#63 Authentisch oder angepasst? Die gefährlichste Frage für deinen Auftritt

Shownotes

Radikale Ehrlichkeit oder geschicktes Anpassen – was bringt dich auf die Bühne, was bringt dich ins Aus?

Diese Folge nimmt dich mit auf eine Reise zwischen Authentizität und Wirkung, inspiriert von Albert Camus’ „Der Fremde“.

Erfahre, wie Führung und Auftritt gelingen, wenn du die Spielregeln der Kommunikation kennst, gezielt Erwartungen brichst – und warum es manchmal mutig ist, nicht zu gefallen.

Mit echten Praxisbeispielen, klaren Strategien und überraschenden Impulsen für Meetings, Medienauftritte und kritische Situationen.

Bühne frei für die Kunst, dich verständlich zu machen, ohne dich zu verbiegen!

Shownotes:

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00:00:00: (Musik) Herzlich willkommen zu "Professionell auftreten", dein

00:00:07: Podcast für die gelungene Präsentation.

00:00:10: Souverän, glaubwürdig und begeisternd auftreten, deine Botschaft

00:00:14: zielsicher anbringen.

00:00:15: Mit Leichtigkeit Lampenfieber, kritische Fragen und andere Stolpersteine

00:00:21: überwinden, darum geht's.

00:00:23: Ich bin Silvia B.

00:00:24: Pitz und freue mich auf dich, herzlich willkommen.

00:00:30: Manchmal gibt es diesen einen Moment im Meeting, auf der Bühne oder im Gespräch,

00:00:37: in dem plötzlich die Stimmung kippt.

00:00:40: Vielleicht kennst du das: Du bist innerlich klar, weißt, was du willst und

00:00:46: trotzdem entsteht Unsicherheit im Raum.

00:00:49: Du wirst von einer unerwarteten Frage überrascht.

00:00:53: Ein Kollege schaut kritisch oder das Publikum scheint sich

00:00:57: innerlich zurückzulehnen.

00:00:59: In diesen Augenblicken fühlen wir uns manchmal wie ein Fremder

00:01:03: im eigenen Auftritt.

00:01:05: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von "Professionell auftreten".

00:01:11: Authentisch oder angepasst?

00:01:12: Die gefährlichste Frage für deinen Auftritt.

00:01:15: Was wir von Albert Camus' Buch „Der Fremde" für unseren Auftritt, für Führung

00:01:22: und für unsere Wirkung lernen können.

00:01:25: Schön, dass du wieder dabei bist.

00:01:28: Heute steigen wir mit literarischer Hilfe von Albert Camus' Werk „Der Fremde" in

00:01:35: das Thema „Professionell auftreten" ein.

00:01:37: Auf den ersten Blick hat das Buch nichts mit Auftritt und Business zu tun, aber bei

00:01:43: genauer Betrachtung zeigt uns "Der Fremde" wichtige Lektionen für unsere

00:01:49: Führungskommunikation auf der Bühne und mit unseren Teams.

00:01:54: Ich erinnere mich noch gut an ein Führungskräfte-Coaching

00:01:57: vor einigen Jahren.

00:01:59: Man holte mich, nachdem die neue Führungskraft ihren Start mit einem neuen

00:02:04: Team unbewusst richtig vermasselt hat. Was war passiert?

00:02:09: Der erfahrene Manager stand vor seiner neuen Führungsmannschaft und sagte mit mit

00:02:15: ruhiger Stimme: „Ich habe keine Lust mehr auf ständiges Klein-Klein.

00:02:19: Ab heute will ich, dass wir Klartext reden." Er meinte es ehrlich,

00:02:25: aber der Raum wurde eisig.

00:02:27: Die Mitarbeitenden schauten betreten zu Boden.

00:02:31: Später sagte mir eine Teilnehmerin: „Er war so anders als seine Vorgängerin,

00:02:37: aber er hat sich nicht erklärt.

00:02:39: Wir wussten ja gar nicht, wie er tickt." Wir konnten diese Situation später im

00:02:44: Einzelcoaching gut aufarbeiten und das Team wieder gut einbinden.

00:02:48: Aber erst einmal war das ein problematischer Start, wie

00:02:53: du dir vorstellen kannst.

00:02:54: Genau solche Aktionen schauen wir uns in dieser Folge an.

00:02:59: Sollen wir authentisch oder angepasst kommunizieren und auftreten,

00:03:04: oder gibt es noch was dazwischen?

