:32: Wenn du Moderatorin, Moderator bist, entsteht ganz, ganz viel plötzlich

00:07:37: auch, auf das du einwirken darfst.

00:07:39: Also es ist kein Berufsbild, wo man sagt, das ist jetzt stark reglementiert und

00:07:44: stark schrittweise und möglichst keine Veränderung, sondern es lebt ja

00:07:48: gerade von dieser Veränderung.

00:07:49: Es lebt auch von Stimmung, es lebt von Emotionen, von Beziehungsaufbau

00:07:53: und ganz, ganz vielen Dingen.

00:07:55: Und das aufzunehmen ist aus meiner Sicht eine Kunst.

00:07:58: Vielleicht manchmal auch eine Gabe, also das zu spielen, wahrzunehmen,

00:08:04: auch mit allen Sinnen wahrzunehmen und immer da zu sein.

00:08:07: Also du musst sehr präsent sein in so einer Moderation.

00:08:09: Von daher, wenn ich so einen Tag Moderation hinter mir hab, weiß nicht wie

00:08:13: es dir geht, da bin ich immer erst mal platt.

00:08:14: Absolut.

00:08:15: Weil da so viel an Energie geflossen ist in beide Richtungen, und

00:08:21: das ist sicherlich ein Kunstwerk oder eine Kunst.

00:08:24: Haltung ist es auf jeden Fall.

00:08:25: Wie ich schon sagte, dadurch, dass Moderation einfach, wir sagen heute so zu

00:08:30: Neudeutsch Mindset, also eine andere Einstellung erstmal bedeutet

00:08:34: im Sinne, dass du als Moderator aus meiner Sicht eher die

00:08:38: gastgebende Haltung hast, also eher die Aufgabe, den Raum zu bereiten, wie man so

00:08:44: schön sagt, den Gästen sozusagen auch, ja, den roten Teppich würde ich, sagt man so

00:08:50: in der Bühnenmoderation, aber es geht gar nicht so um den Teppich.

00:08:53: Es geht einfach darum- Oder um die Farbe des Teppichs.

00:08:56: Genau. Manchmal ist er auch nicht so rot.

00:08:59: Es geht auch darum, einfach etwas zu schaffen, wo sich die Leute wohlfühlen, wo

00:09:03: überhaupt eine gute Diskussion und ein Dialog entstehen kann.

00:09:06: Ich glaube, weil du mich auch eingangs gefragt hast, was fasziniert mich dabei?

00:09:11: Ich finde diese Dialogformate, also wo Menschen in Beziehung kommen und sich

00:09:15: austauschen, und Moderation ist ein Dialogformat und kein, sage

00:09:19: ich mal, Einbahnstraßenformat.

00:09:20: Moderation ist etwas, was mit Dialog zu tun hat, mit Verständnis und

00:09:24: mit aufeinander eingehen.

00:09:26: Und ja, das funktioniert nur, wenn du an Menschen Interesse hast, wenn

00:09:32: du die Menschen gern hast, wenn du fasziniert bist und so ein notorisch

00:09:36: neugieriger Mensch wie ich findet das eben gut.

00:09:40: Und der letzte Punkt Handwerk.

00:09:41: Ja, es hat natürlich mit Methoden zu tun.

00:09:44: Manche denken dann bei Moderation sofort an Methoden, die eingesetzt werden.

00:09:49: Und gerade in der Prozessmoderation, Faszilitation gibt es einige, die sind

00:09:53: notwendig, aber sie sind aus meiner Sicht Mittel zum Zweck.

00:09:57: Also wenn du es nicht schaffst, mit Menschen Beziehungen aufzubauen generell

00:10:01: oder gewisse- deine, erstmal an deiner Haltung zu arbeiten, gewisse Grundthemen

00:10:06: auch zu schaffen, dann kannst du so gut in deinem Methodenhandwerk sein,

00:10:11: das wird irgendwie nicht gut rüberkommen.

00:10:12: Und das zu vermischen, diese drei Komponenten, das macht den Reiz und die

00:10:17: Faszination von Moderation generell aus.

00:10:19: Ja, und du hast wirklich wunderbar die Dinge zusammengefasst, Frank.

00:10:23: Es ist jedoch wirklich auch noch mal eine Erfahrung, die man

00:10:27: braucht, meines Erachtens.

00:10:29: Die Leute meinen, das ist alles so leicht, ja.

00:10:31: Ich stelle mich auf die Bühne oder ich stelle mich irgendwo hin, was ich manchmal

00:10:35: noch schwieriger finde tatsächlich, wenn es um einen Entscheidungsprozess geht, da

00:10:38: gut durchzumoderieren, wenn man da auch die Alphatierchen da hat,

00:10:43: dann da wirklich die Moderation beizubehalten, die Führung beizubehalten.

00:10:48: Das ist gar nicht so ohne.

