#62 Klartext ohne Krawall - Wie du professionell widersprichst, und damit Erfolg und Innovation beförderst
Shownotes
Mut zum Widerspruch – so geht’s ohne Krawall!
Stell dir vor: Im Meeting siehst du klar, dass etwas nicht passt – aber niemand sagt etwas. Wie schaffst du es, professionell Klartext zu reden, ohne Beziehungen aufs Spiel zu setzen?
In dieser Folge lernst du, wie echte Innovation durch offenen Widerspruch entsteht, woran selbst erfahrene Führungskräfte beim Feedback scheitern und warum Teams mutiger werden müssen, wenn sie erfolgreich bleiben wollen.
Mit handfestem 5-Schritte-Plan, wissenschaftlichen Insights und vielen Beispielen aus dem echten Arbeitsalltag. Hol dir praktische Tools für souveräne Wirkung – ganz ohne Drama.
Jetzt reinhören und den Mut zum konstruktiven Widerspruch neu entdecken!
Shownotes:
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00:00:00: (Musik) Herzlich willkommen zu "Professionell auftreten", dein
00:00:07: Podcast für die gelungene Präsentation.
00:00:10: Souverän, glaubwürdig und begeisternd auftreten, deine Botschaft
00:00:14: zielsicher anbringen.
00:00:15: Mit Leichtigkeit Lampenfieber, kritische Fragen und andere Stolpersteine
00:00:21: überwinden, darum geht es.
00:00:23: Ich bin Silvia B.
00:00:24: Pitz und freue mich auf dich, herzlich willkommen.
00:00:33: Stell dir vor, du bist in einem virtuellen Meeting.
00:00:36: Es geht um ein wichtiges Projekt.
00:00:39: Die Entscheidung scheint gefallen, alle nicken.
00:00:41: Aber du spürst, irgendwas stimmt hier nicht.
00:00:45: Du hast eine andere Sicht, vielleicht ein Bauchgefühl, vielleicht auch harte
00:00:50: Fakten, die übersehen werden.
00:00:53: Was machst du?
00:00:55: Sagst du, was dich stört?
00:00:56: Riskierst du, als Querulant oder Querulantin zu gelten?
00:01:01: Oder schluckst du es runter und ärgerst dich nachher über dich selbst?
00:01:07: Ganz herzlich willkommen bei "Professionell auftreten", deinem Podcast
00:01:11: für souveräne Wirkung im Business und echten Erfolg im Alltag.
00:01:16: Heute mit Folge 62, Klartext ohne Krawall – wie du
00:01:22: professionell widersprichst und damit Erfolg und Innovation förderst.
00:01:28: Heute geht es um genau diese Momente: Wie du professionell widersprichst, klar in
00:01:35: der Sache und stark in der Beziehung bleibst.
00:01:39: Nicht nur für Meetings, sondern überall, wo du Haltung zeigen willst, ohne
00:01:45: jemanden vor den Kopf zu stoßen.
00:01:47: Warum du damit Erfolg und sogar auch Innovation beförderst, das werden
00:01:52: wir hier im Laufe des Podcasts hören.
00:01:54: Bleib also dabei, es wird spannend.
00:01:58: Was schauen wir uns in dieser Folge genau an?
00:02:01: Erstens: Woher kommt der Widerstand gegen den Widerspruch und warum eskaliert
00:02:07: eine solche Situation immer wieder?
00:02:10: Zweitens: Bekommst du einen praxiserprobten 5-Schritte-Plan, wie du
00:02:16: souverän widersprichst, wie immer mit wissenschaftlich fundierten Hintergründen.
00:02:21: Drittens: Blicken wir auf konkrete Beispiele aus dem virtuellen oder auch
00:02:27: Face-to-Face-Meeting-Alltag und schließlich gibt es als Extra, viertens,
00:02:32: noch eine Schnell-Checkliste für dich.
00:02:35: Lehn dich zurück, Ohren gespitzt und lass uns einsteigen.
00:02:41: Erstens: Woher kommt der Widerstand gegen den Widerspruch und warum
00:02:46: eskaliert er manchmal?
00:02:47: Es gibt ja Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die scheinen
00:02:51: keinen Streit auszulassen.
00:02:53: Dann gibt es wiederum Kolleginnen und Kollegen, die gehen jeder
00:02:57: Diskussion konsequent aus Weg.