00:03:07: Mithilfe von Albert Camus' Fremden werden wir folgende Punkte bearbeiten.

00:03:13: Erstens: Was verbindet uns mit der Figur des Fremden in Camus' Buch und wie

00:03:19: wirkt sich das auf unsere Auftritte aus?

00:03:22: Zweitens: Welche Lehren können wir daraus ziehen?

00:03:27: Drittens: Achtung, Authentizität braucht eine Übersetzung, sonst

00:03:33: schaffen wir massive Probleme.

00:03:35: Viertens: Innere Haltung bewusst machen und als Kompass für

00:03:40: unsere Auftritte nutzen.

00:03:43: Fünftens habe ich für dich wieder praktische Beispiele anhand von Aussagen,

00:03:47: Körpersprache und Drucksituationen.

00:03:50: Und zum Schluss gibt es sechstens ein Abschlussfazit.

00:03:55: Wir erleben das oben genannte Beispiel leider viel zu oft im Business, in

00:03:59: der Politik, im privaten Bereich.

00:04:02: Menschen wollen vielleicht authentisch und ehrlich sein, aber es fehlt der

00:04:07: Kontext und die Verständlichkeit.

00:04:10: Wie ich immer zu sagen pflege, Kommunikation ist missverständlich.

00:04:15: Damit sind wir schon bei Punkt 1: Was verbindet uns mit der Figur des Fremden in

00:04:21: Camus' Buch und wie wirkt sich das auf unsere Auftritte aus?

00:04:26: Camus' Hauptfigur, Meursault, ist ein radikal aufrichtiger Mensch.

00:04:32: Er verstellt sich nicht, er spielt keine Rolle, macht keine großen Worte.

00:04:37: Seine Ehrlichkeit ist fast schon brutal.

00:04:40: Er sagt, was ist, zeigt keine große Emotion, wo sie erwartet

00:04:45: wird und folgt seiner eigenen Logik.

00:04:49: Doch genau das macht ihn für sein Umfeld zum Außenseiter.

00:04:53: Nicht, weil er böse ist oder lügt, sondern, weil er sich nicht an die

00:04:58: unausgesprochenen Spielregeln der Gesellschaft hält.

00:05:02: Im Roman führt das sogar dazu, dass er am Ende nicht für seine Tat verurteilt wird,

00:05:07: sondern dafür, dass er nicht trauert, so wie man es erwartet hätte.

00:05:12: Das klingt extrem, aber Hand aufs Herz: Wie oft passiert uns genau das im

00:05:17: Berufsleben oder in wichtigen Auftrittssituationen?

00:05:21: Wir bringen Leistung, wir sind kompetent, aber irgendetwas in unserer Wirkung kommt

00:05:26: nicht an, stößt vielleicht auf Unverständnis sogar auf Ablehnung.

00:05:31: Somit fühlen wir uns wie der Anti-Held im Roman von Albert Camus.

00:05:36: Zweitens: Welche Lehren können wir daraus ziehen?

00:05:40: Achtung, Spoiler: Wirkung schlägt Absicht.

00:05:44: Albert Camus hat in seinem gesamten Werk, aber besonders im Fremden, eine

00:05:50: zentrale Beobachtung gemacht.

00:05:52: Nicht die Absicht zählt, sondern die Wirkung.

00:05:56: Mersault meint es nicht böse: Er spielt nicht, dramatisiert nicht, liefert keine

00:06:03: erwarteten Signale.

00:06:04: Doch die Umwelt liest daraus Kälte, Schuld und Moral.

00:06:10: Camus zeigt: Deine innere Haltung ist zweitrangig, wenn die äußere

00:06:15: Wirkung nicht anschlussfähig ist.

00:06:18: Nicht, weil Anpassung ehrlicher wäre, sondern weil Kommunikation

00:06:22: sozial codiert ist.

00:06:25: Wer diese Codes ignoriert, wird interpretiert, aber nicht verstanden.

00:06:30: Die Interpretation ist dann eben Glückssache.

00:06:33: Ich erinnere mich an ein Medientraining mit einem Geschäftsführer eines

00:06:37: mittelständischen Unternehmens.

00:06:39: Er war sehr gut im Thema, kannte sich bestens im Unternehmen aus, aber vor der

00:06:45: Kamera wirkte er zunächst starr, kühl, fast abweisend.