00:10:50: Da braucht man schon genug Erfahrung und auch gute

00:10:55: Mittel und auch die Kunst, wie du vorhin sagtest, ja, auch mal

00:10:59: flexibel zu reagieren.

00:11:01: Das finde ich aber das ist ja das Spannende dabei.

00:11:05: Absolut.

00:11:06: Da schließt sich die Frage an, woran merkt man denn, dass gut moderiert wird?

00:11:12: Ich glaube, man merkt- um es mal umzudrehen, wenn nicht moderiert

00:11:17: wird oder nicht gut moderiert wird (lacht), das macht manchmal

00:11:20: den Charme von Moderation aus.

00:11:22: Und leider, es ist ja nicht so präsent wie eine Keynote.

00:11:26: Also ich mache auch Keynote-Speaking, das ist nochmal ein anderes Metier.

00:11:29: Moderation ist immer dann sehr wertvoll, wenn sie nicht so stark auffällt und

00:11:35: trotzdem die Ziele und das, was man sich vornimmt mit dem Auftraggeber

00:11:40: zusammen, wenn das erreicht wird.

00:11:41: Also eigentlich ist es dann brillant, wenn es meistens unauffälliger wirkt.

00:11:47: Das sind ganz, ganz viele Dinge, die trotzdem passieren, wenn man den Prozess

00:11:50: führt und wenn man mit den Menschen zusammenarbeitet und die Dinge tut.

00:11:55: Aber solange die Menschen merken, aha, der Moderator drängt sich nicht so sehr stark

00:11:59: in den Vordergrund und ist zu stark präsent, sondern er schafft mit uns etwas,

00:12:04: was wir vorher, glaube ich, so mit uns selbst nicht geschafft hätten.

00:12:08: Also er gibt uns die Möglichkeit, er gibt uns den Rahmen, manchmal

00:12:11: führt er uns auch dadurch.

00:12:12: Das ist immer davon abhängig, wie strukturbedürftig jetzt gerade die Runde

00:12:16: auch gerade ist, abhängig vom Kontext.

00:12:19: Das sind alles Dinge, wo man nicht unbedingt merkt, dass

00:12:23: Moderation stattgefunden hat.

00:12:25: Also ich bin ein Freund von Wirksamkeit.

00:12:28: Also ich möchte selber, dass wenn ich moderiere, dass ich am Ende des Tages

00:12:33: den Eindruck habe, und darum sind die Feedbackrunden am Ende auch immer sehr

00:12:36: wichtig, da noch mal zu reflektieren mit den Menschen, was hat

00:12:40: sich jetzt wirklich getan? Hat sich irgendwas geändert an dem Tag?

00:12:43: Und das ist unabhängig davon, ob du jetzt eine Kleingruppe hast mit zehn Leuten oder

00:12:47: ein riesiges Event-Panel mit 500, 600, das merkst du schon am Ende, wie viel

00:12:52: Energie ist noch da und womit gehen die Menschen letzten Endes raus?

00:12:55: Und das ist immer für mich so ein wichtiger Lackmustest, um zu sehen, hat

00:13:00: die Moderation das letzten Endes erreicht, wofür ich eingekauft wurde, was ich

00:13:06: letzten Endes auch zusammen mit dem Auftraggeber umsetzen wollte?

00:13:10: Ja, absolut.

00:13:12: Es gibt ja auch Runden, die sind sehr anspruchsvoll.

00:13:15: Man hat vielleicht nicht so viel Gelegenheit, sich vorzubereiten oder der

00:13:17: Auftraggeber lässt nicht so viel raus und es wird dann interessant und

00:13:22: vielleicht sogar schwierig.

00:13:23: Was war denn so deine schwierigste Moderation?

00:13:27: Kannst du dich an die noch erinnern?

00:13:29: Die ist bestimmt schon eine Weile zurück (lacht).

00:13:32: Ah, ne. Also das ist ja auch das Schöne.

00:13:34: Also es bleibt, weil es auch so flexibel ist, immer eine Lernerfahrung.

00:13:37: Und tatsächlich schwierig, merke ich, wird es dann, wenn du in der

00:13:44: Vorbereitung relativ wenig Zeit oder Möglichkeiten hast.

00:13:49: Entweder- wir bleiben jetzt mal im Prozess, also im Unternehmensumfeld, in

00:13:54: der Gruppenmoderation zum Beispiel, wenn du relativ wenig Möglichkeiten hast, warum

00:13:58: auch immer, weil manchmal kommen Anfragen relativ kurzfristig auch rein, wenn der

00:14:03: Auftraggeber schon gewisse Kontakte blockt oder Vorbereitungen blockt und sagt, naja,

00:14:07: das machen wir selber oder wir geben Ihnen alles so vorbereitet auf

00:14:11: dem Pizzateller sozusagen.

00:14:13: Sie müssen nur noch dahin kommen und moderieren.

00:14:16: Das ist für mich erstmal nichts, was mit Augenhöhe zu tun hat und ist auch nicht

00:14:22: das, was eine gute Moderation so aufwendig und damit auch professionell macht.