00:03:00: Beide Verhaltensweisen haben fatale Folgen.
00:03:04: Dem Streithansel gibt man schon mal kaum mehr Redezeit, wenn es irgendwie geht.
00:03:09: Und die harmoniesüchtigen Leute werden nicht ernst genommen.
00:03:13: Klar, das sind jetzt wieder die beiden Extreme, aber überleg dir
00:03:18: mal, wo du eher hin tendierst.
00:03:21: Widersprechen, das klingt erst mal nach Konfrontation.
00:03:25: Davor scheuen schon mal viele Menschen zurück.
00:03:29: Aber Fakt ist: Die größten Schäden in Teams und Unternehmen entstehen nicht,
00:03:34: weil jemand widerspricht, sondern weil die Leute kaum mehr widersprechen.
00:03:40: Wenn alle nicken, obwohl sie etwas anderes denken, passieren Fehler.
00:03:45: Innovation bleibt aus, Frust baut sich auf.
00:03:49: Verschiedene Studien von Amy Edmondson, Professorin an der Harvard Business
00:03:54: School, dem Gallup Engagement Index und Microsoft Work Trend Index zeigen ganz
00:04:01: klar: In Unternehmen, in denen wenig psychologische Sicherheit herrscht, sagen
00:04:07: Menschen immer seltener, was sie wirklich denken, aus Angst, sich zu
00:04:12: blamieren oder Nachteile zu haben.
00:04:15: Dieses Schweigen bremst Innovation und kann zu Fehlern führen.
00:04:20: Gerade in virtuellen Meetings ist diese Zurückhaltung laut aktueller Forschung
00:04:25: sogar noch stärker ausgeprägt.
00:04:28: Gründe sind: weniger nonverbale Sicherheit, größere
00:04:33: Gruppe möglicherweise, Unsicherheit, wer jetzt dran ist und Furcht vor
00:04:39: öffentlicher Bloßstellung.
00:04:41: Amy Edmondson von der Harvard Business School hat das in ihrer Forschung zur
00:04:46: sogenannten psychologischen Sicherheit klar gezeigt.
00:04:50: Teams, in denen Menschen offen sagen können, was sie denken, auch und gerade
00:04:56: wenn es unbequem ist, sind erfolgreicher, innovativer und machen weniger Fehler.
00:05:03: Warum eskaliert Widerspruch dann so oft?
00:05:07: Weil wir Kritik persönlich nehmen, weil wir kritische Rückmeldungen als
00:05:12: Angriff empfinden und weil sie die Debattenkultur in den vergangenen
00:05:17: Jahren insgesamt leider verschärft hat.
00:05:21: Oder vielleicht werden wir auch dünnhäutiger.
00:05:24: Marshall B.
00:05:25: Rosenberg, der Begründer der gewaltfreien Kommunikation, sagt dazu:
00:05:31: „Urteile und Vorwürfe führen zur Abwehr.
00:05:35: Beobachtungen und Wünsche öffnen Türen." Gerade im virtuellen Raum ist die
00:05:41: Gefahr der Eskalation besonders hoch.
00:05:45: Das Stanford Virtual Human Interaction Lab zeigt in Studien, dass in Videomeetings
00:05:51: nonverbale Signale oft fehlen oder verzerrt sind.
00:05:55: Missverständnisse und kleine Spitzen werden nicht abgefedert,
00:06:00: sondern sogar noch verstärkt.
00:06:03: Deshalb brauchen wir eine neue Kultur des Widerspruchs: Eine, die
00:06:08: Beziehung und Klarheit verbindet.
00:06:11: Damit sind wir schon beim zweiten Punkt: Dein 5-Schritte-Plan für
00:06:16: professionelles Widersprechen.
00:06:20: Egal ob du nun zu den Krawallschachteln oder zu den Friedensjunkies gehörst, es
00:06:26: macht Sinn, Widerspruch professionell zu äußern, damit er auch sein Ziel erreicht.
00:06:33: Gehen wir die fünf Schritte mal im Einzelnen durch.
00:06:36: Schritt eins: Wahrnehmung von Bewertung trennen.
00:06:42: Das ist einer der wichtigsten Schritte überhaupt.