00:06:50: Er war es einfach nicht gewohnt, im grellen Licht mit Fragen

00:06:54: konfrontiert zu werden.

00:06:56: In seinem Management-Alltag stellt nämlich sonst er die Fragen und

00:06:59: fordert Antworten ein.

00:07:01: Gut, dass er sich für ein Training entschieden hat.

00:07:04: Als wir das erste Übungsvideo betrachteten, sagte er: „Ich komme ja

00:07:08: wirklich ziemlich unnahbar rüber, obwohl die faktischen Antworten ja richtig

00:07:13: sind und ich es nur klar rüberbringen wollte." Seine Botschaft

00:07:18: kam aber nicht an.

00:07:19: Warum ist das so?

00:07:21: Nicht die Absicht zählt, sondern die Wirkung.

00:07:25: Ja, das mag ungerecht sein, aber das ist nun mal die Realität.

00:07:29: Wir arbeiteten neben den Antworten auch noch an seiner inneren Haltung.

00:07:34: Demnach betrachtete er die Presse nicht mehr als lästige Eindringlinge,

00:07:38: die nervige Fragen stellen.

00:07:40: Das war nämlich bei der ersten Aufnahme so, wie er später zugab.

00:07:45: Er sah dann ein Interview mit Medienvertreter und Vertreterinnen als

00:07:48: willkommene Chance, sein Unternehmen und sich selbst vorzustellen und die Vorteile

00:07:55: seines Produkts ins rechte Licht zu rücken.

00:07:58: Manchmal braucht es nur einen kleinen Perspektivwechsel.

00:08:03: Höre dir dazu auf jeden Fall noch meine Folgen 21 und 24 zum Thema

00:08:09: Umgang mit Medien an.

00:08:11: Hier gibt es sehr wertvolle Hinweise und praxisnahe Tipps im Umgang

00:08:16: mit Presse und Medien.

00:08:19: Hier schon mal ein Zwischefazit: Nicht die Absicht zählt, sondern die Wirkung.

00:08:25: Das mag ungerecht erscheinen, aber noch mal: Das ist die Realität.

00:08:30: Damit sind wir schon bei Punkt 3.

00:08:32: Achtung: Authentizität braucht Übersetzung.

00:08:37: Das ist Camus' Lektion für uns.

00:08:40: Ein beliebter Rat ist ja oft: Sei einfach du selbst.

00:08:45: Doch so einfach ist es nicht.

00:08:48: Mersault ist hundertprozentig er selbst, aber weil er sich nicht erklärt, nicht

00:08:53: übersetzt, was in ihm vorgeht, wird seine Haltung zum Problem.

00:08:59: Radikale Authentizität schützt nicht.

00:09:02: Sie kann sogar gefährlich sein.

00:09:04: Mersault ist kongruent, aber kommunikativ stumm.

00:09:09: Authentisch zu sein, bedeutet nicht, alles ungefiltert zu zeigen.

00:09:14: Es bedeutet, die eigene Haltung so zu übersetzen, dass sie

00:09:18: verstanden werden kann.

00:09:20: Und das kann je nach Publikum variieren.

00:09:24: Vor vielen Jahren war ich mal Moderatorin bei einer Vernissage.

00:09:28: Ich habe mich nach meinem damaligen Kleidungsstil authentisch angezogen, der

00:09:33: ehrlich gesagt recht rebellisch war und aus heutiger Sicht eher

00:09:37: so mittelgut gepasst hat.

00:09:39: Nicht nur modisch, sondern auch vom Stil.

00:09:42: Dafür bekam ich auch entsprechendes Feedback.

00:09:45: Später wurde mir das klar.

00:09:48: Rebellion ist ja in Ordnung.

00:09:49: Man darf sie bewusst einsetzen.

00:09:52: In diesem Fall war es aber nicht passend und auch gar nicht ganz bewusst.

00:09:57: Denken wir immer auch an die Rolle, die wir in einer Auftrittssituation haben,

00:10:02: nicht spielen, sondern in der Rolle, in der wir sind.

00:10:06: Die können wir nicht ignorieren.

00:10:08: Wenn wir in der eigentlich neutralen Rolle der Moderatorin ein nicht nur modisches

00:10:14: Statement abgeben, dann ist das fehl am Platz.