00:14:27: Also es gibt ja so Moderatoren-

00:14:29: Ein Appell an unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, die uns vielleicht mal

00:14:32: beauftragen: Bitte gebt uns so viel wie möglich

00:14:35: Informationen vorab (lacht), genau.

00:14:38: Ja, absolut.

00:14:39: Also Information ist natürlich eine Ho- und eine Bringschuld.

00:14:42: Also das heißt für mich normalerweise in der Vorbereitung, ich führe mindestens

00:14:45: ein, also normalerweise ein paar mehr, aber ich führe mindestens erstmal

00:14:49: ein Telefonat mit dem Auftraggeber.

00:14:51: Da geht es um Zielsetzung, da geht es um Ablauf, da geht es um viele,

00:14:55: viele Dinge in der Vorbereitung.

00:14:56: Da gibt es natürlich auch Checklisten in der Vorbereitung.

00:14:59: Es gibt so eine klassische Daumenregel in der Moderation, die sagt, wenn du einen

00:15:02: Tag moderierst, hast du mindestens drei Tage Vorbereitung, also drei zu eins.

00:15:06: Und ich habe das früher nicht geglaubt, weil ich auch so als Führungskraft gedacht

00:15:10: habe: Wieso, ich gehe doch jetzt in den Termin und dann moderiere ich da

00:15:12: frei von- und dann geht es weiter.

00:15:15: Das hat aber mit der eigentlichen professionellen Moderation nicht so sehr

00:15:19: viel zu tun, weil du, wie gesagt, ja noch viel, viel- also normalerweise gerade in

00:15:24: der Prozessmoderation viel, viel mehr noch zu beachten hast im Sinne von

00:15:29: Vorbereitung, Raumvorbereitung.

00:15:31: Du arbeitest ja mit Materialien und Moderationsmaterialien normalerweise.

00:15:34: Also das ist nicht mal eben, es fällt uns jetzt gerade ein, sondern

00:15:39: gerade von der Wertigkeit der Aufträge, das sind meistens Strategie-Meetings,

00:15:43: Innovationsmeetings.

00:15:44: Also da geht es um ein bisschen was. Absolut.

00:15:46: Also das darf dementsprechend auch gut vorbereitet sein.

00:15:49: Jetzt wollte ich aber gerne noch wissen (lacht), was gab es denn für eine

00:15:53: Situation, die für dich wirklich schwierig war, wo du selbst auch als Profi

00:15:59: ins Schleudern gekommen bist?

00:16:01: Du bist nämlich da jetzt gut rum (lacht)-

00:16:05: Ja, ich hab- ich merke gerade, ich bin gut rumlaviert um das Thema.

00:16:09: Ja, ich fühle da gerade mal in mich rein.

00:16:13: Also es gibt immer wieder, gibt immer wieder Situationen.

00:16:17: Ich hatte mal- nee, ist noch gar nicht so lange her.

00:16:20: Von daher, das resoniert noch sehr stark in mir.

00:16:22: Ich hatte vor, genau, vor ein paar Wochen eine

00:16:28: Peer-Coaching-Moderation, wie man das so schön nennt.

00:16:30: Also eine Runde von Führungskräften, wo wir über ein Tagesthema gesprochen haben,

00:16:35: also ein definiertes Thema über den Tag und es ging, glaube ich über, wie sollte

00:16:40: es anders sein, künstliche Intelligenz, aktuelles Thema und über die

00:16:44: Updates in den Unternehmen.

00:16:45: Da wollten wir uns austauschen.

00:16:47: Ich war schon gerade am Anfang so mitten im Intro und war sehr stark schon bei mir

00:16:54: in der Struktur und habe geguckt, naja, und ich merkte schon, irgendwie war es

00:16:58: ein bisschen sämig am Anfang und das hat- Wass meinst du damit?

00:17:02: Ja, sämig, dass ich so gespürt habe, so an den Beiträgen in der Runde,

00:17:07: das ist so, also so zurückhaltend.

00:17:11: Ich habe gedacht, gerade dieses Thema, das muss doch ein bisschen mehr hier Emotion

00:17:15: erzeugen, also sowohl in die eine als auch in die andere Richtung.

00:17:18: Es lässt ja keinen irgendwo kalt.

00:17:20: Also irgendjemand- man hat ja durchaus eine Meinung dazu in

00:17:24: die eine oder andere Richtung.

00:17:25: Und ich habe das dann aufgenommen und habe habe das einfach gespiegelt.

00:17:30: Ich habe einfach gesagt, jetzt mal unabhängig jetzt hier von der Agenda,

00:17:33: die wir gerade durchgespielen.

00:17:34: Ich spüre gerade, das habe ich dann auch so gesagt, ich spüre gerade, hier ist

00:17:38: irgendwas, ich spüre gerade bei euch, da ist irgendwas.

00:17:42: Gut, ja.