00:06:45: Wenn du es schaffst, das innerlich zu vollziehen, dann hast du den
00:06:50: meisten Menschen was voraus.
00:06:52: Deine Wahrnehmung ist immer richtig, aber sie ist leider (lacht) nicht
00:06:59: die einzige Wirklichkeit.
00:07:00: Das ist ein Kernpunkt aus der Feedback-Forschung von Schulz von Thun.
00:07:07: Erst die Trennung von Sach-und Beziehungsebene macht
00:07:11: Kommunikation erwachsen.
00:07:14: Formuliere also deine Beobachtung so konkret und neutral wie möglich.
00:07:21: Hier ist ein Beispiel: "Mir ist aufgefallen, dass wir beim Thema
00:07:24: Budget schnell zu einer Entscheidung kamen.
00:07:27: Die Risiken haben wir für circa zwei Minuten diskutiert."
00:07:32: Das ist neutral, nicht anklagend.
00:07:35: Wichtiges Prüfkriterium für dich: Würden die anderen da ohne Mühe zustimmen
00:07:41: oder gäbe es gleich einen Widerstand?
00:07:44: Hier kann das kleine Wörtchen "zu" schon das berühmte Zünglein an der Waage sein.
00:07:51: Würdest du im gleichen Beispiel sagen:
00:07:54: "Mir ist aufgefallen, dass wir beim Thema Budget zu schnell zur Entscheidung
00:08:00: kamen, ohne die Risiken zu diskutieren", wäre das bereits eine Bewertung.
00:08:05: Zu schnell ist bewertend, und zwar negativ in diesem Fall.
00:08:10: Schnell ist nur eine Beobachtung.
00:08:13: Das kann gut sein oder eben auch kritisch.
00:08:16: Wenn wir es ganz genau nehmen, dann müssten wir schnell auch noch definieren:
00:08:21: Wie lange hat die Entscheidung gedauert?
00:08:24: Eine Stunde, 15 Minuten, drei Sekunden oder einfach kürzer als
00:08:30: wenn das Team sich schon kennt.
00:08:32: Ihr wisst, was ich meine.
00:08:33: Also, die neutrale Beobachtung ist wirklich nicht so einfach.
00:08:37: Das heißt hier: Wirklich üben.
00:08:40: Im Training gelingt das selbst erfahrenen Führungskräften zuerst gar nicht (lacht).
00:08:45: Das ist aber nicht schlimm, denn mit etwas Übung und dem Wissen, worauf es
00:08:50: ankommt, geht es immer leichter.
00:08:53: Erst wenn die Beobachtung neutral geschildert ist, kommt die Bewertung.
00:08:58: Immer schön der Reihe nach.
00:09:01: Wichtig ist auch eine kurze Pause zwischen der neutralen Beobachtung, am besten noch
00:09:07: die Zustimmung vom Team oder dem Publikum, denn erst dann sind die Leute
00:09:12: überhaupt offen für eine Bewertung.
00:09:15: Das ist sehr wichtig zu verstehen, denn wenn die neutrale Beobachtung schon als
00:09:20: Anklage ankommt, dann verschließen sich die Menschen und gehen auf Abwehr, hören
00:09:26: infolgedessen ja gar nicht mehr die möglichen Lösungsideen, die dann kommen.
00:09:32: Wer das versteht und gut umsetzen kann, der wird 80 bis 90% der Konflikte
00:09:38: deutlich leichter lösen können.
00:09:41: Aber Achtung: Selbst wenn man die Regeln kennt, ist es im Eifer des
00:09:46: Gefechts schwer, daran zu denken.
00:09:48: Ich kann euch davon echt ein Lied singen.
00:09:52: Das System findet übrigens auch bei den meisten Angriffen, die wir als Rednerinnen
00:09:56: und Redner manchmal erfahren, Anwendung.
00:09:59: Nachdem du geübt hast, die Situation oder das Verhalten neutral zu benennen, kommt
00:10:06: der zweite Schritt in unserem 5-Schritte-Plan für
00:10:10: professionellen Widerspruch.
00:10:12: Und der heißt: Die Wirkung benennen in Ich-Botschaften.
00:10:17: Jetzt geht es also darum, die Wirkung, die die Situation auf dich hat, zu
00:10:22: beschreiben, und zwar am besten in der Ich-Form.