00:10:18: Das heißt nicht, dass wir uns verbiegen sollen, aber: Authentizität ohne

00:10:23: Übersetzung lässt andere im Nebel stehen.

00:10:26: Deshalb brauchen wir insbesondere in herausfordernden Situationen eine Sprache,

00:10:32: die unsere innere Haltung für andere verständlich macht.

00:10:36: Camus würde sagen: Haltung braucht Sprache.

00:10:40: Klarheit braucht Kontext.

00:10:44: Viertens: Unsere innere Haltung bewusst machen.

00:10:48: Camus und der unsichtbare Kompass.

00:10:51: Bevor wir auf die Bühne gehen, ein Meeting moderieren oder vor die Kamera treten,

00:10:56: brauchen wir einen inneren Satz, der uns steuert.

00:10:59: Camus würde sagen: Eine Entscheidung, die unser Handeln würdevoll macht, auch

00:11:05: wenn das Leben keinen Sinn garantiert.

00:11:09: Hoffentlich ergibt dein Auftritt einen Sinn.

00:11:11: Davon gehen wir jetzt mal aus.

00:11:14: Die Antwort Camus' ist nicht Zynismus, sondern Aufrichtigkeit, also Klarheit und

00:11:20: Kongruenz zwischen Denken, Handeln und Haltung.

00:11:24: Wie lautet dein Satz für deinen Auftritt?

00:11:28: Mein Satz, den ich für mich gefunden habe, lautet: Ich stehe für Klarheit und

00:11:33: Wertschätzung, immer im Sinne des Kunden.

00:11:37: Eine Kundin von mir, Bereichsleiterin in einem Konzern, sagt:

00:11:41: Ich übernehme Verantwortung, auch wenn ich unbequem werden muss.

00:11:46: Solche Sätze geben Orientierung, besonders dann, wenn von außen Druck entsteht.

00:11:52: Finde du deinen Satz für dich, für deine innere Haltung?

00:11:56: Dieser Satz kann von Situation zu Situation variieren, aber es sollte dir

00:12:01: die Richtung weisen und dir auch Halt geben, wenn es mal

00:12:06: stürmisch wird, im Meeting, auf der Bühne oder in Podiumsdiskussionen zum Beispiel.

00:12:12: So, lasst uns jetzt im Punkt 5 zu der Übersetzung kommen und zu

00:12:18: praktischen Beispielen.

00:12:20: Wenn wir Haltung zeigen wollen, müssen wir sie kommunizieren, und zwar so,

00:12:25: dass sie anschlussfähig sind.

00:12:27: Camus würde das als bewusste Übersetzung der eigenen Haltung beschreiben.

00:12:32: Eine Formel dazu könnte sein: Haltung, Begründung, Einladung.

00:12:38: Zunächst muss mir die eigene innere Haltung bewusst werden.

00:12:42: Das gelingt ja ganz gut, wenn wir beim vorherigen Punkt schon einen inneren

00:12:46: Satz für uns formuliert haben.

00:12:48: Denke noch mal an das Beispiel von vorhin, wo der Manager zunächst unbewusst keine

00:12:53: positive Einstellung gegenüber Medienvertretern hatte und entsprechend

00:12:58: kam seine Botschaft auch rüber.

00:13:00: Also erst mal eine innere Haltung checken.

00:13:04: Ist dir der Auftritt vielleicht lästig oder freust du dich darauf?

00:13:09: Falls ersteres zutrifft, finde heraus, was gut an dem Auftritt sein kann.

00:13:14: Ich kann dir viele Vorteile nennen.

00:13:17: Einmal hast du die Chance, dich, dein Unternehmen, deine Produkte und

00:13:21: Dienstleistungen zu präsentieren.

00:13:24: Auch kannst du deine Glaubwürdigkeit erhöhen.

00:13:27: Du kannst zeigen, was du und deine Teams drauf haben und vieles mehr.

00:13:32: Also nutze wirklich jede Gelegenheit für die Präsentation, aber bereite dich vor.

00:13:39: Ich stehe gern zur Verfügung.

00:13:42: Dann nutzt du auch die Chance, die jeder Auftritt bietet.

00:13:46: Zurück zu deiner Haltung.

00:13:49: Setze sie ganz bewusst ein und kommuniziere sie dann, sodass dir dein

00:13:53: Publikum folgen kann und auch will.

00:13:57: Ein Beispiel: Ein stockendes Meeting.