00:17:44: Und ich fühlte mich selbst total unwohl, weil ich habe das gespürt und irgendwas in

00:17:48: mir hat gesagt, irgendwie läuft es gerade nicht so, wie es läuft.

00:17:51: Und ich habe dann eine Pause gemacht und dann

00:17:55: gucken die alles so und ich merkte schon, die hatten vorher alle schon miteinander

00:17:58: gesprochen und hatten sich ausgetauscht und ich wusste nicht warum.

00:18:01: Und nach der Pause erzählte dann-

00:18:04: Also du hast eine Kaffeepause gemacht?

00:18:07: Nee, ich habe eine rhetorische Pause gemacht.

00:18:09: Ach so, okay. Ich habe einfach mal geschwiegen.

00:18:13: So, und in dieser Pause öffnete sich dann plötzlich jemand der Führungskräfte und

00:18:18: erzählte seine Geschichte, die ihm gerade passiert

00:18:22: war, ist noch gar nicht so lange her.

00:18:24: Ich mache mal long story short.

00:18:26: Über Weihnachten gab es bei ihm eine gesundheitliche Thematik, da war Herzrasen

00:18:32: mit dabei, da war sehr viel Unwohlsein mit dabei und also wirklich Krankheitsthemen,

00:18:40: die in unterschiedlichen Zusammenhängen waren, im beruflichen Kontext, im privaten

00:18:44: Kontext auch, und er war sehr offen und ich ließ den einfach seine Geschichte

00:18:49: erzählen, weil ich den Eindruck hatte, das braucht jetzt Raum, weil alles andere

00:18:53: war Quatsch und ich hatte auch den Eindruck, dass alle anderen

00:18:56: außer mir schon involviert waren. Okay.

00:18:58: Und so hat sich für mich diese sehr erstmal unangenehme Situation, dass das

00:19:04: gar nicht voranging und ich wusste nicht warum, umgekehrt in etwas, was wie so

00:19:08: ein, weißt du, wie so ein Brustlöser war. Absolut, ja.

00:19:12: Dass er sich geöffnet hatte und ich auch den Eindruck hatte, dass an dem Punkt, wo

00:19:15: das raus war und wo sein Thema und seine Geschichte raus war, da konnten

00:19:19: wir wieder an der Sache arbeiten.

00:19:21: Und sowas ist halt, wo ich sage, ja, Flexibilität und auch diese-

00:19:27: dein empathischer Radar geht immer vor deiner Sache.

00:19:29: Absolut.

00:19:30: Und das ist mir da wieder bewusst geworden und vielleicht noch

00:19:34: eine zweite Geschichte-

00:19:35: Ja, lass mich da noch mal kurz einhaken.

00:19:38: Genau, weil das finde ich einen sehr wichtigen Part, dass der Moderator, ich

00:19:42: sagte es ja eingangs, der muss den Raum halten können und das klingt so abgehoben

00:19:46: vielleicht, aber es geht ja wirklich darum, auch den Raum zu spüren

00:19:50: und zu spüren, was ist denn da gerade los?

00:19:51: Und das dann aber auch- den Mut zu haben, das anzusprechen

00:19:55: und dann auch es aushalten zu können, dass Themen kommen, mit denen wir

00:20:00: nicht jeden Tag zu tun haben.

00:20:01: Es sind wirklich schwerwiegende Themen.

00:20:03: Es gibt ja, das habe ich auch schon erlebt, es- wirklich Tod eines nahen

00:20:08: Angehörigen etc., solche Themen bewegen uns ja auch als Menschen und das ist

00:20:13: spürbar, wenn sowas mal im Raum steht und andere das wissen.

00:20:17: Und das ist wirklich die Chance auch für den Moderator, das aufzugreifen, wenn er

00:20:22: es denn spürt oder sie, das dann wirklich zu thematisieren im

00:20:27: Rahmen dessen, wie das angemessen ist für diese Gruppe natürlich.

00:20:30: Aber das ist so, so wichtig, weil sonst kommst du mit dem eigentlichen Thema

00:20:34: überhaupt nicht voran, weil da steht ja der sogenannte Elefant im Raum, den

00:20:39: niemand ansprechen will und dann geht das überhaupt nicht voran.

00:20:42: Genau.

00:20:43: Und da vielleicht auch einer meiner großen Fails und auch

00:20:48: der Tipp an die Führungskräfte, die diesen Podcast hören.

00:20:52: Also mir ist es auch mal passiert und auch in einem klassischen, damals

00:20:56: Unternehmenskontext in Moderation, dass ich mich sehr stark genau an die

00:21:00: Struktur gehalten habe, dass die Agenda und Begrüßung und dann geht es sofort in

00:21:04: den ersten Themenpunkt, zweiten Themenpunkt und so weiter und so fort.