00:10:26: Ist ja eigentlich logisch, denn ich habe ja diese Empfindung.
00:10:30: Laut John Gottman, einem US-Kommunikationsforscher, werden
00:10:35: kritische Hinweise besser angenommen, wenn sie in Ich-Form und mit einer Wirkung auf
00:10:41: mich verbunden werden und nicht als Angriff.
00:10:45: Wir bleiben beim Beispiel mit der schnellen Budgetentscheidung.
00:10:49: "Auf mich wirkt das so, als ob wir mögliche Probleme übersehen."
00:10:55: Damit bringst du deine Ansicht zum Ausdruck, da du zuvor die Situation
00:10:59: neutral, aber betreffend geschildert hast, kannst du nun guten Gewissens
00:11:03: deine Sorge mitteilen.
00:11:06: Die Leute werden dir somit viel eher Gehör schenken, als wärst du gleich mit einem
00:11:11: Satz wie: „Leute, wir übersehen mit unserer hektischen Budgetentscheidungen
00:11:16: mögliche Probleme", eingestiegen.
00:11:19: Macht Sinn, oder?
00:11:21: Das wirkt nämlich anklagend und wir wissen, dass sich Menschen bei einer
00:11:24: Anklage sofort auf die Gegenrede fokussieren.
00:11:29: Schritt zwei also, noch mal wichtig, dass du von deiner eigenen Warte ausgehst
00:11:34: und es darf hier eine Bewertung kommen.
00:11:37: Manche Führungskräfte trauen sich, bei diesem Schritt nun gar nicht
00:11:40: mehr eine Bewertung vorzunehmen.
00:11:42: Doch genau hier gehört sie hin.
00:11:46: Beim dritten Schritt geht es dann darum, die Brücke zu bauen: Beziehung vor Inhalt.
00:11:53: In unseren vielen virtuellen Meetings und Präsentationen ist das entscheidend.
00:11:58: Gerade wenn du die Stimmung nicht spürst, gib bitte Beziehungssicherheit.
00:12:04: Zum Beispiel mit dem Satz:"Mir ist wichtig, dass wir dazu offen sprechen
00:12:09: können, sodass wir unsere gute Diskussionskultur weiter ausbauen."
00:12:14: Jetzt ist es natürlich so, dass dieser Satz rein gar nichts verändert, wenn es in
00:12:19: deinem Team keine oder nur wenig sogenannte psychologische Sicherheit gibt.
00:12:24: Der Satz wäre dann nur Makulatur und hilft nicht bei einer Kultur, die nur
00:12:29: Angst und Unsicherheit kennt.
00:12:32: Ich übertreibe das natürlich wieder, aber ich hoffe, das ist klar.
00:12:36: Eine gute Kultur baut sich auch nicht von allein und von heute auf morgen auf.
00:12:41: Das ist Führungsaufgabe von Anfang an und füllt ganze Bücher,
00:12:45: wenn nicht Bibliotheken.
00:12:47: Prüfe bitte bei dieser Gelegenheit kritisch, wie es da in deinem Führungsteam
00:12:53: und in deinem Unternehmen aussieht.
00:12:56: Amy Edmondson betont, dass diese psychologische Sicherheit der Schlüssel
00:13:01: ist, damit Teams auch Kritik als Einladung zum Wachstum sehen, nicht als Angriff.
00:13:08: Wenn du merkst, dass diese Sicherheit in deinen Teams noch nicht gegeben
00:13:12: ist, dann kannst du sie etablieren.
00:13:15: Du musst aber dabei die Speerspitze sein und damit professionell
00:13:19: auftreten und es vorleben.
00:13:21: Und zwar nicht nur einmal als Show, sondern von jetzt ab immer.
00:13:27: Ich habe leider schon etliche Führungskräfte gesehen, die etwas von
00:13:31: guter Widerspruchskultur gefaselt haben, aber selbst keinerlei
00:13:36: Kritik zugelassen haben.
00:13:38: Das wäre ja dann Majestätsbeleidigung.
00:13:41: Kennst du sicher auch, solche Egozwerge, pardon (lacht).
00:13:45: Mach du es bitte besser.
00:13:47: Die Leute sind nicht dumm und spüren, ob du es ernst meinst mit einer offenen
00:13:52: Feedback- und Diskussionskultur, gerade wenn etwas präsentiert wird.