00:14:00: Hier kannst du sagen: „Mir ist es ganz wichtig, dass wir heute offen sprechen."

00:14:05: Das wäre die Haltung.

00:14:07: "Weil wir sonst an den eigentlichen Themen vorbei reden." Das wäre die Begründung.

00:14:13: "Ist es okay für euch alle, wenn wir das gleich genauso machen?"

00:14:18: Das wäre die Einladung.

00:14:20: Und das ist keine Weichspülung, sondern bewusste Führung.

00:14:25: Die Anschlussfähigkeit entscheidet darüber, ob deine Haltung Wirkung

00:14:30: entfaltet oder vielleicht sogar Widerstand erzeugt.

00:14:34: Wie wirkt sich die innere Haltung auf Körpersprache und Stimme aus?

00:14:38: Camus hasste große Phrasen und moralische Selbstüberhöhung.

00:14:43: Er schätzte Klarheit und Präsenz.

00:14:46: In stressigen Situationen können wir oft hektische Gesten, schrille Stimme

00:14:52: und schnellere Sprechweise erleben.

00:14:55: Da merken die Leute schnell, dass jemand aus dem Konzept gebracht wurde.

00:15:00: Bewusste innere Haltung zeigt sich dagegen am stärksten in Ruhe: Ein sicherer Stand,

00:15:07: ruhige Hände, bewusste Gestik und auch gezielte Pausen.

00:15:15: Eine Kundin berichtete mir, dass sie nach einem Präsentationstraining von ihren

00:15:20: Mitarbeitenden plötzlich als präsenter und souveräner wahrgenommen wurde.

00:15:25: Dabei hatte sie nur gelernt, still zu stehen statt unbewusst herumzugehen

00:15:30: und öfter bewusst Pausen einzusetzen.

00:15:33: Bei der Stimme gilt: Die besten Führungskräfte sprechen

00:15:37: langsam, ruhig, setzen Pausen ein und lassen auch Stille zu.

00:15:43: Natürlich gibt es auch Situationen, wo sie schneller sprechen können.

00:15:48: Also die Spannung macht hier das gute Rezept aus.

00:15:53: Gerade aber nach einer starken Aussage wirkt eine kleine Pause

00:15:57: wie ein Ausrufezeichen.

00:15:59: Außerdem hilft ein ruhiges Sprechtempo hin und wieder für mehr Bedenkzeit.

00:16:05: Du hast dann mehr Zeit für eine optimale Wortwahl.

00:16:10: Schauen wir uns mal die Situation bei kritischen Fragen an: Wie kannst du das

00:16:14: souverän führen und Camus' Haltung einnehmen?

00:16:19: Neulich in einem Seminar zum Thema Krisenkommunikation übten wir, auf

00:16:23: unangenehme Fragen zu reagieren.

00:16:26: Ein Teilnehmer, ein Bereichsleiter geriet ins Straucheln, als ich ihn

00:16:30: direkt fragte: „Warum hat ihr Team das Projektziel nicht erreicht?"

00:16:35: Er rechtfertigte sich sofort, erklärte, was alles nicht funktioniert

00:16:39: hatte und wirkte dadurch defensiv.

00:16:43: Wir haben dann geübt und die Antwort umgebaut, und zwar folgendermaßen.

00:16:48: Er antwortete dann: „Das ist eine berichtigte Frage.

00:16:53: Es gab im Prozess unerwartete, komplexe Herausforderungen", was ja stimmte.

00:16:59: Weiter sagte er: „Meine Verantwortung ist es nun, zusammen mit dem Team die bereits

00:17:04: entwickelten Lösungsschritte zu unterstützen." Das wirkte souverän

00:17:09: und im Raum war plötzlich Ruhe.

00:17:11: Seine Klarheit wirkte.

00:17:13: Nicht hart, sondern souverän.

00:17:15: Die anderen fühlten sich abgeholt und nicht abgekanzelt.

00:17:20: Camus würde hinzufügen: Es geht nie um Schuldzuweisung, sondern um

00:17:25: Aufrichtigkeit und Entwicklung.

00:17:27: Eine Haltung, die auch bei politischer Kritik seine eigene Arbeit auszeichnete.

00:17:33: Eine weitere Methode für das Übersetzen unserer inneren Haltung für unser Publikum

00:17:38: ist der bewusste Erwartungsbruch mit Ansage und Beispiel.

00:17:45: Was ist denn das nun wieder?