00:21:07: Der Einstieg in eine Moderation ist so extrem wichtig,

00:21:12: weil du hast es gerade genannt, also ich sag mal in unserem Sprachraum den Raum

00:21:16: halten, fragen mich manchmal, also ich habe immer so mittelständische

00:21:19: Geschäftsführer manchmal, die fragen, was heißt denn das Raum halten?

00:21:22: Also auf gut Deutsch, das hat ein Stück weit erstmal damit zu

00:21:25: tun, dass du wahrnimmst und auch spürst, wie der Zustand deiner

00:21:30: Leute in der Gruppe sind, und nicht nur das spürst, sondern dem

00:21:35: auch erstmal einen Raum gibst.

00:21:36: Also in der Faszilitationssprache oder generell Prozessmoderation nennen

00:21:39: wir das ja den sogenannten Check-in.

00:21:41: Und der Check-in ist eine Phase, die ich früher, da bin ich früher drüber gebügelt,

00:21:47: ja, weil ich gedacht habe, das ist ja- was ist das?

00:21:50: Also das ist irgendwie Ringelpiez oder da geht es ja- da geht es ja nicht um die

00:21:53: Sache, lass uns gleich zur Sache kommen.

00:21:55: So, wir sind aber keine Sachmenschen, sondern wir haben Emotionen, wir haben,

00:21:59: wir bringen ja alles in so einen Termin mit ein, insbesondere auch solche

00:22:04: Themen wie private Themen etc..

00:22:06: Und gerade im Bereich der Prozessmoderation,

00:22:10: wo du dich sehr intensiv über Themen unterhältst, ist es so wichtig am Anfang,

00:22:16: wie gesagt, die Grundlage zu legen, dass zumindest du den Eindruck hast, dass alle

00:22:19: überhaupt in dem richtigen Zustand sind.

00:22:22: Also Stichwort Zustandsmanagement, dass man miteinander zusammenarbeiten kann.

00:22:27: Weil wenn du Fälle drin hast, die sagen, ich bin ja gerade völlig out oder ich bin

00:22:31: mit meinen Themen gerade ganz woanders, was ich bei vielen Führungskräften gerade

00:22:35: habe, weil die Oberkante Oberlippe mit einigen Bereichen

00:22:38: sind, dann brauchst du nicht zum Beispiel in einen Innovationsprozess einzusteigen,

00:22:43: wenn der Zustand auf minus 3 ist.

00:22:45: Und diesen Fehler habe ich oft als Führungskraft damals begangen,

00:22:50: dass ich das übergangen habe, diese wichtige Phase, und habe mich dann am Ende

00:22:53: gewundert, dass die Ergebnisse nicht so da waren, wie sie sind oder man irgendwas

00:22:58: so ein Stück weit inhaltlich reingedrückt hat, was du eigentlich nicht wolltest.

00:23:02: Aber Kreativität anzapfen, Innovation anzapfen, das kriegst du wirklich

00:23:07: nur hin, wenn du darauf Acht gibst.

00:23:08: Und darum ist das extrem wichtig.

00:23:11: Ja.

00:23:11: Kleine Anekdote auch von mir an der Stelle, wirklich nur eine mini Kurze.

00:23:16: Ich hatte mal eine Gruppe vor vielen Jahren, 20 Jahre ist das

00:23:19: schon her, in Hannover.

00:23:20: Und der Manager dieser Gruppe, es waren alles Führungskräfte, wollte denen so

00:23:24: ein bisschen ein Schnippchen schlagen.

00:23:26: Die waren alle- die meisten von denen waren Hannover Fans

00:23:29: und an dem Tag war auch ein Spiel und der hat- genau an dem Samstag hat der ein

00:23:33: Training angesetzt, beziehungsweise so eine Moderation und dann waren die alle

00:23:36: wirklich nicht sehr willig (lacht), bis ich dann herausgefunden

00:23:42: habe, was da los ist.

00:23:44: Und das war natürlich, ja, nicht besonders produktiv, dieses Treffen.

00:23:49: Da wäre es vielleicht besser gewesen, den Termin in die Lounge von Hannover 96

00:23:53: umzuswitchen, zumindest für einen gewissen Teil (lacht).

00:23:55: Das wäre doch gut gewesen. Genau.

00:23:57: Ja, also es muss einfach die Voraussetzung da sein und auch die Bereitschaft

00:24:02: der Beteiligten da mitzuwirken.

00:24:05: Da sind wir schon mal beim Thema wieder "Professionell auftreten",

00:24:08: auch als Moderator.

00:24:09: Was machst du denn mit Vielrednern? Die soll es ja auch geben.

00:24:13: Also erstmal habe ich mit Vielrednern grundsätzlich kein Problem.

00:24:16: Das ist auch eine Haltungsfrage.

00:24:18: Also erstmal die positive Seite von Vielrednern ist, dass sie den Anspruch

00:24:23: haben oder die Idee etwas einzubringen.

00:24:25: Ob das jetzt Substanz hat, ist was anderes.