00:13:58: Wenn du dich nicht ganz sicher fühlst, wie eine psychologische Sicherheit
00:14:02: langfristig in deinen Teams und in deinem Unternehmen etabliert werden
00:14:06: soll, dann sprich mich gerne an.
00:14:09: Auch das gehört für mich zu einem professionellen Auftritt.
00:14:12: Du musst die erfreuliche Botschaft schließlich ja als Führungskraft auch
00:14:16: glaubwürdig kommunizieren können.
00:14:19: So, jetzt kommen wir zu Schritt vier: Die Alternative anbieten,
00:14:24: konkret und lösungsorientiert.
00:14:27: Jetzt geht es darum, einen konkreten Lösungsvorschlag zu machen.
00:14:32: Viele Nörgler und Querulanten, übrigens auch so manche Oppositionsparteien,
00:14:37: decken vielleicht sogar zu Recht Probleme und Missstände auf.
00:14:41: Aber dabei bleibt es auch.
00:14:44: Keine glaubwürdige zukünftigen Lösungen in Sicht.
00:14:46: Es bleibt ein schales Gefühl von Anklage und Problemorientierung in der Luft.
00:14:53: Es geht also darum, einen nächsten konstruktiven Schritt vorzuschlagen.
00:14:58: Wir bleiben beim Budgetbeispiel.
00:15:00: Du könntest sagen: „Ich schlage vor, dass wir uns noch zehn
00:15:04: Minuten nehmen, um die größten Risiken zu sammeln und gemeinsam zu diskutieren.
00:15:10: Michael Tomasello, einer der bekanntesten Kooperationsforscher am
00:15:14: Max-Planck-Institut, konnte zeigen: Menschen nehmen Feedback und Kritik viel
00:15:20: eher an, wenn sie als Beitrag zur gemeinsamen Lösung und nicht als
00:15:25: persönliche Abwertung formuliert sind.
00:15:29: Kurzum: Wer im Team immer wieder den Fokus auf das Miteinander und das gemeinsame
00:15:34: Ziel legt, fördert echtes Lernen und konstruktive Veränderung.
00:15:40: Diese Art des kooperativen Widerspruchs ist ein zentraler Erfolgsfaktor
00:15:46: in leistungsstarken Teams.
00:15:48: Du kannst dir vorstellen, dass in einem solchen Team auch innovative und teilweise
00:15:52: vielleicht auch erst einmal verrückte Ideen und Lösungen vorgebracht werden,
00:15:58: weil sie nicht von vornherein oder lächerlich gemacht werden.
00:16:02: Deshalb lohnt es sich, diese Art des professionellen Widerstands und
00:16:06: Widerspruchs im Unternehmen einzuführen und – du weißt es schon
00:16:10: – selbst vorzuleben.
00:16:13: Wir kommen zum fünften und letzten Schritt in unserem professionellen Widerspruch,
00:16:19: nämlich dem Thema „Feedback annehmen".
00:16:22: Souverän reagieren auch unter Druck.
00:16:25: Wenn du selbst Feedback bekommst, etwa im Call, vor allem dann, atme erst mal durch.
00:16:33: Verteidige dich nicht, erkläre dich nicht.
00:16:37: Das ist für die meisten Menschen erst einmal schwer.
00:16:40: Wir haben ja den Drang, die Dinge richtig zu stellen und klar zu machen, dass wir
00:16:44: das so und so gemeint hatten und dass wir missverstanden wurden und so weiter.
00:16:50: Widerstehe dem Drang dazu.
00:16:53: Das muss wirklich geübt werden, aber bedenke die Wirkung.
00:16:57: John Gottman, Psychologe und Autor von Büchern wie zum Beispiel "The Science of
00:17:02: Trust", nennt das einen Soft Start-up.
00:17:05: Nimm die Kritik erst mal an, lass sie sacken und reagiere erst dann.
00:17:12: So stärkst du nicht nur deine Souveränität, sondern
00:17:15: auch die Beziehungsebene.
00:17:17: Gottmans Forschungen zeigen, wie Feedback aufgenommen wird, entscheidet
00:17:22: über die Beziehungsqualität im Privaten wie im Job.