00:17:46: Camus zeigt am deutlichsten in der berühmten Strandszene, wie die

00:17:51: Überforderung zum plötzlichen Regelbruch führt.

00:17:55: Mersault handelt im Moment maximaler Reizüberflutung.

00:18:00: Im Business ist Erwartungsbruch oft subtiler, aber nicht weniger folgenreich.

00:18:06: Manchmal ist es eben notwendig, Erwartungen zu brechen.

00:18:09: Das ist völlig in Ordnung, solange du es kommunizierst.

00:18:13: So holst du dein Publikum ab, bevor du Klartext sprichst.

00:18:17: Hier ein Beispiel aus der Praxis: Stell dir vor, eine Führungskraft

00:18:21: übernimmt nach einer Krise ein Team, das bislang immer mit langen,

00:18:25: einfühlsamen Mails geführt wurde.

00:18:28: Sie entscheidet sich bewusst und gut begründet für knappe, klare Kommunikation.

00:18:34: Diese Führungskraft sagt zum Beispiel im Teammeeting:

00:18:38: „Mir ist bewusst, dass hier bisher viel Wert auf ausführliche

00:18:42: Abstimmungen gelegt wurde.

00:18:44: Ich werde künftig direkter kommunizieren, damit wir schneller zu

00:18:48: Entscheidungen kommen.

00:18:50: Ich weiß, das ist ungewohnt, aber es ist notwendig, um das Team voranzubringen.

00:18:55: Gebt mir Feedback, wenn euch das zu knapp wird.

00:18:57: Ich bleibe ansprechbar."

00:19:00: Was passiert hier?

00:19:01: Die Ansage wirkt zunächst irritierend, aber weil der Bruch erklärt und

00:19:06: transparent gemacht wurde, entwickelt sich Akzeptanz und Respekt

00:19:10: statt heimlicher Ablehnung.

00:19:12: Und die ist wirklich schlimm.

00:19:14: Außerdem bietet die Führungskraft einen offenen Feedback-Kanal an.

00:19:19: Camus lehrt: Unbewusster Regelbruch wirkt wie Inkompetenz.

00:19:24: Bewusster Regelbruch wirkt wie Führung.

00:19:27: Nicht der Regelbruch selbst ist riskant, sondern das Schweigen darüber.

00:19:33: Bevor wir zum Schluss kommen, ein kurzer Exkurs.

00:19:37: Ich will an der Stelle noch einen wichtigen Punkt klären, der immer wieder

00:19:40: für Missverständnisse sorgt, sowohl in Führungsfragen als auch in der

00:19:44: Auseinandersetzung mit Camus' "Der Fremde".

00:19:48: Emotionslosigkeit ist nicht gleichzusetzen mit Kälte, Narzissmus

00:19:53: oder gar Psychopathie.

00:19:56: Meursault, die Hauptfigur, wirkt im Roman oft gefühlskalt, zum Beispiel, weil er

00:20:01: beim Begräbnis seiner Mutter keine Tränen zeigt oder sich nach dem Mord an

00:20:06: einem Menschen nicht reuig gibt.

00:20:09: Doch Camus zeichnet ihn ganz bewusst nicht als Psychopathen oder Narzissten.

00:20:14: Psychopathen und narzisstische Persönlichkeiten zeigen

00:20:17: gezielt ein falsches Selbst.

00:20:20: Sie manipulieren, wirken oberflächlich charmant, nutzen andere für die eigenen

00:20:26: Ziele und sind im Kern oft skrupellos oder berechnend.

00:20:31: Ihnen fehlt die echte Empathie.

00:20:34: Sie spielen nur mit den Gefühlen anderer.

00:20:37: Meursault dagegen ist authentisch, aber radikal ehrlich, auch da, wo andere

00:20:42: vielleicht eine Show erwarten.

00:20:44: Er ist weder berechnend noch manipulativ.

00:20:47: Er nimmt das Leben einfach hin, wie es ist, ohne nach einer tieferen Bedeutung zu

00:20:52: suchen oder andere für seine Ziele auszunutzen.

00:20:56: Im Gegenteil: Seine Emotionslosigkeit ist fast schon eine Form von Unschuld.

00:21:03: Er lügt nicht, spielt kein Theater, sucht keinen Applaus und hat

00:21:08: keine versteckte Agenda.