00:24:27: Sie reden halt viel, aber das ist nun mal Teil ihrer DNA und manchmal müssen

00:24:30: sie einfach auch was loswerden.

00:24:31: Also insofern hat das erstmal etwas völlig Wertungsfreies.

00:24:36: Natürlich wird es dann problematisch, wenn Vielredeart

00:24:41: weniger dazu passt, wenn es keine Substanz mehr hat und wenn es wirklich nur dazu

00:24:45: drängt, irgendwelche anderen Beiträge auszudringen oder die ganze

00:24:50: Veranstaltung für sich zu kapern.

00:24:52: Das gibt es ja dann auch.

00:24:54: Oder es gibt dann auch so Fälle, die dann anfangen, die Moderation zu übernehmen

00:25:00: oder das (?? ).

00:25:01: Und da fängt Vielreden an, sozusagen etwas schwierig zu werden.

00:25:07: Ich gehe mit Vielrede- also sagen wir mal so, ich versuche das auch und dazu dient

00:25:11: auch Vorbereitung aber auch Führung dann im Prozess, dadurch "einzudämmen",

00:25:18: dass ich einfach Elemente, und das ist auch so ein etwas methodischer Ansatz,

00:25:22: Elemente einbaue, wo es erst mal nicht darum geht zu reden,

00:25:26: sondern zu schreiben, also Gedanken vielleicht erst mal zu Papier zu bringen.

00:25:30: So also das klassische Journaling oder man kennt das sicherlich auch, dass man erst

00:25:35: mal ein paar Ideen nicht einfach anfängt im Freiraum, im Frei

00:25:40: "rauszublasen", das kann man tun, sondern dass man vielleicht erstmal sich 5 Minuten

00:25:44: nimmt und über eine Frage, über eine Leitfrage

00:25:48: nachdenkt und die Leute und Menschen im Raum das mal notieren lässt,

00:25:51: was sie für Ideen haben.

00:25:53: So, das bringt schon mal erstmal ein bisschen Ruhe in den ganzen Prozess.

00:25:56: Und insbesondere die Ruhigen, oder es muss nicht unbedingt Introvertierten

00:26:01: sein, aber zumindest die Menschen, die sich jetzt aktuell noch nicht so richtig

00:26:04: äußern können oder auch Zeit brauchen, kriegen damit erstmal die Möglichkeit, auf

00:26:08: ihre Art und Weise sich dem Thema zu nähern.

00:26:10: Genau, die wollen wir ja auch hören, weil die Lauten sind ja "eh schon auf der

00:26:13: Bühne", sage ich ja immer wieder.

00:26:15: Und ich möchte gerne auch mit meiner Arbeit hier

00:26:19: diejenigen stärken, die vielleicht nicht sofort auf die Bühne springen, wenn es

00:26:23: heißt, wer möchte denn als nächstes präsentieren, sondern die

00:26:27: sich eher zurückhalten und dann nicht mehr drankommen.

00:26:30: So ist es.

00:26:31: Und die müssen wir aber auch hören, weil die oft interessante Ideen haben.

00:26:36: Richtig.

00:26:36: Und- also da helfen auch aus meiner Sicht unterschiedliche Dinge.

00:26:40: Das kann- also eins, was immer hilft, ist natürlich, und das ist dein Job als

00:26:45: Moderator oder Moderatorin, dass du einen Prozess oder eine Methodik auch einlädst,

00:26:52: in der auch Timeboxing zum Beispiel durchaus sinnhaft ist.

00:26:56: Also wenn ich Vorstellungsrunden klassischerweise mache, Vorstellungsrunden

00:27:00: sind prädestiniert für Vielredner, weil die haben immer viel vorzustellen und viel

00:27:03: über sich zu erzählen etc., dass du da klassisches Timeboxing machst.

00:27:07: Also du sagst, wir machen jetzt in diesem Teil- gibt es jetzt viele Beiträge, jeder

00:27:12: hat zum Beispiel drei Minuten und ich werde auch nach drei

00:27:15: Minuten- wird hier ein Gong ertönen.

00:27:17: Also dass du das auch anmoderierst und der Gruppe klar machst, dass hier also ein

00:27:21: Regelwerk folgt, nicht um die Gruppe in irgendeiner Form zu stören, sondern damit

00:27:26: jeder die gleichen Rahmenbedingungen hat.

00:27:28: Das heißt, auch der Vielredner kriegt nach drei Minuten einen Gong, was für sie

00:27:32: meistens sehr störend ist, aber sie kriegen da mit ein akustisches Zeichen,

00:27:35: manchmal auch eine Hilfe, wo sie sagen: Ah interessant, wusste ich ja gar

00:27:39: nicht, mir fällt gar nicht auf, wie viel ich hier eigentlich rede.

00:27:42: Das hilft ja alles nichts, ja.

00:27:43: Man muss es ein bisschen eingrenzen, ja (lacht).

00:27:46: Ganz genau.