00:17:26: Besonders relevant ist, ob Menschen auf Kritik mit Abwehr, Rechtfertigung oder
00:17:32: gegen Angriff reagieren – das ist dann der sogenannte harsh Start-up
00:17:37: – oder ob sie erst einmal zuhören, annehmen und Verständnis signalisieren
00:17:43: – der sogenannte Soft Start-up.
00:17:46: Menschen, die es schaffen, Feedback ruhig entgegenzunehmen, nicht sofort zu erklären
00:17:51: oder sich zu rechtfertigen, sondern erst einmal zuzuhören und zu spiegeln, stärken
00:17:58: ihre Beziehungen und das Vertrauen im Team.
00:18:02: Gottmann empfiehlt: Erst mal dankbar annehmen,
00:18:06: Zeit für Reflexion lassen, dann gegebenenfalls Rückmeldung
00:18:10: oder Nachfragen.
00:18:11: Zum Beispiel mit dem Satz: "Danke für die Rückmeldung, Ich nehme das mit und
00:18:16: komme gern noch mal darauf zurück".
00:18:18: Hier kommt es auch ganz wichtig auf die Betonung und den emotionalen Ausdruck an.
00:18:24: Bitte nicht devot und unterwürfig sein, aber auch nicht schnippisch und ironisch.
00:18:30: Das wird sofort bemerkt und man sieht, dass du es nicht ernst meinst
00:18:35: oder gar beleidigt bist.
00:18:36: So wird das nichts mit dem Vorbild.
00:18:39: In Übungen sind die Führungskräfte immer wieder äußerst erstaunt,
00:18:43: dass sie die Rückmeldung bekommen, dass der Satz zwar sachlich gut war, aber die
00:18:48: Art, wie er gesprochen wurde, wirkte beleidigt oder unehrlich.
00:18:52: Ja, ja, das merkt man.
00:18:55: Beim zweiten Mal funktioniert es dann schon viel besser.
00:18:58: Also macht auch hier die Übung den Meister oder die Meisterin.
00:19:02: Am Schluss dieses Podcasts werde ich diese fünf Schritte noch mal wiederholen, bevor
00:19:07: wir noch zu einigen Beispielen aus der Praxis kommen, im Punkt drei.
00:19:13: Als erstes im virtuellen Meeting: Nehmen wir an, eine Person dominiert.
00:19:19: Du spürst, dass sich andere zurückziehen, statt zu sagen: „Herr Weber, Sie sind
00:19:24: schon wieder zu dominant", sag lieber: „Ich habe den Eindruck, dass wir gerade
00:19:28: hauptsächlich die Perspektive von Herrn Weber hören."
00:19:32: Mach eine kurze Pause, das ist die neutrale Beobachtung, und dann weiter:
00:19:37: "Für ein umfassendes Bild der Lage wäre es mir wichtig, dass wir auch die anderen
00:19:41: Stimmen einholen." Hier kannst du dann einzelne Stimmen zu
00:19:45: Wort kommen lassen oder je nach Gruppengröße alle abfragen.
00:19:49: Aber Vorsicht: Hier bitte auf die Zeit achten.
00:19:52: Jeder und jede darf nur so und so viele Minuten sprechen, sonst sprengt
00:19:57: das unter Umständen den Rahmen.
00:20:00: Eine gute Moderation gehört auch zum Repertoire einer Führungskraft.
00:20:05: Dazu werde ich in einer eigenen Folge noch darüber sprechen oder schau dir dazu das
00:20:10: LinkedIn-Learning-Video "Train the Trainer" von mir an.
00:20:14: Hier gibt es einige Videos zum Thema Moderation von Gruppen.
00:20:19: Okay, nächstes Beispiel: Chat-Kommunikation.
00:20:22: Es taucht ein recht kritischer Kommentar auf.
00:20:25: Du kannst hier sagen: „Ich lese im Chat, dass es Bedenken gibt.
00:20:30: Mir ist wichtig, dass wir diese offen besprechen.
00:20:33: Lasst uns dafür zehn Minuten einräumen, dann können wir auch noch weitere Punkte
00:20:38: besprechen, die euch womöglich beschäftigen." So schaffst du Raum, ohne
00:20:42: anzugreifen und reagierst souverän auf Kritikpunkte.