00:21:10: Das ist der entscheidende Unterschied und der macht Meursault in der Geschichte so

00:21:16: unbequem und für viele Leser und Leserinnen so faszinierend.

00:21:20: Er ist ein Mensch, der sich weigert, das Spiel der Masken mitzuspielen und gerade

00:21:26: dadurch für seine Umwelt zum Fremden wird.

00:21:30: Heute würde man so eine Person womöglich als unbewussten sogenannten

00:21:34: Non-Empath sehen.

00:21:37: Hierzu zählen beispielsweise Menschen mit Asperger-Syndrom oder anderen

00:21:41: neurodiversen Hintergründen.

00:21:43: Ihr Empathie-Defizit ist nicht böse gemeint, sondern neurologisch bedingt.

00:21:49: Im Gegensatz zu den bewussten Non-Empaths, eben den Narzissten oder

00:21:56: Psychopathen im schlimmsten Fall.

00:21:58: Für die Praxis bedeutet das, wer wenig Emotion zeigt, ist nicht

00:22:03: automatisch kalt, manipulativ oder gar gefährlich.

00:22:07: Wichtiger ist immer: Was ist die Haltung dahinter?

00:22:11: Ist jemand ehrlich, offen, transparent oder berechnend und auf

00:22:16: eigenen Vorteil bedacht.

00:22:18: Das zu unterscheiden macht nicht nur in der Literatur, sondern auch in der Führung

00:22:23: und im täglichen Miteinander, in der Kommunikation, in der Präsentation, in

00:22:28: jedem Meeting einen gewaltigen Unterschied.

00:22:31: Und schon sind wir beim letzten Punkt, bei Punkt 6, angelangt.

00:22:36: Unser Fazit: Haltung ist eine Entscheidung, keine Rolle.

00:22:42: Camus für die Praxis.

00:22:44: Heute haben wir in Anlehnung an das bekannte Werk von Camus, "Der Fremde",

00:22:49: mal betrachtet, ob du lieber authentisch oder angepasst präsentieren sollst.

00:22:54: Wie so oft gibt es hier keine Ja-Nein-Antwort.

00:22:58: Wichtig ist, dass du dir überhaupt die Frage stellst,

00:23:02: denn dann wird klar, mit welcher inneren Haltung und welchem Ziel

00:23:07: du in einen Auftritt gehst.

00:23:09: Wir haben gelernt, dass Wirkung die Absicht schlägt und

00:23:14: dass es unsere Führungsverantwortung ist, unsere authentische

00:23:18: Botschaft zu übersetzen.

00:23:21: Wir müssen uns aktiv darum bemühen, uns zu erklären, denn auch dein Publikum, so gut

00:23:26: du es auch zu kennen glaubst, hat keinen direkten direkten Draht in deinen

00:23:31: Kopf und in deine Gedankenwelt hinein.

00:23:34: Sei also bitte kein Fremder oder keine Fremde, wenn es um die Kommunikation

00:23:39: in deinen Präsentationen geht.

00:23:42: Nimm dir nach dieser Folge ruhig einen Moment Zeit und frage dich, wie du deine

00:23:47: innere, authentische Haltung so zum Ausdruck bringen kannst, dass sie

00:23:52: unmissverständlich ist und auch ankommt.

00:23:56: Dafür wünsche ich dir viel Mut, Klarheit und und Wirksamkeit bei

00:24:01: deinem nächsten Auftritt.

00:24:03: Ich freue mich auch immer wieder auf deine Erfahrungen.

00:24:07: Und natürlich würde ich mich freuen, wenn du mir eine Bewertung schreibst, wenn du

00:24:12: diesen Podcast öfter hörst und ihn für gut befindest,

00:24:17: dann schreib mir gerne eine Bewertung bei Spotify oder bei Apple Podcasts.

00:24:22: Das würde mir wirklich weiterhelfen.

00:24:24: Herzlichen Dank dafür und alles Gute für deine nächsten Auftritte, deine Silvia.

00:24:35: (Musik) Und schon ist wieder eine weitere Folge von "Professionell

00:24:38: auftreten" vorbei.

00:24:40: Wenn du weitere Unterstützung wünschst und deinen Auftritt individuell optimieren

00:24:44: möchtest, dann schreib mir gerne eine E-Mail über mein Kontaktformular

00:24:49: unter pitz-coaching.

00:24:52: de/kontaktformular.

00:24:54: Ich freue mich auf dich.

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