00:27:47: Und das ist manchmal sehr lustig, dass dann eben die Vielredner, wo sie dann die

00:27:50: Vorgabe 3 Minuten bekommen haben, interessanterweise manchmal es auch in 3

00:27:55: Minuten hinbekommen und sich selbst disziplinieren, also das

00:27:58: ist so eine Thematik.

00:27:59: Und die andere Thematik, wenn du jetzt im Fluss bist und du hast so

00:28:03: einen Vielredner vor dir oder auch in einem Grossevent,

00:28:07: der ist gerade so in Wallung, dann finde ich es ganz spannend, so als eine Idee,

00:28:11: mal so einen Perspektivenwechsel zu machen.

00:28:14: Ja.

00:28:14: Also Perspektivenwechsel heißt, wie schaut das eigentlich aus, wenn die

00:28:18: jetzt mal die Gegenpart wertschätzen?

00:28:20: Super interessant, wertvoller Beitrag.

00:28:22: Aber wenn jetzt mal, oder sie, wenn sie jetzt mal die Gegenperspektive einnehmen

00:28:26: zu dem, was sie jetzt dort haben, wie wird die aussehen?

00:28:29: Was passiert, wenn du die Frage stellst, kommt der aus

00:28:32: dem Kommunikationsprozess in einen Denkprozess?

00:28:35: Das heißt, er kann nicht gleichzeitig denken und die meisten können das nicht,

00:28:39: also gleichzeitig denken und reden.

00:28:42: Es sei denn, sie sind geübte Rhetoriker und Rhetorikerinnen.

00:28:45: Die hast du immer möglicherweise dabei, aber selbst die kriegen dann

00:28:48: erst mal die erste Aufgabe.

00:28:50: Und natürlich, es gibt auch da gewisse Stufen, wo man dann irgendwann freundlich

00:28:55: dann auch darauf hinweisen kann, dass das in dem Themenkontext, glaube ich jetzt

00:28:58: allen, dass das auch geklärt ist und dann kann man auch weitergehen.

00:29:01: Also aus meiner Sicht, da gibt es so viele Dinge, die zu dem Thema gehören.

00:29:06: Es sind auch manchmal kleine handwerkliche Themen, Thema Moderation,

00:29:09: Stichwort Eventmoderation oder auch in der größeren Prozessmoderation.

00:29:13: Wenn du dann zum Beispiel ins Publikum gehst, du hast eine Publikumsfrage oder

00:29:17: eine Diskussion, und gibst dein Mikro ab, hast du keine Kontrolle mehr.

00:29:24: Also das ist auch ein klassisches Stilmittel, natürlich in Form von

00:29:28: Körpersprache, dass immer der, der das Mikro hält und

00:29:31: hat, hat es er und er kann es irgendwann wegziehen, weil dann ist Luft weg.

00:29:35: Wenn aber jemanden im Publikum, darum auch da der Tipp, behaltet euer Mikro, weil es

00:29:40: ist auch ein Führungsinstrument, das euch gehört, gebt das nicht ab, sondern

00:29:46: wenn du es nämlich einem Vielredner abgibst, dann hast du die Herausforderung,

00:29:51: nicht nur ihn einzufangen, sondern auch dein Mikrofon wieder einzufangen.

00:29:54: Ja, genau. (??

00:29:55: ) Herausforderung Guter Punkt, ja, absolut.

00:29:57: Es ist wie ein Talking Stick dann an der Stelle, lieber Frank (lacht),

00:30:01: sehr wertvoller Tipp.

00:30:03: Jetzt hast du schon erzählt, dass du, oder ich habe es ja auch in der Anmoderation

00:30:06: gesagt, dass du früher technisch viel unterwegs warst.

00:30:08: Du warst als Führungskraft auch tätig und jetzt mehr und mehr als Moderator

00:30:14: und Facilitator oder Prozessbegleiter.

00:30:18: Ich habe so gehört, oder ich habe aus dem ganzen Diskurs jetzt inzwischen gehört,

00:30:23: dass du auch gesagt hast, früher warst du eher technokratischer oder eher so Zahlen,

00:30:28: Daten, Fakten orientiert, was ja nicht schlecht ist.

00:30:30: Wir brauchen das ja auch.

00:30:31: Ich sage immer, wenn man in Deutschland so schimpft, dass wir alle so

00:30:35: ingenieursgetrieben sind, ich finde, das ist sehr gut, dass wir so sind.

00:30:39: Aber es braucht halt auch den anderen Teil, den wir vorher diskutiert haben,

00:30:43: auch den Teil, dass du spüren kannst als Moderator oder als Führungskraft auch

00:30:48: spüren kannst, da ist gerade was im Busch und das muss man ansprechen.

00:30:53: Hat sich da was gewandelt im Laufe der Zeit, Frank, bei dir selber?

00:30:58: Also wie ich das schon angesprochen- es hat sich einiges geändert.

00:31:01: Hoffentlich hat sich einiges geändert (lacht).