00:20:47: Ein weiteres Beispiel gefällig: Es gibt ein Entscheidungs-Ja,
00:20:51: aber du spürst Widerstand.
00:20:54: Folge deinem Gespür und sichere die Entscheidung folgendermaßen ab: "Bevor wir
00:20:59: weitermachen, wie sicher fühlt ihr euch mit der Entscheidung auf
00:21:02: einer Skala von 1 bis 10?
00:21:05: Gibt es etwas, das noch fehlt?" Diese Techniken helfen laut Edmondson und
00:21:10: Gottmann, auch unausgesprochene Einwände sichtbar zu machen, leisere und unsichere
00:21:17: Teammitglieder kommen so auch zu Wort.
00:21:20: Und wer weiß, vielleicht haben sie ja einen berechtigten Einwand.
00:21:24: Außerdem wissen wir ja auch, dass die Lauten nicht immer die einzigen
00:21:28: und die besten Ideen haben.
00:21:30: Sie verschaffen sich halt schneller Gehör.
00:21:33: Wer als Manager und Managerin dann nicht dafür sorgt, dass auch die
00:21:37: Introvertierteren zu Wort kommen, verliert womöglich viele Ideen und
00:21:42: auch mögliche Innovationen.
00:21:45: Warum wirken diese Methoden?
00:21:48: Schauen wir noch mal darauf.
00:21:50: Offene, wertschätzende Kommunikation erhöht die psychologische Sicherheit.
00:21:56: Konkrete, beobachtbare Aussagen vermeiden Missverständnisse, vor
00:22:00: allem in digitalen Formaten.
00:22:04: Feedback in Ich-Form und auf Augenhöhe wird nachweislich besser angenommen.
00:22:10: Und schließlich: lösungsorientierte Vorschläge laden zur Kooperation ein.
00:22:16: Sie verhindern Rechtfertigungs- und Verteidigungshaltungen.
00:22:21: Und schon sind wir wieder am Ende bei Punkt vier angelangt, dem
00:22:25: Schnelldurchlauf und der Checkliste.
00:22:28: Noch mal im Schnelldurchlauf der 5-Schritte-Plan für deinen
00:22:32: professionellen Klartext ohne Krawall.
00:22:35: Erstens: Beschreibe konkret und neutral, was du beobachtet hast.
00:22:41: Zweitens: Sag, wie das auf dich wirkt, ehrlich und in Ich-Form.
00:22:48: Drittens: Stell die Beziehung sicher.
00:22:52: Viertens: Mach einen Vorschlag, wie es weitergehen kann.
00:22:57: Und fünftens: Nimm Feedback souverän an, ohne dich zu verteidigen.
00:23:03: Das ist die Formel für professionellen Widerspruch: Live, im Meeting, im
00:23:08: Chat, im Flur oder im Chef*innen-Büro.
00:23:13: Unser Fazit: Ja, es braucht Mut, klar zu widersprechen und das Ganze
00:23:18: in einer Weise zu tun, die Beziehungen nicht verletzt, sondern im
00:23:22: Gegenteil aufbaut und wertschätzt.
00:23:25: Wissenschaft und Praxis zeigen, Klarheit und Beziehung schließen sich nicht aus.
00:23:31: Im Gegenteil, sie gehören zusammen.
00:23:34: Such dir in dieser Woche eine Situation, in der du ganz bewusst nach dieser Formel
00:23:39: widersprichst, egal wie klein sie ist.
00:23:42: Übe, klar zu sagen, was du wahrnimmst, wie es auf dich wirkt und was du dir wünschst.
00:23:49: Teile gern deine Erfahrungen oder schicke diese Folge auch an jemanden, der öfter
00:23:54: mal Klartext gebrauchen könnte, aber trotzdem Wert auf gute Beziehungen legt.
00:24:00: Ich freue mich auf deine Erfahrungen, deine Silvia.
00:24:08: (Musik) Das war es für dieses Mal "Professionell auftreten".
00:24:11: Jetzt hast du bestimmt noch mehr Freude bei deinen kommenden Präsentationen.
00:24:16: Weitere Informationen zum Podcast und die Shownotes findest du auch auf
00:24:20: meiner Webseite pitz-coaching. de.
00:24:24: schau doch mal rein.
00:24:26: Danke und bis bald, deine Silvia B. Pitz.
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