00:31:05: (lacht) Es hat sich einiges geändert.

00:31:07: Also der eine oder andere entwickelt sich auch persönlich.

00:31:10: Also das ist auch das Schöne an der Moderation.

00:31:12: Es ist auch sehr viel, nicht nur Organisationsentwicklung, die du da

00:31:16: betreibst, gerade in der Prozessmoderation, sondern auch

00:31:18: natürlich Persönlichkeitsentwicklung.

00:31:20: Aber konkret das Thema Moderation hat für mich eine ganz, ganz große Nähe zur

00:31:27: Führung und zur Führungskompetenz.

00:31:30: Ja, absolut.

00:31:31: Ich glaube und bin davon überzeugt, dass gerade jetzt in der digitalen Zeit, wo es-

00:31:38: also je mehr, je digitaler es wird, umso mehr ist Präsenz und ist gerade

00:31:42: Beziehungen zwischen Menschen noch viel wichtiger.

00:31:45: Und der Job einer Führungskraft, jetzt gerade mal, wenn wir uns so Meta-Eindrücke

00:31:50: wie künstliche Intelligenz etc., so große Treiber anschauen, die haben deswegen eine

00:31:55: große Wirkung, weil eine Führung noch stärker sich darauf konzentrieren

00:32:00: wird, wie ich die Menschen mitnehme, wie ich in Gruppenprozesse, insbesondere

00:32:04: Beteiligung, noch stärker herausarbeite, also auch, ich sage immer, die

00:32:08: Schwarmintelligenz aus so einer Gruppe herausarbeite.

00:32:11: Und das kann ich natürlich nicht klassisch dogmatisch in einem

00:32:15: klassischen Führungsstil top down, so wie das früher war, einer geht vor

00:32:18: und alle anderen laufen hinterher.

00:32:20: Das wird heute nicht mehr unbedingt akzeptiert.

00:32:24: Generationunabhängig übrigens.

00:32:26: Gut, nicht mehr, ja.

00:32:28: Gott sei Dank. Und das wird in Zukunft noch mehr da sein.

00:32:30: Das heißt, die moderatorischen Qualitäten werden im Führungsbereich aus meiner

00:32:36: Sicht noch viel, viel wichtiger werden.

00:32:38: Was nicht heißt, dass- und das ist auch wieder, das ist so klassisch wie der

00:32:41: Spruch Führungskraft als Coach, ja, dann plötzlich ist die

00:32:44: Führungskraft nur noch Coach.

00:32:46: Nein, das ist ein Element deiner Führungsaufgaben.

00:32:48: Warum ist Führung super interessant?

00:32:50: Weil du hast manchmal die Situation, wo du Coach bist, du hast moderatorische

00:32:55: Bereiche dabei und manchmal wirst du auch manchmal dogmatisch eine Entscheidung

00:33:00: treffen müssen und dürfen, weiterhin, weil es deine Aufgabe erzeugt.

00:33:04: Aber diese Elemente der Moderation und auch des Coachings, also diese sehr

00:33:09: beziehungsorientierten Themen, die werden aus meiner Sicht noch noch viel

00:33:13: stärker werden in der Führungsarbeit.

00:33:15: Und von daher glaube ich, dass wir gerade als Moderatoren und auch

00:33:20: Prozessmoderatoren da so ein Stück weit auch helfen können, auch

00:33:24: vielen Führungskräften helfen können, an der Stelle ihnen Haltung, Kunst

00:33:30: und Handwerk auf den Weg zu geben, da für ihre Führungsarbeit noch professioneller,

00:33:34: noch wirksamer zu werden.

00:33:36: Wow, das war ein schönes Abschlusswort, Frank (lacht).

00:33:40: Haltung, Kunst und das letzte war das Handwerk.

00:33:44: Genau das brauchen wir nicht nur für Moderation, sondern auch für Führung.

00:33:48: Und ich kann es noch mal sagen, professionell auftreten heißt nicht viel

00:33:51: zu sprechen, sondern Gespräche wirksam zu gestalten als Moderator.

00:33:56: Lieber Frank, ich danke dir ganz herzlich.

00:33:59: Wir sind schon wieder fertig heute mit unserem Podcast.

00:34:04: Die Zeit rennt ja, wirklich wahr.

00:34:06: Ganz, ganz herzlichen Dank für deine Zeit und alles Gute, weiterhin viel

00:34:09: Erfolg bei deinen Moderationen. Vielen Dank, Silvia.

00:34:13: Hat mich sehr gefreut, dass ich Teil dieses Podcasts und dieses

00:34:15: tollen Gesprächs sein durfte. Vielen Dank.

00:34:17: (Musik) Schön.

00:34:22: Vielleicht magst du jetzt ein persönliches Speaker-Coaching buchen.

00:34:26: Schau gern auf meiner Homepage rein.

00:34:28: Ich freue mich auf dich, deine Silvia B. Pitz.

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